Lange Schlangen vor Testcenter

Wer sich richtig krank fühlt und auch so aussieht, wird in Basel von der Security herausgepickt

Im Universitätsspital Basel werden die Warteschlangen vor dem Testzentrum immer länger.

Im Universitätsspital Basel werden die Warteschlangen vor dem Testzentrum immer länger.

Im Universitätsspital Basel stehen immer mehr Leute an, um sich auf Corona testen zu lassen – dadurch steigt auch die Wartezeit.

Je höher die Coronafallzahlen, desto grösser wird auch die Angst der Bevölkerung. Kaum sind die Grade draussen gesunken, wollen immer mehr Baslerinnen und Basler sichergehen, dass ihr Husten und Schnupfen «nur» einer gewöhnlichen Grippe herrühren, und nicht etwa Anzeichen dafür sind, dass sie unter Corona leiden. Waren es vor zwei Wochen noch um die 200 Leute pro Tag, sind es letzte Woche schon 300 gewesen, die sich im Universitätsspital Basel haben testen lassen.

Auch diese Woche ist ein reger Anstieg bereits bemerkbar. Derzeit sind es im Schnitt 400 Leute pro Tag. Und alle kommen sie um die gleiche Uhrzeit, um 9 Uhr morgens. Das sei ein Problem, sagt Nicolas Drechsler, Mediensprecher des Unispitals Basel. «Wenn diese 400 Leute durch den Tag verteilt kämen, würde es kein Problem darstellen. Kommen sie aber alle auf einmal, wie es momentan der Fall ist, können wir das kaum stemmen», sagt er.

Stundenlanges Warten

So passierte es bereits diese Woche: 409 Menschen warteten stundenlang, zum Teil bis zu drei Stunden, um einen Coronatest machen zu können. Die Schlange sei dermassen lang gewesen, dass das Spital bis hin in den Abend mit den Tests ausgelastet gewesen sei. «Dieses Ausmass ist neu. So viel Andrang gab es in der ganzen Zeit noch nicht.» Doch ganz überraschend mag der Ansturm dann doch nicht gewesen sein. Schliesslich sei der Wochenanfang, so erklärt der Mediensprecher, ein beliebter Zeitpunkt für Menschen, die erkältet sind und sich testen lassen wollen. Direkt nach dem Wochenende steigen die Testzahlen immer – das zeigen die Berichte des Unispitals.

Herauspick-Methode funktioniert gut

Gerade jetzt, wo es draussen kälter wird und man sich schneller erkältet, muss also eine Lösung her, um den Andrang und das dazugehörige Chaos zu vermeiden. «Es kann nicht sein, dass man angeschlagen ist und stundenlang in der Kälte warten muss», sagt Drechsler. Um genau diese Situation zu umgehen, solle man eher am Nachmittag in die Testzentren gehen. Zwischen 11 und 15 Uhr sei laut Drechsler eine geeignete Zeit.

Doch angesichts der steigenden Fallzahlen könnte auch dieser Tipp bald nicht mehr viel nützen. Dann müssen andere Lösungen her. Andere Städte wie Berlin handhaben es so, dass Krankenschwestern immer wieder durch die wartende Menschenmenge vor den Testzentren gehen und diejenigen herauspicken, die sehr geschwächt aussehen. Wäre das eine Lösung, die auch in Basel denkbar ist? «So ähnlich machen wir das schon, zwar ist unser Personal nicht wirklich darin geschult, wie es die Berliner Krankenschwestern sind, aber bis jetzt klappt unsere Methode gut», sagt Drechsler und verweist auf die Security des Unispitals.

Wer sich sehr krank fühlt, geht direkt in den Notfall

Die Mitarbeiter würden auf die Abstände achten und darauf schauen, dass jeder eine Maske trägt. Ausserdem sollen sie entscheiden, welcher Wartende eine sofortige Behandlung braucht. «Bis jetzt war die Warteschlange allerdings nie so lang, dass der Arzt nicht auch selbst schauen konnte», erklärt der Mediensprecher. Der behandelnde Arzt habe immer ein Auge auf die Wartenden und pickt diejenigen heraus, die besonders krank aussehen, genauso wie Schwangere und Ältere.

Und: «Wenn es jemandem wirklich schlecht geht, stellt derjenige sich gar nicht erst in die Schlange, sondern geht direkt in den Notfall», sagt Drechsler. Das funktioniere gut, weil jeder für sich selbst merken würde, ob man in der Lage ist, mindestens eine halbe Stunde draussen stehen zu können, um auf den Test zu warten.

Die längste Zeit wird beim Warten verbracht

Sollten die Zahlen jedoch weiterhin steigen, schliesst das Unispital Basel andere Lösungswege nicht aus. So seien Anpassungen der Öffnungszeiten bereits in Erwägung gezogen worden.

Doch bis es zu diesen veränderten Zeiten kommt, solle man den Rat des Mediensprechers, eher gegen Nachmittag ins Testzentrum zu gehen, befolgen. Denn dann beträgt die Wartezeit wahrscheinlich weniger als 30 Minuten. Und alles, was danach kommt, kostet kaum Zeit: Neun Minuten soll es im Schnitt dauern, bis man wieder aus dem Testzentrum rauskommt.

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