Abfallkonzept

Wer kriegt einen Container – wer behält den Sack?

Wo wird der Bebbi-Sagg weiterhin regelmässig abgeholt, wo entstehen Unterflurcontainer?

Wo wird der Bebbi-Sagg weiterhin regelmässig abgeholt, wo entstehen Unterflurcontainer?

Die Umsetzung des halben Müll-Konzepts, das der Grosse Rat beschlossen hat, wird knifflig. Welche Quartiere erhalten einen Container, in welchen bleibt es beim alten System?

Statt 26,5 Millionen Franken für 660 Müllcontainer unter dem Boden erhält das Basler Tiefbauamt 13,25 Millionen, um quartierweise Unterflurcontainer einzuführen. Der Kompromiss, den der Grosse Rat beschlossen hat, stellt die Planer vor eine knifflige Aufgabe: Welches Quartier erhält wann die Container unter dem Boden, wo bleibts bei zwei wöchentlichen Abfuhrterminen für die Bebbi-Säcke?

«Wir haben keinen Plan B vorbereitet im Rucksack, wie wir nach dem Grossratsentscheid am Optimalsten beginnen sollen», sagt Roger Reinauer, Leiter des Basler Tiefbauamtes. Sicher ist aus seiner Sicht: «Es wird eine Ungleichbehandlung.» Es werde wohl Leute geben, die froh wären über die Container, aber nicht in den «Genuss» kämen – und andere, die froh wären über die konventionelle Müllabfuhr, aber nun Container bekommen, sagt Reinauer. Mit der flächendeckenden Einführung hätte diese Ungleichbehandlung vermieden werden sollen.

Bruderholz oder Kleinbasel?

«Wir werden jetzt sehr sorgfältig abwägen müssen», sagt Reinauer. Bei der Entscheidung, welche Quartiere zuerst Bebbisagg-Klappen erhalten, sind die gleichen Kriterien relevant, die bei der Ausarbeitung des neuen Müllkonzepts beachtet wurden: Die Stadt soll sauberer werden, der Service public soll besser werden, es sollen Kosten eingespart werden und die Mitarbeitenden der Stadtreinigung, die heute täglich bis zu 10 Tonnen Abfall aufladen, sollen entlastet werden.

Werden also Quartiere, in denen häufig Müll wild deponiert wird wie im Kleinbasel, oder die Innenstadt, in der die Müllsäcke besonders stören, zuerst Container erhalten und das Bruderholz erst später? «Das kann man so einfach nicht sagen, vielleicht wird es genau das Gegenteil sein», sagt Reinauer. Weil auf dem Bruderholz nicht so viel Abfall anfalle, könnte mit Unterflurcontainern, die nur alle 14 Tage gelehrt werden, viel Arbeits- und Fahrzeit und damit Geld gespart werden. «Wir werden sehr genau abwägen müssen.»

Kriterium Nummer eins: Sparen

Sehr hoch gewichtet wird bei der Umsetzung wohl das Kriterium Einsparungen. Im ursprünglichen Konzept war vorgesehen, mit dem neuen Konzept 20 Stellen und jährlich eine Million Franken zu sparen.

Ein Punkt, den die bürgerlichen Container-Gegner häufig ins Feld geführt haben, wird hingegen keine Rolle spielen: «Es wird nicht geschaut, wo wie viele ältere Menschen leben, die allenfalls Mühe haben könnten, den Sack bis zum Container zu tragen», sagt Reinauer. Das Argument war aus seiner Sicht ein «grosser Irrtum» in der Debatte. «Wer seinen Abfall nicht mehr maximal 100 Meter weit tragen kann, der braucht ohnehin Hilfe.»

Für ihn ist die Basler Skepsis gegenüber den Bebbisagg-Containern sowieso schwierig nachzuvollziehen. «An anderen Orten in der Schweiz ist man damit sehr zufrieden.» Er hofft, dass auch in Basel die Skepsis mit den ersten Unterflurcontainern schmilzt. Wann mit der Umsetzung begonnen wird, steht noch nicht fest. Sicher ist aber: In den Quartieren mit den neuen Müllcontainern wird es keine konventionelle Hausabfuhr mehr geben.

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