Basler Fasnacht 2018

Wenn d Wält emoll de Binggis gheert – das sind die Highlights der Kinderfasnacht

Wenn es tobt, muss auch der Nachwuchs mittun: Am Dienstag liegt ein bunter Räpplisegen über der ganzen Innenstadt. Kurz ist sie zahm und süss – bis sie sich wieder ganz entfesselt, die wilde Basler Fasnacht.

Eine eigentliche Tradition ist die Kinderfasnacht in ihrer heutigen Form ja nicht. Früher, also vor wenigen Jahrzehnten, da gingen die Baslerinnen und Basler am Fasnachtsdienstag oft noch brav arbeiten, kultiviert, wie sie sind. Zwei Tage Wildnis mussten für die meisten reichen. Doch die Ruhe und die Bewegungsfreiheit während des mittleren Drittels unserer 72 Stunden zog die Familien in die Stadt, die wild zusammengewürfelten Zyschdigsgrippli mit den Kleinen in der Mitte inspirierten zu mehr.

Heute stehen wir vor einem veritablen Cortège für Kinder, ganz ohne Fasnachts-Comité und dessen ach so unzufrieden kommentiertem Reglementierungswahn, aber mit Nuggi und Strampelhose, ausgerüstet mit noch mehr Räppli als ganze Kohorten ausgewachsener Waggis in weibliche Jackenkrägen stopfen könnten. Denn es sind die kleinen Ungestümen, die diesen Tag in der Innenstadt beherrschen.

Der Waggis Nils an der Kinderfasnacht: «Ich bi eher dä wo stopft»

Der Waggis Nils an der Kinderfasnacht: «Ich bi eher dä wo stopft»

Mikro-Harlekin, Blätzlibajasseli

Und sie kennen kein Pardon. Keine Regeln ausser den wenigen Grundsätzen, die ihre Eltern ihnen mitgeben; keine Räppli vom Boden auflesen und wer eine Blaggedde trägt, bekommt das Blüemli und nicht die Stopfung. Aber was kümmert das die Kleinen, so zahm sie sind, im Fasnachtseifer: Da werden von Mini-Ueli, Mikro-Harlekin und Blätzlibajasseli mit eimerweise Räppli Erwachsene eingeseift, da werden aus reiner Lust die Dääfeli verteilt, da grinst dich einer an und im nächsten Moment hat dich von hinten der andere gestopft. Ist das der Nachwuchs, so ungezähmt und frech, so kann es um all die Fasnächte, die da noch kommen werden, nur zum Besten stehen.

Rundherum die wilden Cliquen, die Dienstags-Formationen, die Guggen: Eine Fasnacht die lebt, am einzigen Tag, der nicht an einen Cortège gebunden ist. Die freie Dienstagsgestaltung bringt die Fasnacht erst recht zum Blühen, denn sie bringt keinerlei Verpflichtung mit sich. Ausser den Treffpunkten der Formationen, die aber immer noch dezenter sind als die Strenge eines Zugs-Regimes mit einer Hundertschaft von Mitgliedern.

Sich gehen lassen – in die Freiheit

Allein also von einem Kinder-Dienstag zu reden, wird diesem Tag in seiner Vielfalt nie gerecht; schliesslich steht auf dem Kasernen-Areal auch noch die Wagen- und Requisitenausstellung – Vorsicht! Vom Comité organisiert! –, auf dem Münsterplatz bilden die Zugsladernen das grösste Freilichtmuseum der Stadt, kurzum: Schliesslich ist dann alles, was Fasnacht macht und Fasnacht machen will, in Basel auf den Beinen. Auch jene, für die unsere Fasnacht ein einziges Fest ist, die sich nicht um Pflichttermine, «Yystoh!» und organisierte Abendessen kümmern müssen.

Auch diese Freiheit gehört zum Dienstag, dem Tag der absoluten Bewegung, wo man genau so gut einfach in einem Clique-Keller aufs Herrlichste bei Schüümlipflüümli versumpfen kann, sich an einer billig kostümierten Feier gehen lässt oder in einer engen, klingenden Gasse gerade die komplexesten Parade-Märsche aus dem Repertoire zum Besten gibt – ganz ohne Applaus. Und damit dem trüben Wetter trotzt, das uns der Himmel dieses Jahr beschert und das er uns mit einer Kälte garniert, gegen die es nur ein Mittel gibt: Ytauche – ab uff d Gass!

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