Eine Gruppe von Menschen marschiert die Gerbergasse entlang. Geführt werden sie von zwölf Männern in der Tracht der Safranzunft, die im Gleichschritt auf Piccolos und Trommeln ihre Märsche spielen. Passanten bleiben am Strassenrand stehen, kramen eifrig ihre Smartphones aus Hosen- und Handtaschen und fotografieren die Männer, welche die in den Zunftfarben Gelb und Grün gehaltenen Uniformen tragen.

Selbst einige FC-Porto-Fans, die sich vor dem Champions-League-Hinspiel auf dem Marktplatz versammelt haben und ihre Stimmbänder auf den Match vorbereiteten, halten kurz inne – und dokumentieren das für sie offensichtlich ungewohnte Schauspiel.

Zunft zur Safran ist die grösste

Manch einer mag nun denken, ein paar Vollblutfasnächtler könnten nicht mehr warten, bis die drey scheenschte Dääg am kommenden Montag endlich beginnen. Doch falsch: Am Aschermittwoch – also gestern Abend und zum Beginn der 40-tägigen Fastenzeit – ist in Basel Tag der Zünfte.

Die Brüder der Herrenzünfte treffen sich in ihren Zunfthäusern zum Aschermittwochsmahl. Eingeladen zum gemütlichen Zusammensein sind Gäste, entweder Meister einer anderen Zunft oder jemand, der sich während des Jahres um die Stadt Basel verdient gemacht hat. Nach dem mehrgängigen Essen und spitzen Reden machen sich die Zunftmitglieder auf den Weg, sich gegenseitig zu besuchen. Pünktlich um 18 Uhr verliessen die Brüder der Zunft zu Safran gestern also ihr Hauptquartier, die Safranzunft an der Gerbergasse, und machten sich auf zur Zunft zum Schlüssel in der Aeschenvorstadt.

Ungefähr 350 Männer gehören der Zunft zur Safran an. Somit ist sie die grösste in Basel. Ihre Bezeichnung taucht erstmals im Jahr 1372 auf. Ursprünglich war sie die Zunft der Gewürzhändler, entwickelte sich aber bald zur Sammelzunft: Pergamentmacher, Papierhersteller, Bürstenbinder sowie Hutmacher gehörten ihr unter anderem an. Hintergrund: Anfang des 16. Jahrhunderts siegte das zünftische Element in Basel politisch. Den Menschen ging es gut, sie wollten vor der Fastenzeit festen, also noch einmal richtig essen und trinken. Heute geht es den Zunftbrüdern um das gesellschaftliche Zusammensein. «Unsere Aufgabe ist es, die alte Tradition des Basler Zunftbrauchtums aufrecht zu erhalten», sagt Andreas Schenk, Vorgesetzter und Zunftpfleger der Safranzunft. Nachwuchsprobleme kennen sie offensichtlich nicht: Jedes Jahr würden rund zehn Männer zu Brüdern aufgenommen, führt Schenk aus. Jeder habe das Recht, einer Zunft beizutreten – einzige Bedingungen sind, dass die Männer Basler sind sowie politisch als auch konfessionell neutral.

Oft ist der Hintergrund der Zunftbrüder familiär – aber nicht nur. Und was sie beruflich tätigen, ist laut Schenk auch nicht mehr zentral.