Für einmal sah sich das Baselbiet wieder in der Geberrolle: Auf die Behauptung, der Landkanton profitiere im öffentlichen Verkehr übermässig vom heutigen U-Abo mit seinem Einheitspreis, konterte Liestal mit Zahlen. Das Baselbiet bezahle jährlich 22 Millionen Franken an U-Abo-Subventionen an den Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW), erhalte über seine Verkehrsbetriebe aber nur 18 Millionen zurück, sagte Andreas Büttiker, Chef der Baselbieter BLT und zugleich TNW-Direktor, dem Nachrichtenportal «Onlinereports». In den Kan-ton Basel fliessen demnach 5 Millionen mehr, als dieser in Form von Subventionen an den Tarifverbund einzahle.

Damit stand es 1 zu 1.

Die Zahlen stammen aus einer Studie des Ingenieurunternehmens Rapp, die bisher nur inoffiziell verteilt wurde - und sie stimmen. Doch sie erzählen nur die halbe Wahrheit.

Den Überblick erhält, wer sich den Tarifverbund als Ganzes anschaut. Dieser funktioniert seit den frühen Neunzigerjahren gleich: Alle Einnahmen der Verkehrsgesellschaften kommen in eine grossen Topf - egal, ob es sich um Erlöse aus Abonnementen oder Kurzstreckenbilletts handelt.

Auch die berühmten Abo-Subventionen landen dort. Sie sind eigentlich auch nicht Subventionen an den Tarifverbund, sondern direkte Unterstützungen an die Kunden. Diese erhalten von ihrem Wohnkanton pro Monat 25 Franken ans Abo bezahlt. Statt 95 Franken bezahlt ein Erwachsener so nur 70 Franken. Einzig Schweizer, die nicht in den vier Kantonen des Tarifverbunds wohnen, zahlen den vollen Preis. Auf diesem Weg werden die Kunden des TNW jährlich mit 49,6 Millionen Franken subventioniert, wobei beide Basel etwa gleich viel bezahlen.

Insgesamt fliessen 231,1 Millionen Franken in den Topf. An die Unternehmen verteilt wird das Geld seit je nach dem gleichen Schlüssel: Zu 60 Prozent wird berücksichtigt, bei welchen Verkehrsbetrieben die Kunden einsteigen. Zu 40 Prozent spielt eine Rolle, wie weit sie fahren. Erhoben werden die Werte mit Hilfe von Sensoren in Bussen und Trams. Die SBB liefern zudem Angaben aus ihren Fahrgasterhebungen.

Warum gerade 60/40? Der Schlüssel sollte etwa die Erträge widerspiegeln, welche die einzelnen Gesellschaften vor Einführung des Tarifverbunds 1987 hatten. Er bildete nicht nur eine Näherung an die wirtschaftliche Realität, sondern war auch ein guter Kompromiss.

Das Resultat der Rechnung: Der grösste Teil der Einnahmen geht an die BVB, das hat einen einfachen Grund: Sie leisten schlicht am meisten. Anders gesagt: Die Baselbieter Subventionen fliessen in der Stadt, weil mehr Landschäftler mit dem Tram in die Stadt fahren als Städter aufs Land. Das war schon lange bekannt - auch wenn der TNW bis heute keine Übersicht publiziert.
Neu an der Auswertung von Rapp war die saubere Aufdröselung der Subventionsflüsse nach Kantonen (und nicht nach Gesellschaften). Denn Basler Trams fahren auch im Baselbiet und die gelben BLT-Drämmli transportieren zahlreiche Passagiere in der Stadt. «Diese Zahlen kennen wir jetzt auch noch», sagt Büttiker. «Und das ist gut so.»

Verkehrsmanager Büttiker, der je nach Situation den gelben BLT-Hut oder die hellgrüne TNW-Mütze trägt, steht inmitten der Diskussionen um die Subvention der U-Abos und die Frage, ob es dieses nicht in verschiedenen Ausführungen geben sollte. Offiziell spielt er den Unparteiischen, welcher der Politik die Fakten auf den Tisch legt und diese entscheiden lassen will. Er nennt Zahlen und will diese angeblich nicht werten. Doch zufällig ist die Auswahl dessen, was er präsentiert, nie. Und so hört man von Büttiker auch nicht, dass Subventionierung und Zonierung - technisch betrachtet - eigentlich zwei unabhängige Themen wären. Fragen, die separat beantwortet werden könnten.

Klar ist: Der Antrag, die Zonierung zu prüfen, kam aus Basel. Verkehrsdirektor Hanspeter Wessels (SP) hatte ihn vor einem Jahr gestellt. Doch letztlich stimmten ihm alle Mitglieder des TWN zu. Gemeinsam beauftragten sie Rapp mit der Vorstudie. Nicht zuletzt bauten die Baselbieter die Zonierung (sowie eine Tariferhöhung) bereits ins «Entlastungspaket 12/15» ein. Widerstand sieht anders aus.
«Lasst uns doch einfach unseren Job machen», fordert TNW-Chef Büttiker. Der Rapp-Vorstudie soll eine zweite folgen. Auch bisher nicht behandelte Fragen sollen dort einfliessen. Dazu gehört dann vielleicht auch, dass die 25 Franken bei weitem nicht die einzige Subvention darstellen. Alle Betriebe werden ausserhalb des Tarifverbunds nämlich noch direkt vom Staat gesponsert. So erhielten die BLT vergangenes Jahr 22,6 Millionen Franken als «Leistungsauftragsentschädigung» gutgeschrieben. Und die BVB verbuchten sogar 64,5 Millionen Franken von Bund, Kanton und Gemeinden. Das meiste stammte jeweils vom eigenen Kanton. Hintenrum bezahlen die Basler also deutlich mehr.

Damit stände es wieder 2 zu 1.