Ziviltrauung
Wer will schon am Dienstagmorgen heiraten?

Heiratswillige in Basel müssen sehr oft auf ihren Wunschtermin verzichten. Das könnte sich bald ändern.

Martina Rutschmann
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Ja, ich will! Aber lieber am Samstag als am Dienstag! Und natürlich auch zivil in Weiss, wie das heute üblich ist.

Ja, ich will! Aber lieber am Samstag als am Dienstag! Und natürlich auch zivil in Weiss, wie das heute üblich ist.

Keystone

Der schönste Tag in Leben soll an einem Dienstag um 8.15 Uhr beginnen? Nein, sagt sich ein Grossteil der Basler Heiratswilligen – und versucht, einen Standesamttermin zu bekommen, der möglichst weit von einem Dienstagmorgen entfernt liegt. Auch der Montag ist kein beliebter Heiratstag, wie Massimo Di Nucci, Leiter Zivilstandsamt, weiss.

Und trotzdem werden an diesen Tagen seit jeher Ehen geschlossen, mittwochs beispielsweise aber nie. Die Folge: Oft müssen Paare einen für sie unattraktiven Termin wahrnehmen. Die begehrten Tage und Zeiten sind rar und schnell ausgebucht. Grossrätin Michelle Lachenmeier (Grüne) will nun mit einem Vorstoss erreichen, dass das Standesamt seine Öffnungszeiten den Bedürfnissen der Paare anpasst.

Der Samstag kostet das Doppelte

Diese Bedürfnisse sieht Lachenmeier Ende Woche. Je näher am Wochenende, desto besser. Aber eben: Dann sind alle Termine oft schon Monate davor ausgebucht. Freitags kann ohnehin nur alle zwei Wochen auch am Nachmittag geheiratet werden, samstags nur einmal im Monat und nur morgens.

"Freitag und Samstag sind die beliebtesten Tage, Samstage sind in der Regel ausgebucht", sagt Di Nucci. Der Tag ist so begehrt, dass Paare für die Trauung statt 75 Franken 150 Franken hinblättern. Hinzu kommen die Kosten für Ehevorbereitung und Familienausweis.

Generell lassen Paare für ihre Ziviltrauung mehr springen als noch vor einigen Jahren. Den Grund sieht Lachenmeier darin, dass viele Basler keiner Kirche angehören und neben der zivilen Trauung keine zeremonielle Hochzeit feiern. Di Nucci bestätigt das. Standesamtlich heirateten immer mehr Paare in Weiss und mit Brautstrauss. "Ausserdem äussern die Paare mehr Wünsche." Etwa, dass sie sich Gedichte vorlesen dürfen oder jemand singt. "Wir machen, was möglich ist, unsere zentrale Aufgabe bleibt aber, die staatliche Trauung durchzuführen."

Und diese ist klar geregelt – auch zeitlich. An den 15 Minuten, die jedem Paar gewährt werden, kann nicht gerüttelt werden. Die Öffnungszeiten hingegen scheinen nicht in Stein gemeisselt: Der Samstag kam erst vor etwa zehn Jahren dazu. Di Nucci äussert sich nicht zu Lachenmeiers Forderungen, solange der Vorstoss hängig ist. Der Regierungsrat werde sich zur gegebenen Zeit äussern. Allgemein sagt er nur: "Einige Paare, die nicht an einem Freitag oder Samstag heiraten, feiern an einem anderen Tag und heiraten kirchlich."

Ehe kennt keinen Kantönligeist

Michelle Lachenmeier behauptet, "gewisse Paare" würden wegen der unattraktiven Basler Öffnungszeiten in andere Kantone ausweichen. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: In den vergangenen Jahren liessen sich jeweils rund 900 Paare in Basel-Stadt trauen, vor zehn Jahren waren es im Schnitt 100 Paare weniger. An die Glanzzeiten der Sechziger Jahre hingegen kann das Standesamt nicht anknüpfen, damals heirateten rund 2000 Paare jährlich.

Es käme tatsächlich vor, dass sich manche Einwohner von Basel in anderen Kantonen trauen liessen, die umgekehrte Situation erlebe er aber genauso oft, sagt Di Nucci – gerade weil der Freitagnachmittag nicht überall angeboten würde.