Basel braucht kein neues Multiplexkino am Stadtrand

Für viele Städter ist die Fahrt vom Grossbasel nach Kleinhüningen eine kleine Weltreise. Für Kinobesuche bleiben sie in der Innerstadt.

Eigentlich sollten wir Städter uns ja freuen. Im Stücki sollen in den nächsten zwei Jahren 18 neue Kinosäle mit 2400 Sitzplätzen entstehen. Ein erweitertes kulturelles Angebot stärkt die Zentrumsfunktion und damit Basel. Das kann doch nur gut sein! Vielleicht steigen die serbelnden Zahlen der Kinoeintritte so wieder an, und das bringt Leben in die Stadt. Einen Haken hat die Sache allerdings: Das Einkaufszentrum Stücki, das seit seiner Eröffnung 2009 um Kunden kämpft, liegt nicht in der Innerstadt, sondern am Rand von Kleinhüningen. Insbesondere für viele Grossbasler ist es dorthin eine gefühlte kleine Weltreise, die man nur unternimmt, wenn es unbedingt sein muss, oder eben gar nicht.

Die Eigentümer des Einkaufszentrums setzen darauf, dass die künftigen Betreiber des Multiplex mit 4 DX-Technologien und IMAX-Kinosaal auf Qualität setzten und angesichts der günstigen Preise im nahen Weiler Rheincenter (D) die richtige Preispolitik wählen. Dort gibt es fünf Kinosäle, in denen zu Samstagspreisen ab 7.50 Euro deutsch synchronisierte Filme abgespielt werden.

Wer aus der Stadt bereit ist, sich auf einen weiteren Weg ins Mainstream-Kino zu machen, der fährt dann doch gleich durch nach Weil am Rhein, zumal jeder zweite Städter Automuffel ist und sich vorzugsweise per öV vorwärtsbewegt. Während das Rheincenter mit dem 8er-Tram eine direkte Haltestelle hat, ist das für das Stücki nicht der Fall. Ein Gutteil der kulturell aufgeschlossenen Städter aber hat mit Mainstream sowieso nichts am Hut und geht aus Prinzip nur in Programmkinos wie die Kult-Kinos.

Nein, das neue Multiplex im Stücki wird nicht für die Stadt, sondern für das Land gebaut. Die Anfahrt mit dem Subaru ist bequem, die Parkingpreise mit drei Franken für drei Stunden sind günstig. Was nützt ein Gratisparking im Rheincenter, wenn es aufgrund von Dauerstaus wegen Einkaufstouristen nur schwer zu erreichen ist.

Für französische Laberfilme brauch ich keine Leinwand

Die Kinos in der Stadt bieten kaum mehr Filmspass als Heimkino. Das Megaplex im Stücki ist speziell - darum darf es teuer sein.

Zu Hause haben wir alle ein Heimkino. Was früher ein Fernseher war, kommt heute als ausgeklügelte Home-Cinema-Anlage daher. Nur die Popcorn-Krümel muss man selber vom Teppich saugen, ansonsten ist das wie herkömmliches Kino, nur ohne Parkplatzsorgen (falls die Nachbarn den Lärm eines anständigen Action-Streifens aushalten). Wenn ich für einen Film trotzdem ins Kino gehe, dann muss sich der Aufwand auch wirklich lohnen. Die Kinos in der Basler Innerstadt bieten kaum mehr Filmspass als zu Hause. Die richtigen Kracher aus Hollywood kommen dort nicht richtig zur Geltung. Damit sich meine Nackenhaare sträuben, braucht es eine anständige Leinwand und eine Soundanlage.

Genau das verspricht das neue Kino im Stücki. Es soll «Megaplex» heissen – schon nur das lässt hoffen, dass die neusten Projektionstechnologien eingebaut werden, die es im Heimkino (noch) nicht gibt. Schliesslich soll der Kleinhüninger Unterhaltungstempel hundert Millionen Franken kosten. Da reicht es wohl auch für Plüschsessel, in denen ich in Würde sterben kann, wenn in Hollywood wieder mal Weltuntergang angesagt ist.

Ein solcher Spass kostet natürlich. Für Aussergewöhnliches bin ich aber bereit, einen anständigen Batzen hinzulegen. Wo das Megakino liegt, ist mir dann ziemlich egal. Die paar Fränkli Parkgebühren im Stücki sind mir ein grandioses Kinoerlebnis sowieso wert.

Einen Grund, in ein Arthouse-Kino in der Basler Innerstadt zu fahren, hab ich auch nicht. Französische Laberfilme mag ich zwar (in homöopathischen Dosen). Aber ich lade sie mir lieber aufs Tablet, um sie gemütlich daheim im Bett zu geniessen. Natürlich ist das Kino im Rheincenter kaum weiter als das Stücki und günstig. Aber es spielt projektionstechnisch in einer anderen Liga. Das Megaplex hingegen wird sich über Basel hinaus herumsprechen – und hat deshalb eine Zukunft.