Vom Gesetz her ist alles klar geregelt: Wer mit dem Fahrrad auf einem Trottoir fährt, wird mit 40 Franken gebüsst. «Wenn wir dies sehen und Zeit haben, büssen wir die Velofahrer natürlich», sagt Mediensprecher Klaus Mannhart von der Kantonspolizei Basel-Stadt. Häufig kontrolliert werde vor allem am Spalenberg oder in der Fussgängerzone der Altstadt. Mehr Verständnis zeigt Kathrin Schweizer für Velofahrer auf Trottoirs: «Es gibt Stellen, wo die Velofahrer aus Angst auf dem Trottoir fahren, weil sie es auf der Strasse als zu gefährlich erachten.» Für die SP-Landrätin und Ex-Geschäftsführerin von Pro Velo beider Basel zeige dies an, dass an den betreffenden Stellen dem Veloverkehr zu wenig Beachtung geschenkt werde.

Mehr Kindervelos auf Trottoir?

Trotz des alltäglichen Phänomens sind Zusammenstösse zwischen Velofahrern und Fussgängern selten: In den Jahren 2009 und 2007 wurde in Basel nur einer verzeichnet. 2008 sogar keiner. «Das Problem bei den Velofahrern sind eher die Selbstunfälle, weil sie keine Knautschzone haben», weiss Mannhart. Bei der Polizei Baselland stellt die Sache ebenfalls keinen Schwerpunkt dar. Sie sieht darin eher ein städtisches Problem. Aus der offiziellen Verkehrsunfallstatistik ist auch nicht ersichtlich, wie viele Zusammenstösse es zwischen Velofahrern und Fussgängern gibt.

Mit dem neuen Verkehrssicherheitspaket Via sicura, das der Bundesrat kürzlich verabschiedet hat, sieht Kathrin Schweizer schon mehr Probleme auf die Velofahrer zukommen. Falls die Vorlage vom Parlament so abgesegnet wird, dürfen Kinder unter sieben Jahren nicht mehr auf öffentlichen Strassen fahren. Sie müssten aufs Trottoir ausweichen, was eine Gesetzesänderung nötig machte. «Das führt dazu, dass die Kinder auf dem Trottoir und die Erwachsenen auf der Strasse fahren sollten», weist Schweizer auf einen grotesken Umstand hin. Sie kritisiert, dass die Kinder nicht bereits früher in Begleitung von Erwachsenen je nach Situation auf der Strasse fahren dürfen. «So könnten die jungen Velofahrer die Sache üben.»

Zudem plädiert die SP-Landrätin für eine Übergangsphase zwischen sieben und zehn Jahren, in der die Kinder wahlweise auf dem Trottoir oder auf den öffentlichen Strassen fahren könnten. «Ohne massiven Polizeieinsatz ist dieses Gesetz nämlich sowieso nicht umsetzbar», befürchtet sie.

Das Überqueren der Fussgängerstreifen auf dem Velo ist nicht verboten. Die Autofahrer müssen den Velofahrern in diesem Fall keinen Vortritt gewähren, wie dies für Fussgänger vorgeschrieben ist. Nur wenn die Velofahrer vom Velo absteigen, haben auch sie Vortritt. Das Problem liegt für Polizeisprecher Mannhart aber anderswo: «Häufig kommt es vor, dass Velofahrer auf der Strasse vor Personen, die den Fussgängerstreifen überqueren wollen, noch kurz durchhuschen.» Sie müssten aber genauso wie die Automobilisten auch den Fussgängern den Vortritt überlassen. Denn auch die Velofahrer können dafür gebüsst werden: mit 40 Franken. Die Autofahrer zahlen dagegen 120 Franken. Mannhart begründet den Unterschied: «Mit dem Velo entstehen weniger gefährliche Situationen als mit dem Auto.»