Der reiche englische Gentleman Phileas Fogg wettet: Ich kann in 80 Tagen um die Welt reisen. Er vertraute dabei auf die grossartigen technischen Fortschritte beim Transportwesen, vom Dampfschiff über direkte Eisenbahnlinien bis zu Meereskanälen.

Der Autor dieser Zeilen ist zwar weder Engländern, noch vermögend und schon gar kein Gentleman; er lebt auch nicht im London der 1870er-Jahre und verkehrt in noblen Herren-Clubs. Aber was er mit dem Protagonisten aus dem Jules-Verne-Roman teilt ist die Begeisterung für den Fortschritt und eine gewisse Freude am Spiel. Und so kam es, dass das "In 80 Tagen um die Welt"-Experiment vergangene Woche wiederholt wurde - und zwar folgendermassen.

Ich wette, dass ich, Samuel Hufschmid, bz Redaktor, ohne Vorbereitung und nur mit frei verfügbaren Miet-Fahrzeugen unterschiedlichster Art in weniger als 80 Minuten um die Stadt reisen kann.

14:04 Uhr, Velo-Parking des Bahnhofs SBB.

1. Etappe: Mit dem Elektro-Trotti vom Bahnhof SBB nach Binningen

 

Ein Klick auf die Smartphone-App und die sogenannte ScooBox öffnet sich wie von Geisterhand und gibt mein erstes Transportmittel frei – ein Elektro-Trottinett. Dieses soll mich quer durchs Verkehrschaos am Bahnhofplatz an die Stadtgrenze in Binningen bringen. Die Elektro-Trottinetts sind das neuste Angebot auf dem Basler Transportmittel-Mietmarkt, für einen Franken pro 30 Minuten sind sie auch das günstigste Angebot. Allerdings müssen sie wieder an den Ausgangsort zurückgebracht werden, was in meinem Fall kein Problem sein wird, da die Reise rund um die Stadt wieder am Ausgangspunkt enden soll.

Vom Fahrgefühl und seiner Beschleunigung (Stichwort: rasant) bin ich vermutlich ähnlich beeindruckt, wie Phileas Fogg, als er damals den Maschinenraum eines British-India-Steam-Navigation-Company-Kreuzers betrat. Das kleine Kickboard hat Power und bringt mich in 9 Minuten an den Höhenweg in Binningen, wo gleich zwei Catch-a-Car Autos stehen. 14:13 Uhr: Der fliegende Wechsel funktioniert problemlos: Trottinetts abschliessen, Member-Karte an den an Ort und Stelle gemieteten VW up halten, einsteigen und losfahren. 

Einsteigen und losfahren: Catch-a-car.

Einsteigen und losfahren: Catch-a-car.

Rund um Basel bedeutet, dass das Bruderholz grossräumig umfahren werden muss, also über Bottmingen nach Münchenstein bis Muttenz. Das Verkehrschaos am Schänzli ist derzeit nichts für Abenteurer, die eine Wette laufen haben, möglichst schnell die Stadt zu umrunden. Deshalb entscheide ich mich, das Auto stehenzulassen und auf ein Elektrovelo umzusteigen. Die Pick-e-Bike-App zeigt, dass eines der 250 Miet-Elektrovelos bei der Sportanlage Schänzli abgestellt ist – auf auf Basler Boden zwar (weil Muttenz noch nicht zur Pick-e-Bike-Zone gehört), aber das müsste zulässig sein, weil es ja nur ein Kurz-Ausflug über die Birs ist. 

Etappe 2: Basel weiträumig umfahren und per App ein freies E-Bike finden

14:38 Uhr stelle parkiere ich den Catch-a-Car in einer Blauen Zone, 14:41 sitze ich auf dem Velo und fahre weiter der Birs entlang bis Birsfelden. Das Zurückgeben des Catch-a-Car sowie das Mieten des Elektrovelos per App: beides kein Problem und auch die Uhr zeigt: Noch nicht mal die Hälfte der Zeit ist um und ich flitze schon in Richtung Kraftwerkinsel, dem bestmöglichen Ort für eine Stadtumrundung und nur für Velos passierbar. Doch dann, in Birsfelden und ohne Navigationsgerät, biege ich falsch ab und verliere geschlagene neun Minuten mit einer Irrfahrt zum Hafen und wieder zurück. Was für ein Ärger! So ist es 14:57 Uhr, als ich via Kraftwerkinsel den Rhein überquere, auf der Suche nach dem nächsten Catch-a-Car (der gemäss App in der Bäumlihofstrasse, gerade an der Grenze zwischen Riehen und Basel, steht. Weil auch Riehen nicht Teil der Pick-e-bike-Zone ist, muss ich auch hier wieder einige Meter zu Fuss gehen, aber alles kein Problem. Velo parkiert, abgemeldet, Auto auf dem Smartphone angeklickt und los. Es ist 15:03 Uhr, mir bleiben noch 21 Minuten...

3. Etappe: Nach einer Irrfahrt durch Birsfelden die Rhein-Überquerung (und eine Familie mit Eseln)

Hier kommt ein weiteres Problem: Die Stadt Basel zu umrunden, ist ein ziemlich weitläufiges Unterfangen (das durch drei Länder führt). 

Das Navigationsgerät schlägt mir folgende Route vor: Nach Riehen, Weil am Rhein, über die Palmrheinbrücke nach Saint-Louis, Hégehnheim nach Allschwil und Binningen, wo mein Trotinette steht.

In 80 Minuten um die Stadt

29 Kilometer sind das, bei guter Fahrt und vielen 80er-Zonen knapp zu schaffen, aber weder das eine noch das andere traf zu und so dauerte es 43 Minuten und die Uhr zeigte 15:45 Uhr, als ich das Auto verlassen und aufs Elektro-Trottinetts umsteigen konnte. Und 4:01 Uhr, als ich dieses am Bahnhof zurückgab. Also klar gescheitert, 1 Stunde 57 oder 117 statt 80 Minuten für die Stadtumrundung...

Doch wie war das bei Jules Verne? Hatte Phileas Fogg nicht auch Verspätung, obwohl er zuletzt noch ein ganzes Schiff aufkaufte und die Holzmöbel verbrannte, um rechtzeitig zurück in London zu sein? Und war es nur die Zeitverschiebung mit Datumsgrenze, die ihn die Wette gewinnen liess? Also, biegen wir die Fahrt rund um die Stadt doch etwas zu recht. Denn eigentlich können die beiden Trottinett-Fahrten gestrichen werden - rund um die Stadt heisst ja nicht, vom Bahnhof an die Stadtgrenze und wieder zurück. Dann wären es noch 89 Minuten. Und zieht man die neunminütige Irrfahrt durchs schöne Birsfelden ab, dann wäre das Experiment gelungen. Und zwar auf die Minute.

Last but not least: Der Kassensturz. Phileas Fogg hat sein halbes Vermögen verbraucht, das waren 20'000 Pfund Sterling, was heute 2,6 Millionen Schweizerfranken entspricht. Meine Stadtumrundung hat gekostet:

ScooBox E-Trottinetts 10 Rp / Min* 96 Min 7.70 Fr
Catch a Car 38 Rp / Min Total 66 Min 25.08 Fr.
Pick-e-Bike 25 Rp / Min. 21 Min 5.25 Fr
Total 38.03 Fr.

*Die ersten 30 Minuten kosten pauschal 1 Franken.

Womit wir beim letzten aktuell-historischen Vergleich wären: Phileas Fogg hat die Reise 2,6 Millionen Schweizer Franken gekostet, das sind rund 65 Franken pro Kilometer. Hier zumindest kann man sagen: Reisen ist definitiv billiger geworden, hätte es 1870 schon Catch-a-Car, Pick-e-Bike und Co. gegeben, er hätte "nur" 81 Rappen/km bezahlt.

Catch a Car Pick-e-Bike Scoobox Carvelo2go Mobility
Was Autos E-Bikes Elektrotrottis  eCargo-Bikes Autos
Freefloating Ja Ja Nein Nein Nein
Seit 2014 2018 2018 2016 1997
Anzahl Fahrzeuge 150 250 41 21 >100 in Basel
Kosten 38 Rappen / Minute 25 Rappen / Minute 1 Franken für erste 30 Minuten, danach 10 Rappen/Minute 5 Franken + 2 Franken/h 2 Fr./h + 0.55 Fr./km
Einsatz Geeignet für kürzere Fahrten innerhalb der Stadt oder des noch immer relativ engen Bereichs rund um Basel. Vorteil: Auto kann in jeder blauen Zone abgestellt werden. Neuerdings sind auch Stundentarife verfügbar. Sehr günstiger Minutenpreis für die schnellen, qualitativ hochstehenden E-Bikes. Besonders geeignet für Fahrten innerhalb der Stadt und in Richtung Binningen, Bottmingen, Oberwil. Geheimtipp, der sich rumgesprochen hat: Ideales Fahrzeug für einen Rheinschwumm. Fahrausweis wird benötigt. Ganz neues Angebot, nebst den Boxen am Bahnhof SBB gibt es auch Boxen in Muttenz und Pratteln. Ideal für Pendler, die mit dem Zug ankommen und kurz an einen mit ÖV schlecht erreichbaren Ort und dann wieder zurück müssen. Als Autoersatz für Waren- und/oder Kindertransport innerhalb der Stadt. Unpraktisch ist, dass die Rückgabe nur während der Öffnungszeiten der jeweiligen Geschäfte getätigt werden kann. Mehr als 2900 Autos stehen in der ganzen Schweiz bereit, vom Elektro-Stadtflitzer bis zum Zügelwagen. Praktisch: Reservierte Parkplätze. Unpraktisch: Muss immer wieder an den ursprünglichen Parkplatz zurückgebracht werden.