Nachtleben
Wenn die Security zum Sicherheitsproblem wird

Sicherheitsmänner der Basler Bar Rouge im Messeturm sollen Gäste verprügelt haben - nun stehen sie vor Gericht. Recherchen zeigen: Andere Clubs haben ähnliche Probleme.

Andreas Maurer
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Die Idylle im obersten Stock des Messeturms kann trügerisch sein: Sicherheitspersonal der Bar Rouge steht vor dem Strafgericht. Keystone

Die Idylle im obersten Stock des Messeturms kann trügerisch sein: Sicherheitspersonal der Bar Rouge steht vor dem Strafgericht. Keystone

Früher beschäftigten nur wenige Clubs Sicherheitspersonal. Heute stehen die dunkel gekleideten Männer vor fast jedem Lokal. Gründe dafür sind, dass das Nachtleben immer länger dauert und damit teilweise rauer wird. Durch die Aufrüstung mit Security ist aber auch ein neues Problem entstanden: Manche Sicherheitsmänner neigen selber zu Gewalt.

Ein besonders brutaler Fall behandelt das Strafgericht demnächst. Die Staatsanwaltschaft schildert diesen in ihrer Anklageschrift wie folgt: Sicherheitsmänner packen zwei Besucher, die in der Bar Rouge in eine Auseinandersetzung verwickelt sind, ohne Vorwarnung rabiat und schleifen sie zum Lift. Auf der Fahrt von der 31. Etage des Messturms zum Ausgang prügeln fünf Sicherheitsmänner auf die beiden Partygäste ein. Der eine von ihnen verliert das Bewusstsein. Das von der Bar angestellte Personal tritt mit Füssen weiter auf das Opfer ein und lässt es bewusstlos auf der Strasse liegen.

Trotz Gewalt nicht entlassen

Vier der fünf Sicherheitsmänner stehen nun vor Gericht. Sie befinden sich auf freiem Fuss. Teilweise müssen sie sich auch für Vorfälle in anderen Nächten verantworten. Einer davon hat sich kurz vorher ebenfalls in der Bar Rouge abgespielt: Eine Frau wurde von einem Sicherheitsmann laut Staatsanwaltschaft sexuell belästigt und geschlagen. Als ihr Freund eingreift, verpasst ihm der Angeklagte Blutergüsse, Prellungen und Schwellungen. Dieser Vorfall führte nicht zu einer Kündigung.

Die vier Angeklagten sind 25 bis 28 Jahre jung. Alle waren von der Zürcher Sicherheitsfirma Pro Sec angestellt. Diese gibt auf ihrer Homepage mehrere Basler Referenzen an, auch die Bar Rouge. Das ist Vergangenheit: «Im Raum Basel nehmen wir nur noch vereinzelt Aufträge auf Anfrage entgegen und erfüllen seit längerer Zeit keine Aufträge mehr für die Bar Rouge», teilt Geschäftsführer Parham Khodaparast mit. Er streitet ab, dass Mitarbeiter von ihm in Strafverfahren verwickelt sein sollen. Dass die Basler Staatsanwaltschaft den Namen seiner Firma in der Anklageschrift erwähnt, ist ihm nicht bekannt. Bar-Rouge-Inhaber Joël Gysin verweigert zum Thema jegliche Auskunft.

Hooligans schätzen den Job

Der Fall in der Bar Rouge ist besonders brutal. Es kommt aber oft vor, dass Sicherheitspersonal gewalttätig wird. Vor allem in der Hooligan-Szene ist der Job beliebt. Der Basler Kriminalkommissär Peter Gill berichtet: «Es gibt beides: Gäste, die Türsteher verprügeln, und Türsteher, die Gäste verprügeln.» Oft entstehen Aggressionen, wenn ein Türsteher einen Gast nicht hereinlässt. «Das darf er, ohne Gründe angeben zu müssen», sagt Gill. Manche Gäste fühlen sich deswegen in ihrer Ehre verletzt.

Sicherheitsmänner dürfen sich aber nicht wie Polizisten aufspielen: «Sie dürfen niemanden hart anpacken, ausser es handelt sich um Notwehr oder sie halten jemanden nach einer Tat fest, bis die Polizei kommt.» Kriminalkommissär Gill möchte nicht alle Türsteher in den gleichen Topf werfen, bestätigt aber, dass Grenzüberschreitungen – bis hin zu Gewalteskalationen – ein Problem sind. Angriffe von Security stuft er aber nicht als Riesenproblem ein: «Das Problem ist vor allem, dass es jedes Wochenende Schlägereien gibt.»