Standesamt
Wer in Basel heiraten will, muss zuerst Schlange stehen

An jeweils einem Tag werden in Basel die Vermählungstermine vergeben. Damit die Heiratswilligen ihr Wunschdatum ergattern können, müssen sie sich erstmal in die Schlange vor dem Basler Zivilstandsamt stellen und hoffen, dass der Termin nicht schon weg ist.

Benjamin Rosch
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So präsentierte sich das Zivilstandsamt gestern morgen.

So präsentierte sich das Zivilstandsamt gestern morgen.

zvg/SRF

Für den wichtigsten Tag im Leben nimmt man so einiges in Kauf. Klar, schliesslich soll ja auch alles stimmen, und da steht das richtige Datum bei vielen Brautpaaren ganz oben auf der Liste. Weil das Basler Zivilstandsamt jeweils sämtliche Hochzeitstermine für das kommende Jahr an einem Tag vergibt, bildete sich gestern Morgen eine ordentliche Schlange vor der Rittergasse 11. Um 8 Uhr begann sich der Terminkalender für Eheschliessungen in Basel-Stadt zu füllen, während vor der Türe etwa zwei Dutzend Menschen auf die Chance warteten, endlich ihren besonderen Tag in der Agenda dick anzustreichen.

Inzwischen können die Standesbeamten mit dem Ansturm der Heiratswilligen umgehen: «Da das Zivilstandsamt auf den erhöhten Andrang vorbereitet war, konnte der betreffende Schalter personell verstärkt werden», sagt Leiter Massimo Di Nucci. Somit seien die Wartezeiten verkürzt worden. «Dieses Jahr waren es mehr Kunden als die letzten Jahre», sagt Nucci.

Doch nicht nur vor jenem Gebäude, wo die Ehen geschlossen werden, warteten die Heiratswilligen auf einen Beamten, der ihnen ihre Wünsche erfüllen soll. Auch die Telefonleitungen liefen gestern am Münsterberg heiss. «Ich befand mich eineinhalb Stunden in der Warteschlaufe», schildert ein angehender Bräutigam seinen Morgen, für den er ein hohes Mass an Geduld aufbringen musste. Die Warterei hat sich für ihn dennoch gelohnt, «denn jetzt haben wir unseren Wunschtermin». Das änderte sich auch am Nachmittag nicht. Während der Schalter irgendwann zum «Normalbetrieb, was die persönliche Vorsprache anbelangt», zurückfand, waren der telefonischen Anmeldungen für Reservationen immer noch überdurchschnittlich viele.

90 Wunschtermine vergeben

Insgesamt 90 Paare ergatterten gestern ihr erhofftes Datum für die rund 15-minütige Zeremonie. Sputen müssen sich insbesondere jene, die Wert auf eine einprägsame Zahl legen. Im kommenden Jahr wäre das etwa der 8. Januar, aber auch der 18. desselben Monats; später im Jahr vielleicht noch der 8. Oktober. Ein ebenfalls beliebter Feiertag bleibt im 2018 zumindest in Basel-Stadt für die Trauwilligen aus: Der Valentinstag fällt auf einen Mittwoch, und an diesen sind im Zivilstandsamt keine Eheschliessungen möglich.

Die populärsten «normalen» Wochentage sind zudem jeweils Freitage und Samstage. Doch sind diese schwieriger zu kriegen als die übrigen Termine: Freitags kann nur alle zwei Wochen auch am Nachmittag geheiratet werden, samstags nur einmal im Monat und nur morgens. Die Samstage sind meist ausgebucht, selbst wenn die Trauung am Wochenende doppelt so viel kostet – 150 statt 75 Franken.

Es ist inzwischen Alltag, dass Trauung und Hochzeitsfest nicht am selben Tag stattfinden – viele Hochzeitslocations waren schon lange vor dem gestrigen Stichtag ausgebucht. Die Paare spekulieren darauf, dass dann ihr Termin beim Standesamt zumindest in die gleiche Woche fällt.

Vorstoss hängig

Der Zeitplan des Zivilstandsamtes bewegt inzwischen sogar die Politik: Die Grünen-Grossrätin Michelle Lachenmeier hat unlängst eine schriftliche Anfrage zu diesem Thema eingereicht. «Die beliebten Daten sind vor allem in den Sommermonaten schon lange im Voraus ausgebucht, sodass gewisse Paare in einen anderen Kanton ausweichen», heisst es darin. Lachenmeier regt unter anderem an, in Basel jeden Freitag jeweils ganztägig für Trauungen zu öffnen. Die Beantwortung steht noch aus.