Kunst

Wenn ein Wasserspeicher zum Kunstort wird

Fredy Hadorn kann die Eröffnung kaum erwarten.nicole nars-zimmer

Ausstellung

Fredy Hadorn kann die Eröffnung kaum erwarten.nicole nars-zimmer

So was hat Basel noch nicht gesehen. Fredy Hadorn erklärt im Gespräch, wie er eine Wasserversorgungsanlage in einen hippen Ausstellungsraum verwandeln konnte.

Betritt man die Filter-4-Anlage auf dem Bruderholz, fühlt man sich vom Ambiente magisch angezogen. Man steht in einer Säulenhalle, unter den Schuhen knirscht bei jedem Schritt der Sand. Aus den grossen Musikboxen kommen ruhige Klänge, zwischen zwei Säulen steht eine Bar, in der die Getränkeflaschen aber noch fehlen. Überhaupt gibt es in der ehemaligen Wasserversorgungsanlage noch viel zu tun. Dass sich das Resultat aber sehen lassen könne, stehe ausser Frage, ist Fredy Hadorn überzeugt. Er möchte die Anlage, die 1903 gebaut worden war, in einen Ausstellungsort verwandeln, der das Kulturleben der Stadt bereichert.

Die Projektidee hatte Hadorn vor fünfeinhalb Jahren. Damals entschlossen sich die IWB, Filter 4 zu schliessen, da Basel nicht mehr so viel Wasser brauche wie einst. Warum es erst jetzt zur Eröffnung kommt, liegt an den vielen Steinen, die Hadorn in den Weg gelegt worden sind - vor allem von den Bruderholz-Bewohnern. «Die Leute hatten Angst, ich würde ihnen ihr Paradies wegnehmen, indem ich ein Jugendzentrum auf die Beine stelle und Partys feiere», erklärt der Projektinitiant. Obwohl sich die Basler Regierung im Jahr 2007 zu 100 Prozent hinter das Projekt stellte, wurden gegen 600 Einsprachen aus der Bevölkerung erhoben - es folgten Gerichtsverhandlungen.

Zusage kam vor zwei Monaten

Doch der Kampf hat sich gelohnt: Ende Sommer 2010 hörten die ärgerlichen Diskussionen auf und im April erhielt Hadorn vom Bauinspektorat grünes Licht, sich seinen Wunsch zu erfüllen. Dieser heisst ab dem 11. Juni - dem Eröffnungsabend - «Filter 4 culture affairs» und wird ein Ausstellungsort für moderne und zeitgenössische Kunst mit Fokus auf Skulptur, Installation, Projektion und Performance.

Für Hadorn war es wichtig, den Raum mit den 16 Säulen so bestehen zu lassen. Denn: «Die Wasserversorgungsanlage ist über 100 Jahre alt und war jahrzehntelang sehr wichtig für Basel. Davor habe ich Respekt.» Beachten müsse man jedoch, dass bei starkem Regen Wasser in den Ausstellungsraum dringen könnte - deswegen wird dieser nur zwischen Mai und September geöffnet. «Aquarelle auszustellen wäre also absurd», witzelt Hadorn.

Musik-Akademie zeigt Interesse

Als erster Künstler präsentiert in der Anlage der Berner Adrian Scheidegger seine Werke. Er installiert auf 400 Quadratmetern - die Anlage besteht aus zwei Kammern mit einer Gesamtfläche von 800 Quadratmetern - 60 Vulkane aus einer halben Tonne Glasperlen. Auf der restlichen Fläche entsteht eine Sandkasteninstallation für Kinder. Ziel von Hadorn ist, regionale, nationale und internationale Künstler ins Filter 4 zu locken. Zudem sind Kunststudenten der Fachhochschule willkommen.

Der 50-Jährige weiss, dass Filter 4 in ein paar Jahren Erfolg hat. «Sonst hätte ich nicht so lange gekämpft.» Anfragen hat er bereits: Die Musik-Akademie Basel möchte unter anderen den Raum als Konzertsaal prüfen.

Vor drei Jahren hatte Hadorn einen Verein gegründet. Die sechs Mitglieder unterstützten das Projekt seither mit je 15000 Franken, insgesamt belaufen sich die Kosten auf 222000 Franken. «Filter 4 wird es nicht einfach haben», ist sich Hadorn bewusst. Aber: «Die Anlage war früher wichtig für Basel, und wir wollen der Stadt nun etwas zurückgeben.»

Eröffnung Samstag, 11.6., 15 bis 1.30 Uhr, Bruderholz, Eingang Reservoirstrasse. Programm auf www.filter4.ch

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