Comité-Bangg-Abend

Wenn ein Bangg superaktuell ist – und von der Realität eingeholt wird

Aktuelle Verse sind eine hohe Kunst – und die grossen Brüller, wenn sie gelingen. Kein Wunder also, dass am Comité-Bangg-Abend im Theater Basel die Lasagne- und die Vasella-Verse für die lautesten Lacher sorgten.

Es ist die hohe Schule der Bangg-Dichtkunst, aktuelle Verse zu liefern. Das gab es in den Vorjahren immer wieder und das wird es auch in diesem Jahr wieder geben. Und diese Akut-Verse sind auch regelmässig die grossen Brüller, wie das auch am Comité-Bangg-Abend am Montag im Theater der Fall war. So sorgten Lasagne-Verse für fröhliches Gewieher im Publikum. Begeisterungsstürme gab's für Papst- und Vasella-Verse. Am Montag musste man relativ lang warten, bis der erste Vasella-Vers kam.
D Schwoobekäfer versohlen den „Super-Dan" regelrecht:

Dr Santiglaus isch mit dr Ruete zum Vasella ko;
Dä hett verzellt: Ych ha jo nur, was ych verdient ha, gnoo.
Do sait dr Santiglaus: Was Du verdient hesch mit em Zogge,
Das zell ich Dir scho aane, aber denn kasch nie meh hogge.

Einige wurden allerdings von der Aktualität bereits überholt, und damit auch die Verse, welche die Frage aufwerfen, wie hoch denn die Bezahlung an den Papst sei, damit dieser nicht zur Konkurrenz überlaufe. Von 72 Millionen Oblaten war die Rede...
Zweifellos werden heute und morgen Bängg zu hören sein, die auch die neuste Wendung berücksichtigen, nämlich, dass Vasella auf die 72 Millionen-Abfindung verzichtet.

Oder noch extremer: Ein Bangg verpasst die Aktualisierung und wird dank der jüngsten Wendung im Vasella-Fall unverhofft wieder aktuell. Ärmster Dan! Die Blauäugige:

Dr Vasella het sich sälber kindet - ihm danggt d Wirtschaftswält
Fir d Arbetsblätz, dr Campus und au s Bresidäntegäld,
Wills das nimm git wird ihm ganz bang - doch tröschtet en sy Frau:
Waisch es goht jo nimm so lang - denn griegsch du d AHV.

Wir wagen die Prognose, dass wir heute Abend eine Neuauflage von Vasella-Versen erleben werden. Papst, Vasella, Heiligenschein, Ablasshandel... der Themen wären viele!

Auch schräge, skurrile und anarchistische Pointen setzen beim Publikum tosenden Applaus ab. In der Meisterklasse spielt der Doggter FMH, mittlerweile eine Referenzgrösse, der Benchmark, sozusagen. Sein Rezept: Die Pointe kracht erst im letzten Wort.

Si, in mim Wartzimmer sitze Patiänte, die sinn traumatisiert,
die hänn unngschützt Lieder vo dr Vreni Schneider konsumiert,
Däne hetts allne, chasch jede frooge,
d Zeecheneegel wie Schiispitz uffebooge.

Oder er verbindet zwei Themen miteinander, aber es ist nicht klar, in welche Richtung der Schuss los geht:

Si, me cha d Hirnzällä bi dä Fraue mit Strigge aktiviere
Und das will ich jetzt bi de Männer vo der Schyynatzi au probiere.
Si, dr Erfolg isch gigantisch, jä das isch ä Diggä
Die fahre nid schnäller, aber könne jetzt schtrigge.

Auch der Singvogel führt „Famous last Word"-Pointen. Und verbindet Themen, Personen:

Sit neuschtem seet dr Moritz Suter, daschs Frappanti,
im Vreni schneider klaar e Seeleverwandti.
He joo, au äär stooht e bitz verloore umenand
Und dringt sy Kaffi ganz eläi am Pischterand.

Skurrilität treiben auch die Peperoni auf die Spitze und begeistern mit scharfen Pointen und Sprachwitz, so zum Beispiel im Vers über die Stimmenzähl-Pannnen im Ständerat:

Im Ständeroot het Aine welle
Die Drei wo derte hogge zelle
Doch won är het afo zelle, duet är sich verzelle
Und will är nit uff drei ka zelle - bybt's bim zelle welle


Lieblingsthema Nummer ist der neu gewählte Regierungsrat Baschi Dürr und sein angekündeter regelmässiger Waschtag zuhause.
Lassen wir Heiri das Wort:

Sii, das find ych scho dr Hit: Dä Baschi Dürr cha wäsche,
cha Windle wächsle, butze, är git em Buschi d'Fläsche.
Nääbebyy striggt är für d ART und choche ch är au,
wenn dä jetz no regiere cha, denn isch dä glatt e Frau.

Ein weiteres Liebligsthema ist Trainer Hitzfelds Mittelfinger. Dieser soll er eine Schiedsrichter gezeigt haben. Schynt's.
D Wäägwyyser:

Dr Schorsch, dä brucht e neue Härd zum Plätzli broote,
am Muba-Kuchistand wird är beroote.
S neu Modäll heisst „Hitzfäld" - s goht alles ringer
Und bediene kasch es nur mit em Mittelfinger.

Auch wenn das der x-te Hitzfeld-Bangg war, er überzeugte durch den Vortrag.

Apropos Vortag: Ist er deutlich und klar, ist die Melodie transparent, und sauber intoniert, dann gehen auch lange Verse durch. Sehr gut machen das zum Beispiel d Dromböösli.

Optische Reize bietet der Fährimaa: Die Gruppe kommt in blau-grün-weiss-grau gestreiften Kostümen daher, und mit einem Vers, dem wir ebenfalls grün sind:

Küürzlig wotti uffs Tram - y hätt mirs könne spaare
Die erschte drey han y grad lo duurefaare
Ych styyg denn ins vierte, in das volle, pralle
Bi de andere hett mir das „Grien" nit soo gfalle.

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