Weil am Rhein
Wenn sich deutsche Zöllner auf die Lauer legen

Das Internet-Shopping an eine deutsche Versandadresse ist beliebt und hilft, Zollkosten zu sparen. Hunderte von Schweizer Bürgern reisen täglich allein nach Weil am Rhein. Was viele nicht wissen: Der Versandhandel wird gerade von deutschen Behörden durchaus penibel beobachtet.

Marco Schopferer
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Rund 1000 Pakete gehen beim LAS Burg täglich rein und raus

Rund 1000 Pakete gehen beim LAS Burg täglich rein und raus

Marco Schopferer

Gerade erst in der letzten Woche hat man bei der in Weil-Friedlingen ansässigen Firma Liefer-Adress-Service (LAS Burg) die magische Marke von 20 000 Kunden überschritten. Fast alle sind Schweizer. «Wir haben vielleicht noch 300 französische Kunden und den einen oder anderen deutschen Rheinschiffer», sagt Geschäftsführer Roland Burg.

Polizist liess sich Waffen liefern

5000 Päckchen warteten gestern allein bei ihm auf die Abholung, rund 1000 Pakete gingen raus, 1000 neue rein, fast alle gehen später dann an eine Schweizer Adresse. Meist an ganz normale Kunden, «aber ein paar schwarze Schafe sind natürlich auch immer drunter», sagt Burg.

Immer wieder hat er deshalb die Fahnder vom deutschen Zoll oder der Polizei bei sich, die gar einmal gegen einen Schweizer Kollegen ermittelten. «Ein Schweizer Polizist hat sich mal Waffen über unsere Adresse schicken lassen, um sie privat und illegal in der Schweiz weiter zu verkaufen», weiss Burg.

«Aber der hat seinen Job verloren», hätten ihm deutschen Beamten versichert.
Und erst vor zwei Tagen stand die deutsche Steuerfahndung bei ihm im Geschäft und wollte Unterlagen beschlagnahmen. Eine Schweizer Firma liess sich angeblich ständig Päckchen nach Weil am Rhein liefern, verkaufte die Produkte aber wieder umgehend in den EU-Raum, ohne die Mehrwertsteuer abzuführen.

Roland Burg gibt sich bei solchen Razzien gelassen. Er hilft den Behörden, wo es geht, will mit all den illegalen Viagra- oder Drogenlieferungen seiner Schweizer Kundschaft nichts zu tun haben. «Wir hatten früher alle zwei bis drei Wochen den Zoll und dazwischen immer wieder die Polizei bei uns», sagt er. Seit man von jedem Kunden eine Kopie des Personalausweises archiviere, könne man die schwarzen Schafe besser aussortieren.

Bei einer Markenuhr lohnt es sich

Das bestätigen auf Nachfrage auch die Staatsanwaltschaft in Lörrach und die örtliche Polizeidirektion. «Es gibt bei Paketshops strafrechtlich relevante Fälle, aber nur vereinzelt und die kann man an einer Hand abzählen», lässt Lörrachs Polizeipressesprecher Joachim Langanky ausrichten. So sieht es auch der in Lörrach ansässige leitende Oberstaatsanwalt Dieter Inhofer.

Selbst beim Hauptzollamt in Lörrach schätzt man das Schmuggelpotenzial der zahlreichen Paketshops eher gering ein. Auf Recherchen der bz angesprochen, wonach sich deutsche Zöllner gezielt und selbst in zivil in Weil am Rhein auf die Lauer legten, um Schweizer Päckchenabsender zu kontrollieren, bestätigt man diese Praxis.

«Das kommt durchaus vor», sagt Markus Ueckert, Pressesprecher der Lörracher Hauptzollamtes. Man kontrolliere stetig auch in Friedlingen, denn bei einer einzigen geschmuggelten Markenuhr im Wert von 3000 Franken kann schon mal 500 Euro deutsche Mehrwertsteuer fällig werden. Da lohne es sich für deutsche Zöllner durchaus, vor den Paketshops auf der Lauer zu liegen.

«Nicht so einfach»

Verschwiegenheit herrscht übrigens bei deutschen Finanzämtern. Selbst Steuerfahndungshauptgebietsleiter beim spezialisierten Finanzamt Freiburg-Land werden auf Journalistennachfragen ganz einsilbig. Aufgrund des Steuergeheimnisses könne man keinerlei Auskunft geben.

Und der Leiter des Lörracher Finanzamtes, Georg Tritschler, erklärt lediglich: «Also so einfach wie bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft läuft bei uns die grenzüberschreitende Zusammenarbeit nicht.»