Politik
Wer wird die Führung der Basler SP übernehmen? Ziel sei eine faire Geschlechterverteilung

Wenn es um die Neubesetzung des SP-Präsidiums geht, ist das Interesse bei den Frauen gross. Doch das Präsidium als Ganzes soll eine faire Geschlechterverteilung darstellen.

Jonas Hoskyn
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Lisa Mathys war lange Zeit Parteisekretärin der SP Baselland.
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Danielle Kaufmann ist Kommissionspräsidentin.
Michela Seggiani amtete bereits als Vizepräsidentin.

Lisa Mathys war lange Zeit Parteisekretärin der SP Baselland.

Bilder: zVg

Drei Monate Zeit hat die Findungskommission, um ein ­neues Parteipräsidium für die Basler SP aufzutreiben. Gleich das komplette Führungstrio mit Präsident Pascal Pfister und seinen Vizes Melanie Nussbaumer und Beda Baumgartner hat den Rücktritt erklärt. Selbst wenn die Basler SP eine breite Personaldecke hat, wird die Suche eine Herausforderung. Denn die Führung der grössten Basler Partei ist sehr zeitaufwendig – und Lohn gibt es nur einen ­symbolischen. Da muss vieles passen – beruflich, privat, politisch –, bevor man seinen Hut in den Ring wirft.

Bisher gab es vor allem Absagen: Der verschiedentlich als Favorit genannte Georg Mattmüller winkte aus Zeitgründen ebenso ab wie Martin Leschhorn Strebel, Co-Präsident der SP Riehen. Fraktionschef Thomas Gander will ebenso wenig ins Rennen steigen: «Ich fühle mich in meiner aktuellen Rolle sehr wohl», sagt er. Immerhin liess sich SP-Hoffnungsträger Stefan Wittlin zur Aussage hinreissen: «Ich will nicht ausschliessen, dass ich künftig Teil des Präsidiums bin.»

Grosses Interesse bei den Parlamentarierinnen

Deutlich ausgeprägter scheint derzeit das Interesse bei den ­Genossinnen zu sein. Mehrere Grossrätinnen denken über eine Kandidatur nach: «Ich bin es mir am Überlegen. Das Präsidium ist ein total spannender Job, der mich sehr reizen würde», sagt etwa Barbara Heer. Auch Danielle Kaufmann, zurzeit Präsidentin der Justiz-, Sicherheits- und Sportkommission (JSSK), sagt: «Ich würde gerne meinen Beitrag leisten.» Inhaltlich würde sie das Präsidium interessieren, «mir sagen die Aufgaben zu, auch organisiere ich gerne.» Gleichzeitig habe sie aber auch einen 80-Prozent-Job an der Universität.

«Ich muss es mir allerdings gut überlegen»

Ähnlich tönt es bei Lisa Mathys. Die frühere Radiomoderatorin hat lange als Parteisekre­tärin für die Baselbieter SP gearbeitet, kennt also die politische Arbeit hinter den Kulissen bestens: «Eine Funktion im Parteipräsidium würde mich sehr reizen.» Sie habe bereits Gespräche im lockeren Rahmen geführt. Allerdings müsse sie sich überlegen, ob es dafür die richtige Lebensphase sei. Sie hat drei Kinder und gerade eine neue Stelle angetreten.

Auch Jessica Brandenburger zieht eine Kandidatur in Betracht: «Ich bin mir am Gedanken machen, aber es ist eine Teamfrage. Ich könnte es mir nicht mit allen vorstellen. Denkbar wäre, dass ich das Vizepräsidium machen würde», sagt sie. Nur um anzufügen: «Ich muss mir allerdings gut überlegen, ob ein so grosses Amt aktuell in mein Leben passt.» Für Brandenburger würde sprechen, dass die Partei mit Beda Baumgartner gute Erfahrungen gemacht hat, einen «jungen Wilden» im Präsidium zu haben.

Gesamtpaket soll gewählt werden

Interesse bekundet auch ­Michela Seggiani, die bereits einmal als Vizepräsidentin geamtet hat. «Das ist durchaus ein Thema», sagt sie. Wie Brandenburger betont auch sie, dass man sich früh überlegen müsse, mit wem man sich die Arbeit im Team teilen möchte. Grundsätzlich ist zu erwarten, dass die Partei an der Mitgliederversammlung ein Gesamtpaket wählt und nicht einzelne Kandidatinnen und Kandidaten.

Ob Mann oder Frau an der Spitze, ist nicht entscheidend

Interessanterweise überhaupt nicht im Vordergrund steht für einmal die Geschlechterfrage. Während die Unterzahl der Kandidatinnen zuletzt bei den Nationalrats- und den Regierungsratswahlen für Diskussionen sorgte, ist die Ausgangslage bei der Neubesetzung des Präsidiums entspannter: «Es ist mir in diesem Fall wichtig, dass es nicht eine reine Frauen- oder eine ­reine Männerlösung gibt. Dass also beide Geschlechter im dreiköpfigen Präsidium vertreten sind», sagt Brandenburger. Und auch Seggiani, die zuletzt im Parlament eine Analyse gefordert ­hatte, ob Männer mehr Rede­zeit beanspruchen, sagt: «Das Präsidium als Ganzes muss eine faire Geschlechterverteilung darstellen.» Explizit eine Frau als künftige oberste Genossin fordert bislang niemand.