Die Installation von Joseph Beuys ist für immer zerstört. Dabei zählt das Werk «Feuerstätte» zu den Höhepunkten im Basler Kunstmuseum Basel Gegenwart. «Angestellte haben mir verraten, dass immer wieder Metallstäbe umfallen – wegen feiner Vibrationen des Gebäudes», sagt ein regelmässiger Museumsbesucher. Jemand vom Aufsichtspersonal stelle die Stäbe dann einfach wieder auf.

«Das Werk von Beuys ist also schon lange nicht mehr ein Werk von Beuys, sondern ein Werk des Museumspersonals.»

Nachdem die bz über Vibrationen im Naturhistorischen Museum berichtet hatte, meldeten sich gleich mehrere Leser. Ihnen allen ist das Phänomen bekannt, dessen Grund so abenteuerlich klingt: Schuld sein sollen nämlich Rheinschiffe, die niederfrequente Resonanzen auslösen. Im denkmalgeschützten Berri-Bau bewegten sich deshalb Fossilien und Mineralien wie von Zauberhand.

Der Unterkiefer eines Okapi-Schädels springe aus der Halterung und werde jeweils wieder zurechtgerückt. Die Schwingungen könnten gar den geplanten Einzug des Antikenmuseums gefährden, warnen Museumsmitarbeiter. Denn die Böden im Berri-Bau seien teilweise wohl ohnehin zu schwach für schwere Skulpturen.

Museum hat anderen Verdacht

Von Vibrationen durch Rheinschiffe will man im Kunstmuseum Basel Gegenwart nichts wissen. «Das ist uns nicht bekannt», sagt Sprecherin Karen Gerig. «Es ist zwar möglich, dass bei Beuys’ ‹Feuerstätte› mal ein Metallstab umfällt, wir gehen aber eher von menschlichen Manipulationen aus.» Immerhin handle es sich um ein sehr fragiles Werk.

Auch beim Naturhistorischen Museum spricht Basil Thüring nicht von Bewegungen des gesamten Gebäudes. Der Interimsdirektor bestätigt aber, dass sich Objekte tatsächlich aus ihrer ursprünglichen Position verschieben. Die Gründe für die Vibrationen seien aber unklar.

Die Bewegungen sind auch Anwohnern bekannt, immerhin besteht der Münsterhügel hauptsächlich aus Rheinschotter. «Wer am Rhein wohnt, kennt das», sagt der ehemalige Museumsmitarbeiter Christoph Meyer. «Der Boden vibriert leicht, wenn Schiffe durchfahren. Aber man gewöhnt sich daran.»

Experten zeigen sich erstaunt

Und selbst die Wissenschaft hat sich schon damit beschäftigt. Er sei in den 1980er-Jahren an Vibrationsmessungen für das Zoologische Institut in der Alten Universität am Rheinsprung beteiligt gewesen, erinnert sich Markus Dürrenberger von der Uni Basel. Hintergrund sei die Installation von empfindlichen Mikroskopen gewesen.

«Dabei haben wir starke Resonanzen des Hauses während der Vorbeifahrt von Schiffen festgestellt», sagt Dürrenberger. Für die Mikroskope mussten spezielle Dämmplatten ausgelegt werden.

Diese Messungen sind den Behörden heute nicht mehr bekannt - genauso wenig wie die regelmässigen Vibrationen. Seit rund zwei Jahren ist eine Kommission an einer Machbarkeitsstudie für den geplanten Einzug des Antikenmuseums in den Berri-Bau, sobald das Naturhistorische Museum 2022 in seinen Neubau umgezogen ist.

Die Tragfähigkeit der Böden werde in der Studie untersucht, es seien aber noch nicht alle Details der technischen Untersuchungen festgelegt. Die Ergebnisse der Studie dürften erst im Sommer 2018 vorliegen. Bis dahin bleibt weiterhin unklar, ob der Einzug des Antikenmuseums überhaupt möglich ist.

«Ich staune sehr, dass die Verantwortlichen noch nie von den Vibrationen gehört haben. Das ist sehr merkwürdig», kommentiert Uni-Mitarbeiter Dürrenberger. Im Rahmen der Machbarkeitsstudie seien Vibrationsmessungen auf jeden Fall nötig. «Eigentlich wäre das sogar Standard.»