Für eine 3,3-Deziliter-Flasche Wasser oder Süssgetränk zahlte man 2016 in Basler Restaurants und Cafés im Durchschnitt 5.16 Franken. Günstiger kam, wer drei Deziliter Lagerbier – die klassische Stange – bestellte: Sie kostete 5.07 Franken. Bier billiger als Wasser – so besagen es die Zahlen im Basler Statistischen Jahrbuch 2016. Der sogenannte Sirupartikel im Gastgewerbegesetz legt fest, dass das günstigste Getränk kein alkoholhaltiges sein darf. Dagegen verstossen die Basler Wirte nicht, denn im Offenverkauf sind Mineral, Eistee und Co. noch immer günstiger als in der Flasche.

Was aber auffällt: Die Preise für Wasser und Süssgetränke steigen stärker als der Bierpreis – auch wenn die Grafik mit Vorsicht zu geniessen ist. Das Fläschli Mineral bewegt sich auf demselben Preisniveau wie eine Stange. Die Tendenz zum teuren Mineralwasser hat auch Enrico Hörmann registriert. Der Geschäftsführer der All Bar One in der Basler Steinenvorstadt findet aber: «Die Flasche Mineral sollte günstiger sein als Bier.» In seiner Bar ist das so: Für die Flasche Mineralwasser verlangt er 5.20 Franken, für 2,5 Deziliter Bier 5.50 Franken. Den hohen Bierpreis begründet er damit, dass er das selbst gemachte Kitchen Brew ausschenkt.

Bio-Getränke sind Kostentreiber

 Eine Umfrage der bz bei Basler Wirten zeigt: Es sind verschiedene Gründe für die hohen Preise verantwortlich. Cyrill Lang ist Geschäftsführer des Restaurants Rhyschänzli. Er vermutet, dass die Verteuerung damit zusammenhängt, dass viele Wirte ihr Sortiment um spezielle Süssgetränke wie Bio-Getränke erweitern. Diese sind im Einkauf teurer. Als weiteres Beispiel nennt Lang die Schorle, die es unter anderem in der Buvette am Rhyschänzli zu trinken gibt: «Wir kaufen Apfelmost direkt vom Bauernhof und mischen ihn mit Mineralwasser. Das ist teurer, als fixfertige Schorle einzukaufen», sagt Lang.

Die speziellen Getränke nennt auch Cécile Grieder von der Kleinbasler Grenzwert-Bar als Kostentreiber. Ihre Preise liegen unter den statistischen Durchschnittspreisen: Die Stange kostet 4.80 Franken, das Fläschli Cola 4.50 Franken. Im Offenverkauf verkauft sie Mineralwasser (3.50 Franken) günstiger als Süssgetränke (4 Franken).

Diesen Unterschied machen heute viele Wirte nicht mehr. SP-Grossrat Thomas Gander sieht darin einen Grund für die gestiegenen Preise. Gander war bis Ende 2016 selber in der Gastronomie tätig, bei der Veranda Pellicano beim Birsköpfli.

Die Getränkehersteller haben keinen Einfluss auf die Preise ihrer Produkte im Restaurant. Beim Baselbieter Mineralwasserhersteller Eptinger sieht man die Entwicklung kritisch. Damaris Buchenhorner, Marketingleiterin bei Eptinger, befürchtet, dass sie das «Kaffee-Phänomen» ereilen könnte: «Wenn das Wasser im Restaurant zu teuer ist, trinken es die Leute vor oder nach dem Essen zu Hause. Den Kaffee trinken viele Leute nach dem Mittagessen auch nicht mehr auswärts, sondern im Büro», sagt Buchenhorner.

«Stangenpreis ist ein Politikum»

Maurus Ebneter vom Basler Wirteverband erklärt, weshalb die Flasche Wasser und die Stange häufig gleich teuer sind: Eine Standard-Stange habe einen Warenwert von rund 93 Rappen – ziemlich genau so viel wie eine 3,3-Deziliter-Flasche. Ebneter sagt, der Stangenpreis sei in vielen Lokalen ein Politikum und deshalb schwieriger anzuheben als der Wasserpreis.

Überdurchschnittlich teuer ist Wasser im Stadthof am Barfüsserplatz: 5.50 Franken kostet dort das Fläschli. Wirt Josef Schüpfer sagt, teures ausländisches Mineralwasser habe zur Preisentwicklung beigetragen. Es werde besser vermarktet als Schweizer Wasser und auch in Basel nachgefragt. Die eigentlichen Kostentreiber hinter allen Preisen seien aber primär Löhne und Mieten.