«Das Einzige, was interessanter ist, als das, was sie gehört haben, ist das, was Sie nicht gehört haben», meint kryptisch ein Flyer, der vor kurzem grossflächig in den Basler Briefkästen landete. Der Absender: Scientology. Der Verein sieht sich selbst als Religionsgemeinschaft. In der Öffentlichkeit wird Scientology gemeinhin als Sekte verstanden.

In der Kritik steht die Organisation vor allem wegen ihrer ausgeprägten hierarchischen Strukturen und ihrer Profitorientierung. Kurse und Lehrmittel gehen schnell in die Tausenden von Franken. In Deutschland steht Scientology unter Beobachtung des Verfassungsschutzes, weil sie das demokratische Rechtssystem ablehne.

Der Flyer ist kein Einzelfall. Die umstrittene Religionsgemeinschaft hat in der Region eine Werbeoffensive gestartet. Für Aufsehen sorgte kürzlich ein grossflächiges Plakat am Bahnhof SBB. Auch bei den Standaktionen in der Stadt sind die Scientologen zurzeit deutlich aktiver als normal. Diese Woche beispielsweise hat die Gemeinschaft beim Tiefbauamt eine Bewilligung eingereicht für eine Informationsveranstaltung auf dem Barfüsserplatz.

«Wir wollen die Leute über Scientology informieren», bestätigt Pressesprecher Jürg Stettler die aktuelle Kampagne. «Jeder kennt den Namen, aber was wir genau machen, ist kaum bekannt.» Man habe sich gezielt für ein niederschwelliges Angebot ohne die bekannten Persönlichkeitstests entschieden, sagt Stettler. «Unsere Message ist: Macht euch euer eigenes Bild.»

«Zentrum hat sich gelohnt»

Auch in der übrigen Schweiz sind die Scientologen derzeit deutlich aktiver. Dies zeigt eine Reihe an Medienberichten. «In Basel wollen wir aber besonders intensiv werben», sagt Stettler. Der Grund: An der Burgfelderstrasse steht die Ideal Org, Kirche und operatives Hauptquartier der Scientologen – mit Seminarräumen, Bücherladen, Sauna und Gartenterrasse. Er sei kürzlich in Basel gewesen und habe gestaunt, wie viele neue Leute in der Kirche waren, sagt Stettler. «Das Zentrum hat sich gelohnt.» Neben Berlin und Hamburg ist Basel der einzige solche Standort im deutschsprachigen Raum. Die Eröffnung vor drei Jahren, zu der eigens das Oberhaupt David Miscavige aus den USA anreiste, war von lautstarken Protesten begleitet.

Davon ist mittlerweile fast nichts mehr zu hören. In den letzten Jahren war Scientology kaum mehr ein Thema in der Öffentlichkeit. Auch im Iselin-Quartier hat sich die Situation beruhigt. «Es gab anfangs Probleme mit ein paar Exponenten», sagt Stettler. Teilweise habe man sogar Strafanzeige stellen müssen. «Die Gegner sind ruhig geworden. Es gibt höchstens noch kleinere Geplänkel dann und wann.»

«Serbelt vor sich hin»

Einer dieser Exponenten ist Thomas Erlemann, der auch als Präsident des Vereins Gewaltfreie Aktion gegen eine Scientology-Zentrale in Basel amtet. Auch er teilt die Einschätzung, dass sich die Situation beruhigt hat, allerdings aus anderen Gründen. «Wir haben ein gutes Netzwerk und wissen, wenn sie etwas planen. Dann sind wir präsent», sagt er. «Wir lassen nicht locker.» Die Quartierbewohner seien mittlerweile alle «geimpft», so Erlemann: «Das Zentrum ist ein Fremdkörper.» In der neusten PR-Offensive sieht er eher ein Zeichen der Schwäche. «Scientology hat den Zenit überschritten. Die Mitgliederzahlen sind rückläufig.» Gleichzeitig gebe es Druck, neue Anhänger zu rekrutieren. «Sie haben ihre Mitglieder in Basel ausgepresst, um die Ideal Org bezahlen zu können.»

Auch Sektenexperte Georg Schmid teilt diese Einschätzung: «Scientology serbelt vor sich hin.» Einerseits habe die Gruppe ein schlechtes Image. Andererseits würden die Welterklärungen des Gründers L. Ron Hubbard auf dem wissenschaftlichen Stand der 1950er Jahre basieren und dadurch immer weniger plausibel. «Die Ideal Org hat die Hoffnungen, die man in sie gesetzt hat, nicht erfüllt», sagt Schmid. Die Sekte würde eine Grösse vorspielen, die sie nicht hat. «Wenn sie Filmaufnahmen machen, müssen sie dem Vernehmen nach aus der ganzen Schweiz Leute herbeikarren, damit es voll aussieht.» Er schätzt, dass es in Basel etwa 200 aktive Scientologen gibt. Stettler dagegen spricht von rund 1000 Personen, die betreut werden.