Euro-Airport
Wer töggelen will, geht lieber in den französischen Flughafen-Teil

Ein Augenschein am Euro-Airport zeigt: Grosse Preisunterschiede und etliche Absonderheiten auf den beiden Seiten des binationalen Flughafens. Auch der Wechselkurs an den Geldautomaten ist nicht in beiden Ländern der selbe.

Peter Schenk
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Grosse Preisunterschiede am Euro-Airport
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... während im Schweizer Teil die Sache zwei Franken kostet.
Ein Briefkasten der Schweizer Post, die dort gar nicht stehen dürfte.
Eine Stunde Parking kostet in Frankreich 4.60, in der Schweiz 6 Franken.
Auf französischer Seite kann man Blumen kaufen.

Grosse Preisunterschiede am Euro-Airport

Kenneth Nars

Er mag schon so manchem kurz entschlossenen Kavalier aus der Patsche geholfen haben: Auf der französischen Seite des binationalen Euro-Airports (EAP) steht auf der Ankunftsebene ein Blumenautomat. Für 9.90 bis 25 Euro können hier mehr oder minder frische Sträusse erworben werden. Auf der Schweizer Seite gibt es keine Blumen, dafür aber kann man für einen Franken sein Gepäck mit einem Luggage-Check-Gerät wiegen lassen. Euro akzeptiert dieses so wenig wie der Blumenautomat Franken.

Andere Automaten wie diejenigen für Reisebedarf wie Zahnbürste, Tampons oder Präservative, die sich auf beiden Flughafenseiten bei den WCs befinden, akzeptieren Schweizer Franken wie Euro, dies allerdings mit einem abenteuerlichen Wechselkurs. So kostet ein Reisezahnbürstenset 3.50 Euro oder 5.90 Franken. Rechnet man den Euro-Preis um, sollten es nur 4.40 Franken sein.

Wer sich die Wartezeit mit einer Partie am Töggelikasten vertreiben will, macht dies am besten in Frankreich in der Ankunftsebene beim Eingang. Erstens ist es schön, an einem französischen Gerät ohne Glasabdeckung zu spielen und zweitens kommt dies mit 50 Cents ungleich billiger als mit zwei Franken oder Euro am Schweizer Kasten mit Glas über dem Spielfeld.

Liegt die Schweizer Seite des binationalen Flughafens nun in der Schweiz oder in Frankreich? Paradox wird es bei der Zollstrasse, die von Basel zum EAP führt. Polizeitechnisch gehört sie nach dem Kreisel beim Casino zu Frankreich. Hier gilt mit 90 Stundenkilometern die französische Geschwindigkeitsbegrenzung und kontrolliert wird von der französischen Polizei.

Für den Unterhalt ist der Flughafen zuständig, der auch die Werbeflächen entlang der Strasse verkauft. Gleichzeitig kassiert Bern für die französische Strasse die Schwerverkehrsabgabe LSVA. Schliesslich handelt es sich um Schweizer Zollgebiet. Zoll wie Grenzwache kontrollieren am EAP wie an einer anderen Schweizer Aussengrenze. EAP-Direktor Jürg Rämi findet das alles nicht paradox, sondern «komplex». Er sagt: «Wichtig sind klare Spielregeln und Speziallösungen für den Flughafen.»

Klar ist es allerdings nicht immer. Steigt man auf der Abflugebene aus dem BVB-Bus erwartet einen ein Briefkasten der Schweizer Post. Als Adresse steht dort: Flughafen Abflughalle, 4056 Basel. Merkwürdig, hat doch die Postfinance erst kürzlich ihren Postomaten auf der Schweizer EAP-Seite abgebaut, weil die Schweizer Finanzaufsicht keine Geldautomaten im Ausland gestattet. Ab Ende November wird man zudem am SBB-Schalter und -automaten nicht mehr mit der Postcard zahlen können (bz vom 14.8.). Was für die Postfinance Ausland ist, ist für die Post Inland.

Auch der Kiosk auf der schweizerischen Abflugebene ist tiefste Schweiz. Hier gibt es zu Frankenpreisen Schweizer Zeitungen, Basler Läckerli, Souvenirs und Ricola. Die Halbliterdose Bier von Heinecken ist mit vier Franken erstaunlich billig. An der nur wenige Schritte entfernten Bar werden für die gleiche Dose 8.20 Franken verlangt. Eine kleine Flasche Champagner von Mont & Chanson (zwei Deziliter) kostet gar 23.60 Franken.

Da lohnt sich der Weg an die Bar auf der anderen Seite der Grenze. Im französischen EAP-Teil ist das edle Getränk mit 13.70 Euro zwar noch immer teuer, aber umgerechnet 6.50 Franken billiger. Noch günstiger wird es am französischen Kiosk, der eine kleine Lebensmittelabteilung hat und Bier für umgerechnet 1.90 Franken bis 3.25 Franken anbietet.

Seit Juli 2012 gibt es im Flughafen auf der Abflugebene, im dritten Stock also, einen breiten Grenzübergang, der im Normalfall nicht mehr als solcher erkennbar ist und wo oft gar keine Grenzbeamten stehen. Auf der Ankunftsebene aber fehlt ein Übergang. Wer von dort auf die andere Seite will, muss erst den Fahrstuhl oder die Treppe hinauf zum Grenzübergang nehmen – das verwirrt etliche Flughafenbesucher.

Der Seitenwechsel nach Frankreich lohnt sich auch für Besucher des Restaurants im fünften Stock. Obwohl die Speisen aus der gleichen Küche kommen – die Grenze verläuft mitten hindurch – sind die Preise unterschiedlich. Das Lachs Carpaccio an Himbeeren kostet auf der Schweizer Seite 22.90 Franken und auf der französischen 13.90 Euro, umgerechnet 17.40 Franken. Ein Sommer-Hamburger (30.40 Franken) ist auf der französischen Seite umgerechnet 7.40 Franken billiger. Während die Stange Bier in der Schweiz 6.30 Franken kostet, werden in Frankreich dafür 4.90 Franken verlangt.

Erhebliche Preisunterschiede gibt es auch beim Parking. So kostet eine Stunde im überdachten Parking in Frankreich umgerechnet 4.60 Franken statt 6 Franken in der Schweiz oder für drei Stunden 8.25 Franken statt 11 Franken. Deftig wird es beim Langzeittarif bis vier Tage. Er kostet auf der Schweizer Seite 55 Franken und auf der französischen 30 Euro, was umgerechnet eine Differenz von 17.50 Franken ergibt.

Der EAP erklärt das auf seiner Webseite so: «Unsere Tarife sind den Lebenshaltungskosten im jeweiligen Land angepasst.» Direktor Jürg Rämi argumentiert: «Wir versuchen, uns an den zwei Märkten zu orientieren. Wenn ein Spiel am Töggelikasten in Mulhouse 50 Cent und in Basel zwei Franken kostet, übernehmen wir die Preise.»

Ähnlich sei dies beim Bier, auch wenn Rämi einräumt, dass die Preise hier am oberen Rand liegen. Ausserdem würden die Miet- und Pachtpreise im Schweizer EAP-Teil deutlich höher als im französischen Teil liegen. Zudem sei der Schweizer Franken im Verhältnis zum Euro sehr stark geworden.