Die Basler Regierungsräte stehen zwischen einigen hundert und einigen tausend Mitarbeitern vor. Das Gesundheitsdepartement ist das Kleinste und zählt trotz Ausgliederung der Spitäler und Verselbstständigung der Zahnkliniken noch stolze 277 Arbeitnehmer. Während wohl die meisten Unternehmen dieser Grösse ihre Chefs in Führungsseminare und Weiterbildungskurse – im Fachjargon hiesse dies «Leadership-Ausbildung» – schicken würden, sind die Mitglieder der Exekutive davon befreit. Sie brauchen lediglich den Fähigkeitsausweis von ein paar tausend Wählern. So will es die Demokratie.

Daran will auch Patricia von Falkenstein nicht rütteln. Die Parteipräsidentin der LDP will aber den «unterschiedlich grossen Rucksack der Regierungsmitglieder zusätzlich ausbauen». In einem jetzt eingereichten Vorstoss schreibt sie: «Während für fast alle Berufe entsprechende Ausbildungen mit Fähigkeits-Zeugnis, Diplom und anderen Abschlüssen verlangt werden und auch Wert auf absolvierte Weiterbildungsgänge gelegt wird, verhält es sich bei Regierungsratsmitgliedern anders.»

Um dem entgegenzuwirken, will sie die Regierungsräte wieder auf die Schulbank schicken: «Es soll daher jede gewählte Regierungsrätin und jeder gewählte Regierungsrat ohne oder mit lediglich geringer Führungserfahrung innerhalb eines Jahres seit erfolgter Wahl eine entsprechende Zusatzausbildung absolvieren.» Eine solche sei vom Staat bezahlt und könne aus Modulen gewählt werden, die es bereits auf dem Markt gebe.

«Es wäre aber sicher auch möglich, von der Universität Basel oder der Fachhochschule Nordwestschweiz oder privaten Institutionen Ausbildungsgänge und geeignete Dozentinnen und Dozenten anbieten zu lassen, welche mithelfen können, Defizite in der Führungserfahrung von Regierungsrätinnen und Regierungsräten zu beheben», heisst es im Text des Anzuges.

Parteipräsidenten sind skeptisch

Bei den Parteipräsidenten stösst sie mit ihrer Idee nicht auf offene Ohren. «Davon halte ich absolut gar nichts. Regierungsräte werden vom Volk gewählt. Punkt. Es ist eine Stärke des Schweizer Systems, dass Menschen aus verschiedenen Berufen in die Exekutive gewählt werden können», sagt SP-Präsident Pascal Pfister. Harald Friedl (Grüne) pflichtet ihm bei: «Das ist eine ziemlich absurde Idee.»

Er fragt rhetorisch, wann den Räten die Zeit dafür bleibe. «Da muss ich lachen», sagt hingegen CVP-Präsident Balz Herter. «Ein solcher Kurs bringt doch nichts», findet er, wichtiger sei die persönliche Erfahrung, welche die Magistraten mitbringen müssen. Lorenz Nägelin, der neu der SVP vorsteht, glaubt nicht, dass Führungsstärke lernbar sei, einen entsprechenden Kurs erachtet er als «nicht erfolgsversprechend».

Immerhin FDP-Präsident Luca Urgese findet den Grundsatz nicht abwegig: «Es ist sicher sinnvoll, wenn die Regierungsmitglieder solche Kurse besuchen.» Einen Zwang will er ihnen aber auch nicht auferlegen: «Ich spreche mich gegen ein Obligatorium aus.»

Von Falkenstein bringt aber noch einen anderen Punkt ins Spiel: Die Regierungsräte seien zum Teil sehr jung «und werden kaum bis ins Pensionsalter ihr Amt innehaben». Es sei auch für sie persönlich wichtig, dass sie sich weiterbilden können, um dann leichter den Anschluss in die Privatwirtschaft wieder zu finden.