Ausstellung

Wer darf was wissen? – Museum der Kulturen lüftet das Geheimnis nicht

Die neue Ausstellung im Museum der Kulturen mit dem Titel «Das Geheimnis – Wer was wissen darf» widmet sich den Grenzen, die zwischen Eingeweihten und Ausgeschlossenen gezogen werden.

Geheimnisse sind normalerweise geheim, ausser natürlich, man möchte vom Status als Geheimnisträger profitieren und deshalb das Wissen um ein Geheimnis zumindest lautstark andeuten. Diesen rituellen Spagat begeht ab Freitag auch das Museum der Kulturen, das in einer neuen Ausstellung alle Ausgeschlossenen ein bisschen zu Eingeweihten machen möchte.

«Man bezichtigt uns ja auch immer wieder, dass wir Exponate verstecken», meinte Museumsdirektorin Anna Schmid zur Ausstellungseröffnung etwas schelmisch. Tatsächlich schreitet der Besucher zuerst unter einer Grenzfigur durch, so wie es für die Eingeweihten beim Eintreten eines Männerhauses in Papua-Neuguinea üblich ist. Wer das nicht mag, kann die Pforte auch umgehen.

Doch die einzelnen Ausstellungsobjekte bleiben ein wenig versteckt, alles ist visuell abgegrenzt und säuberlich gruppiert. Auch die restlichen Besucher fallen wenig auf: Wo in anderen Museen jeder Schritt knarrt, sorgt hier ein dicker Teppichboden in diskretem Blau für geheimnisvolles Herumschleichen. Verborgene Schutzgeister und verhüllende Masken aus aller Welt demonstrieren die Macht und Exotik von Geheimnissen, doch auch ganz banale Beispiele aus der Schweiz finden Platz in der Ausstellung.

Geheimnis in der Werbung

So führt die aktuelle Werbung für Appenzeller Käse vor, wie ein gut gehütetes Rezeptgeheimnis bereits die halbe Miete ist. Der Blick geht aber weiter, etwa über den Inhalt peruanischer Schamanentaschen, das Roche-Hustenmittel Sirolin von 1898 oder die Betriebsgeheimnisse chinesischer Seidenherstellung.

Auch Orakel, Horoskope und Tarot-Karten sind Geheimnisthemen, hier taucht gar ein Geheimagent auf. Eher profan ist hingegen das Antidoping-Kit der Schweizer Firma Berlinger, deren Fläschchen so manche Geheimnisse enthalten. Die Ausstellung geht weiter über Frauen- und Männerbünde, Freimaurerlogen und Siegelstempel. Eine alte Schweizer Truhe zeigt eindrücklich, wie simpel Geheimfächer untergebracht sein können.

Auch die Entstehung von Binsenwahrheiten werden genauer beleuchtet, und die Geschichtenvarianten des römischen Dichters Orvid werden mit ausgestellten Flöten zumindest angedeutet. Ein Beichtgitter erklärt sich von selbst, eher skurril hingegen wirkt die ausgestellte Zunge des heiligen Nepomuk, der zwar als Brückenheiliger bekannt ist, der Legende nach aber deswegen den Märtyrertod fand, weil er das Beichtgeheimnis nicht brechen wollte.

Geheimnnisse loswerden

Für die Kinder unter den Besuchern gibt es einen etwas harmloseren Kinderparcours, deren sieben Stationen am Ende zu einem Tresor führen, dessen Geheimnis gelüftet werden will. Dazu müssen sie allerdings unter anderem herausfinden, ob Appenzeller Käse wirklich Rosenblätter als geheime Zutat enthalten. Wer sich nun endlich eines eigenen Geheimnisses entledigen will, kann sich verschiedenen Sorgenpüppchen aus Japan oder Guatemala anvertrauen.

Zusätzlich wird Illustrator Till Lauer während der Ausstellungsdauer bis zum April 2019 auch weitere Geheimnisse verbildlichen, Besucher können dazu an Ort und Stelle ihre Beichten niederschreiben und sicher hinterlassen: Kuratorin und Geheimnisträgerin Tabea Burri versicherte am Donnerstag, lediglich sie besitze einen Schlüssel zum Briefkasten. 15 Stellen sind noch weiss und warten auf eine passende Zeichnung. Ein bereits illustriertes Beispiel: «Ich predige oft Sachen, die ich selbst nicht befolge.» Offenbar sind nicht alle Geheimnisse sonderlich geheim.

Museum der Kulturen Basel, Ausstellung bis April 2019. Erste Führung am kommenden Sonntag um 11 Uhr.

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