Wochenkommentar

Wenn man richtig vorschiesst, gehts eben doch

Direkt hinter dem Kinderspital ist das neue Uni-Biozentrum geplant.

Direkt hinter dem Kinderspital ist das neue Uni-Biozentrum geplant.

Bis 2020 soll das geplante 200-Millionen-Biosystemzentrum im Basler Schällemätteli gebaut werden. Der ETH-Forschungsneubau hat für die Region Basel eine grosse Bedeutung.

Nicht, dass im Kanton Baselland Erfolgsmeldungen Seltenheitswert hätten. Dem Baselbiet geht es um vieles besser, als es uns die Dauermeckerer - egal welcher politischen Couleur - weismachen wollen. Man blicke nur auf die Beschäftigungszahlen, bei denen Baselland im Juli mit einer Arbeitslosenquote von 2,6 Prozent klar unter dem Landesdurchschnitt von 3,0 Prozent und erst recht unter jenem von Basel-Stadt (3,5) lag.

Anderswo werden Regierungen gestürzt, wenn sie es nicht schaffen, ihre Arbeitslosenzahlen auf das Doppelte und Dreifache dessen zu senken. Doch ist vielleicht diese Meisterschaft im Klagen auf höchstem Niveau schuld daran, dass einer wirklich herausragenden Verhandlungsleistung bisher zu wenig Beachtung geschenkt worden ist: Der Entscheid der ETH Zürich, ihre jüngst zu einem Departement erweiterte Biosystem-Forschung D-BSSE künftig in einem eigenen Basler Neubau unterzubringen, wird auf Jahrzehnte hinaus als einer der wichtigsten Meilensteine in der Entwicklung der Bildungslandschaft Nordwestschweiz in Erinnerung bleiben.

Lange trachtete die Region danach, die Eidgenössische Technische Hochschule nach Basel zu holen. Mit dem geplanten 200-Millionen-Biosystemzentrum, das bis 2020 fertig sein soll und das auf dem neuen Life-Sciences-Campus Schällemätteli eine der ersten Forschungsadressen darstellen wird, ist dies definitiv geglückt. Das bedeutet gleichzeitig, dass der Bund mit der ETH nicht mehr nur in den Hochschullandschaften von Zürich und Lausanne verankert ist, sondern endlich auch in der Region Basel. Obschon der Neubau vordergründig durch die Uni Basel finanziert wird, die ihrerseits durch eine 128-Millionen-Bürgschaft der beiden Basel abgesichert ist, gehen die Bau-, Betriebs- und Unterhaltskosten über Miete und Baurechtszins vollständig zulasten der ETH.

Professoren und Forscher, die vom Bund bezahlt werden, aber in der Region Basel ihre Steuern bezahlen und mit ihrer Arbeit und dem internationalen Renommee der ETH erst noch den hiesigen Bildungscluster aufwerten - das ist der Stoff, aus dem die Träume von Standortentwicklern gemacht sind. Zudem eine angenehme Abwechslung, nachdem die Region zuvor vom Bund regelmässig links liegen gelassen worden ist. Das beweist nur: Wenn man es richtig anpackt, gehts eben doch.

Derjenige, der es in diesem Fall genau richtig angepackt hat, ist der Baselbieter SP-Bildungsminister und Regierungspräsident Urs Wüthrich. Das zusammen mit ETH und Uni entwickelte Finanzierungsmodell könnte für künftige Grossprojekte, etwa im Bereich der Spitalfinanzierung, Modellcharakter erhalten. Obschon die ETH ursprünglich gar keinen Investitionsrahmen für einen Neubau in Basel hatte, kommt dieser nun doch, da die Uni das Geld für den Rohbau vorschiesst, welches sie dank der Bürgschaft der beiden Basel am Kapitalmarkt günstiger aufnehmen kann.

Bei einem Kredit von 120 Millionen macht bereits ein um ein halbes Prozent tieferer Zins jährliche Einsparungen von 600 000 Franken aus. Und das Beste ist: Das eh schon knappe Investitionsbudget des Kantons wird mit keinem Rappen belastet. Das ist nicht nur der Stoff für Träume, sondern auch für weitere Erfolgsmeldungen im Rahmen der Wirtschaftsoffensive. Aber eben: Auf die zündende Idee muss die handfeste Vorinvestition folgen.

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