Aller Widerstand war zwecklos. Vergeblich versuchte LDP-Erziehungsdirektor Conradin Cramer die bereits reduzierten Leistungschecks an den Basler Primar- und Sekundarschulen zu verteidigen. «Sie sind kein Allheilmittel, aber ein nützliches Instrument, um unsere Schule noch besser zu machen», erklärte er. Die Mehrheit im Grossen Rat sieht das anders. Sie will die Checks innert Jahresfrist ersatzlos streichen lassen und hat gestern eine breit abgestützte Motion mit dieser Forderung mit 50 gegen 40 Stimmen bei 2 Enthaltungen an die Regierung überwiesen.

Mit dem Vorstoss sollen die Basler Schüler entlastet werden. Die Motion verweist auf eine im März 2017 deutlich verabschiedete Resolution von Lehrkräften aller Schulstufen mit der Forderung, die Leistungs-Prüfungen abzuschaffen. Mit diesen Checks werden die Basler Schüler seit 2013 mit Schülern aus den umliegenden Kantonen verglichen.

«Unnötig und teuer»

Zwar hat Regierungsrat Cramer im Frühling bekannt gegeben, in diesem Jahr auf den sogenannten Check S3 für Schüler der dritten Klasse der Sekundarschule zu verzichten. Die Tests an der Primarschule aber sollten belassen werden. Damit sind die Forderungen der Lehrer nur teilweise erfüllt. Bei ihnen waren die Checks von Anfang an heftig umstritten. Und auch die Kantonale Schulkonferenz bezeichnet sie als unnötig und teuer. Die Motion kritisiert denn auch die jährlichen Durchführungskosten von 600 000 Franken. Zudem seien die Checks insbesondere an der Primarschule als Förderinstrument ungeeignet. Und sie vergeudeten wertvolle Unterrichtszeit. Ein Bildungsmonitoring gebe es überdies bereits im Rahmen des Harmos-Konkordates.

«Die Checks sind pädagogisch wertlos», ergänzte Basta-Motionärin Beatrice Messerli gestern im Parlament. Der Nutzen sei umstritten. Die Schulen bräuchten die Tests nicht. Komme hinzu, dass sie neben den ordentlichen Tests zusätzlich extremen Druck auf die Schüler ausüben würden. Messerli: «Kommt es zu schlechten Resultaten, wirken diese ausserdem demotivierend.» Da die Basler Schulen verhältnismässig viele Schülerinen und Schüler mit Deutsch als Zweitsprache hätten, sei es klar, dass sie relativ schlecht abschnitten: «Die Tests gehören abgeschafft, denn sie zementieren den schlechten Ruf der Basler Schüler», argumentierte Messerli.

Tatsächlich ist der Leistungsstand der Basler Schüler in den bisherigen Checks jeweils schlechter ausgefallen als in den Vergleichskantonen. Dies wird wirklich unter anderem darauf zurückgeführt, dass in Basel-Stadt der Anteil an Schülern mit Deutsch als Zweitsprache deutlich am höchsten ist. Etwa 50 Prozent sprechen eine andere Muttersprache als Deutsch. In den anderen Kantonen liegt dieser Wert bei 30 Prozent.

Hilfe zur Standortbestimmung

Gegen die Abschaffung der Leistungstests votierten die Bürgerlichen. «Die Schüler können durchaus mit Druck umgehen», sagte SVP-Grossrat Joël Thüring. Gleichzeitig sei für die Wirtschaft besser zu erkennen, welche Schulabgänger für welche Stelle geeignet sind. Auch Annemarie Pfeiffer wollte sich namens der CVP/EVP-Fraktion nicht von den Checks abwenden: «Allerdings bleibt unklar, wie diese Daten heute genutzt werden», sagte sie.

Selbst Erziehungsdirektor Cramer konnte nicht klar benennen, ob sich die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft tatsächlich etabliert. «Geben Sie uns noch zwei bis drei Jahre Zeit, um Erfahrungen zu sammeln», bat er das Parlament. Die Bitte blieb ungehört. Der Unmut im Parlament ist offensichtlich zu gross.