Missglückt

Wenn Raubüberfälle schiefgehen

Der Märthof in Basel, als er noch den Interdiscount beherbergte.

Der Märthof in Basel, als er noch den Interdiscount beherbergte.

Mysteriöse Einbrüche im Märthof und ein Tankstellenüberfall: Die Angeklagten wollen damit nichts zu tun haben.

Die Geschichte klingt wild: Im März 2018 tauchten spätabends in der Wohnung eines Interdiscount-Verkäufers drei maskierte und bewaffnete Männer auf und zwangen ihn, Auskunft über die Alarmanlage an seinem damaligen Arbeitsplatz beim Märthof zu geben.

Vieles ging dabei schief, so klappte etwa das geplante Fesseln des Mannes mit einem Kabelbinder nicht. Einer der Männer blieb schliesslich bei der Geisel, die beiden anderen brachen in den Märthof ein, zogen aber unverrichteter Dinge wieder ab, als sie den Alarm auslösten. Danach forderten sie den Mann selber auf, dort einen Einbruch zu begehen, und verschwanden. Der Mann rief allerdings schnurstracks die Polizei.

Diese Woche muss sich ein 30-jähriger Schweizer vor dem Basler Strafgericht verantworten, er soll die ganze Sache geplant und Anweisungen gegeben haben. Eigentlich war er an jenem Abend mit dem Verkäufer verabredet, vermutlich öffnete dieser deshalb auch einfach die Türe. Ein 24-jähriger Brasilianer soll die Aktion selber ausgeführt haben, die anderen beiden Mittäter sind bislang unbekannt geblieben.

Hauptangeklagter arbeitete früher selbst im Märthof

Auf den Plätzen der Angeklagten sitzen vor Gericht dennoch vier Personen: In andere Delikte ist ein 32-jähriger Türke verwickelt, eine 29-jährige Slowakin soll bei einem Diebstahl geholfen haben, das Fluchtfahrzeug zu beladen. Beim Schweizer Haupttäter steht eine Freiheitsstrafe von 4,5 Jahren im Raum, für die drei Ausländer stehen hauptsächlich Landesverweise zur Debatte.

Der 30-jährige Hauptangeklagte arbeitete früher selber beim Interdiscount im Märthof, dort gab er auch schon verbotenerweise Kundendaten von Mobiltelefonkunden weiter. Er beteuerte am Mittwoch, er habe mit dem nächtlichen Raub nichts zu tun, als ehemaliger Angestellter hätte er auch sicher keine Informationen zum Alarmsystem benötigt.

Die Staatsanwaltschaft sieht im 30-Jährigen allerdings auch den Drahtzieher hinter einem anderen Überfall: Im April 2018 soll der 24-jährige Brasilianer auf seinen Befehl hin die Coop-Tankstelle an der Brüglingerstrasse mit einer Schusswaffe überfallen haben. Allerdings scheiterte auch dieses Vorhaben: Der Angestellte geriet in Panik, die Kasse verriegelte sich selbst, der Täter flüchtete.

Jungem Vater drohen 15 Jahre Landesverweis

Zufällig filmte eine Kamera unscharf Teile des Fluchtwagens, offenbar ein SBB-Fahrzeug aus Muttenz mit einem ungewöhnlich platzierten Aufkleber. Der 30-Jährige arbeitete zu dieser Zeit bei den SBB und hatte dort diverse Kupferdiebstähle durchgeführt. Diese gibt er zwar zu, betonte aber, auch andere Leute hätten sich das Fahrzeug besorgen können. Für den 24-jährigen Brasilianer geht es vor Gericht um alles: Ihm werden auch diverse Einbrüche vorgeworfen, er ist deshalb auch schon vorbestraft. Staatsanwalt Tomislav Hazler forderte für ihn einen Landesverweis von 15 Jahren, dies ist die gesetzliche Maximaldauer.

Der 24-Jährige ist vor einem Monat Vater geworden, seine Freundin meinte aber laut Staatsanwaltschaft zu diesem Thema offenbar lediglich schulterzuckend, es sei halt schade für das Kind, wenn der Vater die Schweiz verlassen müsse. Verteidiger Philippe Häner hingegen betonte, sein Mandant sei mit sechs Jahren in die Schweiz gekommen und damit ein klarer Härtefall. «Ich bin nicht so ein mieser Vater, wie es der Staatsanwalt sagt. Ich kümmere mich um meine Familie», beteuerte der 24-Jährige. Die Urteile fallen am Freitag.

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