Universität Basel

Wer zu lange studiert, wird gebüsst: «Ewige Studenten» sollen die doppelte Gebühr bezahlen

Die Zahl der ewig Studierenden soll in Basel reduziert werden – mit drastischen Massnahmen.

Die Zahl der ewig Studierenden soll in Basel reduziert werden – mit drastischen Massnahmen.

Das Rektorat der Universität Basel will für die Trödler unter den Studierenden die Semestergebühren verdoppeln – denn wer zu lange hat, wird für die Uni teuer. Diese empfinden die Neuerung allerdings als ungerecht.

Die Basler Universität will den Langzeitstudierenden Dampf machen. Künftig sollen Bachelor-Studierende ab dem 12. Semester und Masterstudierende ab dem 8. Semester doppelte Semestergebühren bezahlen. Diese Pläne sind einem Bericht des Rektorats zu entnehmen, welcher dieser Zeitung vorliegt. Die Langzeitstudierenden stellten eine «besondere Herausforderung» dar, heisst es. Der Zeitplan sieht vor, dass Langzeitstudierende ab dem Herbstsemester 2023 bestraft werden sollen. Erst muss der Universitätsrat das Anliegen noch abnicken.

Dass Handlungsbedarf herrscht, zeigen die Zahlen. Derzeit sind 360 Langzeitstudierende an der Uni Basel immatrikuliert, 219 auf Bachelorstufe, 141 auf Masterstufe. Am stärksten betroffen ist die Philosophisch-Historische Fakultät, bei der insgesamt 171 Langzeitstudierende eingeschrieben sind. Basel wird schweizweit die vierte Universität sein, welche die Studiengebühren ab einer bestimmten Studiendauer erhöht. Bern, St. Gallen und Zürich kennen die Praxis bereits. Andere Hochschulen wie die ETH in Zürich oder die EPFL in Lausanne kennen Studienzeitbeschränkungen. Wer das Studium hier nicht innert einer vorgegebenen Frist abschliesst, fliegt.

Ausnahmen soll es nur selten geben

Die Universität Basel ist neben der Uni Luzern die letzte Hochschule der Schweiz, die keine Massnahmen im Umgang mit Langzeitstudis kennt. «Einzelne Studiengänge oder Fakultäten sehen zwar Assessmentjahre oder ähnliche Selektionsmechanismen vor, die eine gewisse Vorbeugefunktion haben», heisst es im Rektoratsbericht. «Im Falle von Langzeitstudierenden kommen diese aber nicht mehr zum Tragen.»

Von einer Studienzeitbeschränkung will das Rektorat absehen. Denn eine gewisse Flexibilität bei der Einteilung der Studienzeit soll weiterhin gewährleistet sein. Diese solle in der Selbstverantwortung der Studierenden bleiben. «Von einer Begrenzung der Studienzeit wird abgeraten», ist dem Bericht zu entnehmen. Vielmehr wolle man einen Anreiz schaffen, das Studium innerhalb von sechs Jahren (Bachelor) und vier Jahren (Master) abzuschliessen. Bevor die Verdoppelung der Semestergebühr ansteht, sollen die Betroffenen allerdings vorgewarnt und auf das Beratungsangebot der Uni aufmerksam gemacht werden. In begründeten Fällen würde von einer Erhöhung abgesehen – wenn etwa finanzielle, gesundheitliche oder soziale Umstände zur Verlängerung des Studiums führen. Aber: Solche Ausnahmen seien nur in absoluten Härtefällen vorgesehen, schreibt das Rektorat.

Studierende werden opponieren

Der Vize-Rektor Lehre der Universität, Thomas Grob, will auf Anfrage noch nicht auf Details der Pläne eingehen, dazu sei es noch zu früh. Der Entscheid liege beim Unirat, und die Fakultäten sowie die Studierenden hätten auch noch etwas mitzureden. Hier droht Widerstand. Der Studierendenrat ist diese Woche über die Pläne zur Bestrafung von Langzeitstudierenden informiert worden. Gremiumsmitglied David Ineichen sagt, er halte die Massnahme für kontraproduktiv. «Es werden die bestraft, die neben dem Studium arbeiten oder solche, die schwanger sind», sagt Ineichen. Er ist skeptisch, dass die versprochene Härtefallregelung objektiv anzuwenden sei. «Wie will man definieren, was ein solcher Fall ist?», fragt Ineichen. Auch stört in die Bezeichnung «Langzeitstudierender», der im offiziellen Register Einzug halte. «Dafür eine eigene Kategorie zu schaffen ist schon etwas herablassend.» Wichtiger wäre, das Beratungsangebot für die Betroffenen anzubieten.

In einem Punkt gibt Grob Entwarnung. Universitätskarrieren mit Umwegen seien nach wie vor möglich. «Es geht nicht darum, stromlinienförmiges Studieren durchzusetzen, sondern das Studium als zielorientierte Tätigkeit und als sinnvolle Lebensphase zu verstehen», betont Grob.

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