Basler Verkehrsbetriebe

Wer folgt auf den zurückgetretenen Lagler? Interessierte für den Chefposten gibt es bereits

Eine sehr schwierige Aufgabe: Die Anforderungen an den neuen Direktor der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) und damit Nachfolger von Erich Lagler sind hoch. Nahe bei den Leuten sollte er sein, vernetzt in Politik und Gesellschaft, in der Region wohnen und natürlich Führungserfahrung mitbringen.

Es war ein längst überfälliger Schritt. Am vergangenen Freitag gab Yvonne Hunkeler, Verwaltungsratspräsidentin der Basler Verkehrsbetriebe (BVB), bekannt, dass Geschäftsführer Erich Lagler das Unternehmen per sofort verlasse. Er hinterlässt ein Unternehmen in desaströsem Zustand. Verunsicherte Mitarbeiter, diverse Schienen- und Submissionsdebakel sind nur ein paar Beispiele, welche die BVB vom Kurs abbrachten – vom Kurs eines volksnahen Verkehrsbetriebs, auf den sich die Fahrgäste verlassen können.

Die BVB haben nun ein Rekrutierungsverfahren eingeleitet. Wer das Unternehmen interimistisch führen wird, ist indes noch offen, wie Sprecher Benjamin Schmid bestätigt. Die Wahl solle «so rasch wie möglich» getroffen werden. Eine Aussage darüber zu machen, was der wichtigste Punkt im Anforderungsprofil der neuen Chefin oder des neuen Chefs sein werde, sei verfrüht. Es gebe aber bereits interessierte Personen, sagt Schmid.

Nahe bei den Leuten

In der Politik ist die Meinung über das Anforderungsprofil gemacht: «Es muss eine Person mit hoher Sozialkompetenz sein, nah bei den Leuten, die das Vertrauen der Mitarbeiter und der Öffentlichkeit rasch zurückgewinnen kann», sagt Jérôme Thiriet. Der Grünen-Grossrat forderte vergangene Woche nach der Veröffentlichung des vernichtenden Berichts der Geschäftsprüfungskommission, die operative Leitung zu hinterfragen. Nach dem Weggang Laglers fällt ihm aber kein konkreter Kandidat ein: «Es ist eine grosse Herausforderung, den Turnaround zu schaffen. Technisches Know-how ist intern wohl genug vorhanden, deshalb könnte es auch eine führungserfahrene Person aus einer anderen Branche sein.» Allerdings denke er, dass eine interne Lösung die beste sei.

So sieht das auch Thiriets Parteikollege und Verkehrsexperte Michael Wüthrich. Er meint, dass zumindest am Anfang ein Interner ran müsse, um die Wogen zu glätten. Und nennt dabei – wie auch einige weitere von der bz befragte Politiker – Bruno Stehrenberger, seit 2016 bei den BVB und Leiter der Abteilung Verkehr. «Bei Politikern und anscheinend auch den Mitarbeitern geniesst er eine relativ hohe Akzeptanz und gilt als kompetent.» Anders stünde es um Vizedirektor Stefan Popp, so Wüthrich: «Er ist mitverantwortlich für die hohe Unzufriedenheit bei den Angestellten und müsste meines Erachtens auch freigestellt werden.»

Die grosse Frage bei Stehrenberger ist laut Wüthrich, ob dieser das Vertrauen der Mitarbeitenden zurückgewinnen könne: «Immerhin gehörte auch er der Führungsriege um Lagler an. Ausserdem kam er – wie der ehemalige BVB-Präsident Paul Blumenthal sowie Lagler – von den SBB zu den BVB nach Basel.»

Dieser Umstand passt SP-Grossrat und Verkehrsspezialist Jörg Vitelli nicht: «Ich erachte einen SBB-Manager als nicht geeignet, einen städtischen Verkehrsbetrieb zu führen. Es braucht Herzblut, um die BVB wieder auf Kurs zu bringen. Eine gewinnende Figur wie es BLT-Direktor Andreas Büttiker ist.» Hinter vorgehaltener Hand wird Büttiker als Wunschkandidat für den Chefposten genannt. Doch dieser winkt auf Anfrage der bz sofort ab: «Sowohl ich als auch mein Stellvertreter Fredi Schoedler stehen nicht zur Verfügung.» Er lobt aber die Partnerschaft mit den BVB und sagt, man sei gerne bereit, die Zusammenarbeit «mit dem wichtigsten strategischen Partner» zu vertiefen.

Zwingend für Vitelli ist auch, dass der neue BVB-Chef in der Region wohnt und in der Politik sowie bei Verbänden gut vernetzt ist. Und das sei bei Stehrenberger, der im Kanton Bern wohnt, nicht der Fall. «Ein früherer BVB-Direktor mietete pro forma eine Wohnung in Basel, was nicht zielführend war.»

Kommt jetzt ein Outsider?

Führungserfahrung, hohe Sozialkompetenz, ein Macher aus der Region mit breitem Netzwerk: Die Anforderungen an den neuen BVB-Direktor sind immens. Wüthrich sagt dazu: «Es wird ganz schwierig, eine geeignete Person zu finden. Und schwierig für diese Person, ‹aufzuräumen›. Ich wüsste ehrlich gesagt nicht, wo anfangen.»

Vielleicht muss der BVB-Verwaltungsrat tatsächlich über den Tellerrand blicken, wie Jérôme Thiriet es angedacht hat, und in anderen Branchen nach Kandidaten suchen. Zwei hochrangige Basler Wirtschaftsvertreter, die namentlich nicht genannt werden möchten, bringen auf Anfrage den Namen Flavio Casanova ins Spiel. Der Arisdörfer leitete 18 Jahre lang die Geschäfte des Basler Ingenieur- und Planungsunternehmens Gruner und genoss mit einer patronhaften, aber sehr zugänglichen Art hohes Ansehen bei den Mitarbeitern.

Zudem kann er dank zahlloser Bauprojekte viel Erfahrung in der Zusammenarbeit mit den Behörden vorweisen. Vor einem Jahr zog er sich bei Gruner zurück und machte sich als Berater selbstständig. Ausserdem sitzt er seit April im Verwaltungsrat des Kantonspitals Baselland.

Auf den vakanten Chefposten bei den BVB angesprochen, reagiert Casanova nicht abgeneigt: «Falls mich der Regierungsrat und die BVB anfragen, würde ich das Angebot wahrscheinlich prüfen.»

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