Stau auf der Strasse, Kampf um einen Sitz in der S-Bahn, Gedränge im Bus: Pendeln ist oft mühsam, die Infrastruktur ist am Anschlag. Ein neues S-Bahn-System – Stichwort «Herzstück» – und der Ausbau der Strassen – etwa der Rheintunnel – lassen noch jahrelang auf sich warten. Franz Saladin, Direktor der Handelskammer beider Basel (HKBB), bezeichnet die Erreichbarkeit Basels als «maximal mittelmässig».

Entsprechend sollen die Unternehmen selbst handeln und den Verkehr, den sie verursachen, optimal organisieren. So sollen nicht alle im Auto zur Arbeit kommen, sondern möglichst nur jene, für die der öffentliche Verkehr oder das Velo zu umständlich oder nicht zumutbar wären.

Dieses aktive Mobilitätsmanagement der Firmen beruhe auf Anreizen und Freiwilligkeit, betonte der stellvertretende Direktor der HKBB, Martin Dätwyler gestern an der Präsentation des Projekts: Der Auftrag kommt vom Kanton Basel-Stadt, die Leitung liegt bei der HKBB, und die technischen Massnahmen, zusammengefasst in einem «Werkzeugkasten», wurden von der Rapp Trans AG erarbeitet.

Das Projekt ist auf zwei Jahre beschränkt. Das Konzept kostete 50 000 Franken, für die Umsetzungsphase sind 250 000 Franken veranschlagt.

Auch Chefs als Vorbild aufs Velo

Bereits bei der Standortwahl sollten Firmen darauf achten, dass das Unternehmen mit allen Verkehrsmitteln, also auch zu Fuss, gleich gut erreichbar ist. Zudem seien Arbeitnehmer in Umbruchzeiten, etwa bei einem Umzug, am ehesten bereit zu Veränderungen. Auch können Firmen ihre Schichtwechsel oder Sitzungstermine auf die öV-Fahrpläne abstimmen.

Zudem könne man Mitarbeitenden den Verzicht aufs Auto mit einem Umweltbonus versüssen oder für die von Mitarbeitenden benutzten Firmenparkplätze Gebühren erheben. Weiter kann die Firma eine Internetplattform einrichten, um ihren Angestellten die Bildung von Fahrgemeinschaften zu erleichtern. Nicht zuletzt kann sie selbst eine Car-Sharing-Mitgliedschaft eingehen.

Zu einem effizienten Mobilitätsmanagement gehören zudem gute Veloabstellanlagen, überdacht und nahe bei den Eingängen. Garderoben und Duschen animieren die sportlicheren Velofahrer, aufs Auto zu verzichten. Und für die weniger sportlichen gibt es E-Bike-Steckdosen.

Auch fehlt der Hinweis nicht, dass Chefs für eine nachhaltige Mobilitätskultur eine Vorbildfunktion haben. Und nicht zuletzt durch IT-Lösungen mehr Arbeiten zu Hause erledigen und so den Arbeitsweg gleich ganz einsparen. Firmen können sich aber auch zusammentun und beispielsweise eine gemeinsame Fahrzeugflotte – etwa E-Bikes – anschaffen oder einen gemeinsamen Shuttlebus einrichten.

Rahmenbedingungen noch vage

So konkret die Vorschläge für die Unternehmen sind, so offen sind die Vorschläge, die Rahmenbedingungen im Sinne der Mobilitätsoptimierung zu ändern: mehr grenzüberschreitende Zusammenarbeit, mehr Koordination der Wirtschaftsverbände zu Verkehrsfragen, steuerliche Anreize für Unternehmen mit Mobilitätsmanagement etc. Unter diesen zukünftig anzupackenden Massnahmen ist auch die Absicht aufgeführt, das Job-Ticket des TNW, das heute Firmen ab 100 Mitgliedern zur Verfügung steht, für kleinere Firmen zugänglich zu machen.

Widerspricht das Bestreben, den Autoverkehr auf ein verträgliches Mass zu beschränken, nicht der Sparmassnahme der Baselbieter Regierung, welche die Subvention an das U-Abo streichen will? Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun, erklärt Dätwyler. Die Idee sei, die Zugangsmöglichkeit zum Job-Ticket breiter abzustützen.