Die Buchhandlung Jäggi gehörte einst zum Stolz der Basler Innenstadt. Nicht nur auf mehr als vier Etagen, sondern gleich in drei miteinander verbundenen Gebäuden stapelten sich Bücher vom Eingang an der Falknerstrasse bis zum Ausgang an der Freien Strasse. Vor über einem Jahrzehnt wurde der Laden mit einer sagenhaften Verkaufsfläche von rund 3200 Quadratmetern zu einer Thalia-Buchhandlung, dann übernahm Orell Füssli, redimensionierte, zog aus – und seit vergangenem Herbst ist das prominente Gebäude an der Falknerstrasse ausgeschrieben.

Tatsächlich gestaltet sich die Vermietung schwierig. Nach dem Auszug des Buchhändlers wurden die zur Megafläche zusammengeschlossenen drei Gebäude wieder zurückgebaut. Während die kleinere Fläche beim ehemaligen Papeterieeingang schon lange an einen Skate- und Boardshop vergeben wurde, stehen die 1250 Quadratmeter Verkaufsfläche mit Glasfront immer noch leer.

«Gespräche zur Vermietung laufen noch», sagt Detailhandelsspezialistin Patricia Kunz von der Retail-Immobilienverwaltung CBRE in Basel, die dafür zuständig ist. Es sei nicht so, dass es keine Interessenten gebe, doch die Infrastruktur mache das Vorhaben nicht einfach. Denn Mega-Shops, wie es der «Jäggi» damals war, sind in der Innenstadt kaum mehr gefragt. Kunz formuliert es so: «Es ist schwieriger geworden als zu den goldenen Zeiten des Detailhandels von den 1980ern bis in die 2000er-Jahre.»

Kein Tod, aber ein neuer Handel

Das heisst allerdings nicht, dass das «Lädelisterben» grassiert, wie es etwa die «Basler Zeitung» kürzlich glaubhaft machen wollte, als sie geradezu den «Tod der Freien Strasse» beschwor. Pro-Innerstadt-Basel-Geschäftsführer Mathias F. Böhm sagt aber, dass sich die Zeiten gewandelt haben. «Wir befinden uns in einer gewaltigen Übergangsphase im Handel», sagt er, ebenfalls mit Verweis auf Ladenflächen. Böhm und Kunz bestätigen gleichermassen, dass insbesondere die Freie Strasse, aber auch die Gerbergasse als Premium-Meile für Retailer nach wie vor gefragt sind.

Nur: Es kommt eben auf die Grösse an. «Früher zahlten sich an sich unlogische Vorhaben wie der Zusammenschluss von drei Gebäuden zu einer Ladenfläche noch aus», sagt Böhm. «Heute ist das Risiko einfach zu gross.»

Komme hinzu, dass angesichts konzeptioneller Einflüsse wie Kundenbedürfnissen, Erlebnisorientierung, Onlineshops und Mischformen zwischen Handel und Unterhaltung die Geschäftskonzepte kurzlebiger seien. So mache es für einige Anbieter wenig Sinn, übliche Fünfjahresverträge mit Verlängerungsoptionen um weitere fünf Jahre abzuschliessen, wenn nicht klar sei, wie lange ein konkretes Ladenkonzept Bestand hat.

Und was wird aus dem Globus?

Die Umwälzungen machen auch vor den Grossen nicht halt. So erklärte der Detailhandelsriese Migros vergangene Woche, dass er mehrere Traditionsmarken verkaufen will, unter anderem Interio und Globus. Der Markt ist härter geworden. Globus etwa soll sich noch stärker am Luxussegment orientieren, was beträchtliche Investitionen mit sich bringe, urteilte die Migros-Spitze. Die NZZ schätzte in einer Analyse vom Donnerstag, dass vor allem das Globus-Flaggschiff am Zürcher Pestalozzi-Platz Aussicht darauf habe, als solches verkauft zu werden. Ansonsten dürfte das Interesse am Gesamtpaket mit insgesamt 13 Warenhäusern und mehreren Modefilialen eher gering sein.

Bislang wollte vor allem Globus-Chef Thomas Herbert ein Angebot für die ganze Globus-Kette unterbreiten. Was mit der Filiale am Basler Marktplatz geschieht, ist noch offen. Übernimmt keine andere Warenhaus-Kette, könnte ihr ein ähnliches Schicksal wie dem dem ehemaligen, benachbarten Interdiscount XXL drohen: zu gross für reinen Detailhandel, zu spezifisch die Architektur, räumlich kaum trennbar. Beim Interdiscount zog Coop die Reissleine und macht daraus nun ein Hotel.

Detailhandelsspezialistin Kunz hingegen signalisiert zumindest für die Falknerstrasse Zuversicht; Interessenten seien ja vorhanden. Welche, kann sie nicht sagen. Auch preislich gebe es nichts zu mäkeln, die Eigentümerschaft setze bei der Vermietung auf «marktübliche» Preise.