Die Lage für die Basler Sozialdemokraten ist beneidenswert: Mit Finanzdirektorin Eva Herzog und Nationalrat Beat Jans stehen bei den Genossen zwei Kandidaten bereit, die die besten Voraussetzungen mitbringen, um bei den Wahlen nächstes Jahr den Sitz der abtretenden Anita Fetz zu verteidigen. Die Frage, welches der beiden politischen Schwergewichte für die SP ins Rennen steigen soll, wird die Partei noch einige Monate beschäftigen. Alle Beteiligten rechnen damit, dass es im Frühjahr 2019 zu einer Kampfwahl um die Stöckli-Kandidatur kommen wird.

Doch bereits ein Jahr vor dem Urnengang fängt hinter den Kulissen die Wahlkampfmaschinerie an zu laufen. Dem Vernehmen nach ist vor allem Eva Herzog parteiintern bereits sehr aktiv am Weibeln. Im Gegensatz zu Jans, der als Nationalrat frei politisieren kann, ist die Finanzdirektorin in der Öffentlichkeit als Regierungsvertreterin eingeschränkter. Dies versucht Herzog zu kompensieren.

Auch in den Medien machte die Finanzdirektorin bereits Werbung in eigener Sache: «Mit mir sind die Chancen, den Ständeratssitz zu holen, grösser», sagte Herzog anfangs Juni in einem Interview mit der «Basler Zeitung». «Wieso also risikoreiche Pfade beschreiten, wenn es auch sicherere gäbe?» Auch würde sie als Regierungsmitglied gute Voraussetzungen für den Ständerat mitbringen.

Prominente Ab- und Zusagen

Tatsächlich scheint Herzog in der parteiinternen Ausmarchung die Nase leicht vorne zu haben. Dem Vernehmen nach favorisiert auch die Wahlkampfleitung der Partei die Variante, dass die Finanzdirektorin für den Ständerat kandidiert und daneben als Zugpferd auch auf der Fünferliste für den Nationalrat aufgestellt wird. Zur Erinnerung: Herzog hat bei den letzten drei Regierungsratswahlen jeweils das Top-Resultat erzielt. Entsprechend dürfte sie mehr Stimmen in der Mitte und im bürgerlichen Lager holen als Jans, der linker politisiert.

Herzog als Ständerätin sei die logische Konsequenz ihrer Karriere, so ihre Unterstützer. Zumal das Stöckli stärker als der Nationalrat als Vertretung der Kantone und nicht nur der Parteien funktioniert. Und nicht zuletzt: Mit Herzog als Ständerätin kann die SP noch ein paar Jahre auf ihre prominente Politikerin setzen. Andernfalls wird sie spätestens 2021 als Finanzdirektorin aufhören.

Gleichzeitig wird auch Jans in der Partei sehr geschätzt. Der frühere Parteipräsident ist bei der Basis ausserordentlich beliebt. Nach neun Jahren im Nationalrat hat sich Jans auch national einen Namen gemacht. Nachvollziehbar, dass er nach weiteren Möglichkeiten Ausschau hält.

Folgen für die Nationalratsliste

Die Frage, ob Jans oder Herzog für den Ständerat kandidiert, hat auch Auswirkungen auf die Nationalratsliste. Wenn Herzog für beide Kammern kandidiert, bedeutet dies, dass von den fünf Listenplätzen zwei bereits besetzt sind. Ein weiterer dürfte vermutlich an Mustafa Atici gehen. Der SP-Grossrat, der 2011 und 2015 auf dem undankbaren dritten Platz landete, gilt als Kronfavorit für den frei werdenden Nationalratssitz von Silvia Schenker.

Damit würden noch zwei Plätze übrig bleiben. Und die SP-Frauen haben bereits angemeldet, dass diese beiden einer Genossin vorbehalten werden sollen. Bereits ihr Interesse angemeldet hat Grossrätin Edibe Gölgeli. Erstmals kommunizieren nun mehrere Politiker ihren Entscheid: So steigt etwa Grossrätin Sarah Wyss ins Rennen. Als potenzielle Kandidatin wurde lange Grossrätin und Gewerkschafterin Toya Krummenacher gehandelt. Sie sagt nun aber: «Ich stehe bei diesen Wahlen nicht zur Verfügung.»

Unklar ist, wie gross die Chancen der interessierten Männer noch sind: GPK-Präsident Christian von Wartburg hat seine Kandidatur bereits angekündigt. Und auch Grossrat Thomas Gander liebäugelt mit der Option. Einer der meistgehandelten Männer dagegen hat bereits abgesagt: Der langjährige Grossrat Tobit Schäfer.