Basel

Werden die Randständigen in der Stadt alleine gelassen?

Das Soup&Chill in Basel schliesst an den Sommerwochenenden seine Türen.

Das Soup&Chill in Basel schliesst an den Sommerwochenenden seine Türen.

Anders als das Soup&Chill behauptet, gibt es in Basel eine ganze Reihe von Institutionen, die auch am Wochenende geöffnet sind.

Das Soup & Chill in Basel schliesst an den Sommerwochenenden seine Türen – die Besitzer reden nun von einer Versorgungslücke. Diese Darstellung halten, wie die Regierung, auch Sozialinstitutionen für unzutreffend.

Der Konflikt geht zurück auf den Grossratsentscheid vom 21. Mai, der eindeutig ausgefallen ist: Mit 54 zu 16 Stimmen wurde der Antrag des Soup & Chill zur Finanzierung seines Sicherheitsdienstes abgelehnt. Dabei stellte sich dem Grosse Rat vor allem die Frage, ob eine Gassenküche überhaupt einen Sicherheitsdienst braucht. Die Antragstellenden hatten diesbezüglich auf das «Gassenzimmer» der Suchthilfe Basel verwiesen, wo neun Sicherheitsmänner auf 240 Besucher im Einsatz sind. Im Vergleich sei die Anstellung eines Sicherheitsmannes für 96 Besucher im Soup & Chill «unverhältnismässig». Unverhältnismässig sei aber auch der Vergleich der beiden Institutionen, findet Grossrat Thomas Gander (SP): «Das Gassenzimmer erfüllt einen Auftrag im suchtspezifischen Bereich und ist mit ganz anderen Herausforderungen konfrontiert, als das Soup & Chill», stellt er klar.

Sicherheitspersonal kann stören

Vergleichbar sei das Soup & Chill mit anderen Institutionen, wie der Gassenküche, die keinen Sicherheitsdienst hat. «Als Sozialarbeiter bin ich überzeugt, dass es zu den Kernaufgaben unseres Bereichs gehört, Konfliktsituationen primär aus unserer fachlichen Perspektive zu lösen», sagt Gander. «Eine Ungleichbehandlung in dieser Frage würde einzelne Projekte oder Institutionen bevorzugen», schrieb die SP Basel-Stadt gestern in einer Medienmitteilung. Ihre Sicherheit zu gewährleisten läge in der Verantwortung der Projekte und würde nicht durch ein kantonales Sicherheitsdispositiv übernommen. Grund dafür sei mitunter, dass die Frage unterschiedlich bewertet würde: Der Einsatz von Sicherheitspersonal könne in gewissen Fällen sogar das Vertrauensverhältnis zu den Bedürftigen stören. Claudia Adrario de Roche, Präsidentin des Soup & Chill, verwies auf Aussagen von Regierungsrat Christoph Brutschin, der sich für den Einsatz eines Sicherheitsmannes ausgesprochen hätte. Brutschin bestätigte, dass der Regierungsrat bereit gewesen wäre, den Vorstoss anzunehmen: «Der Grosse Rat hat ihn nun abgelehnt. Diesen Entscheid muss ich akzeptieren».

SP: Es gibt keine Versorgungslücke

Schon 2013 wurde ein Budgetpostulat für das Soup & Chill vom Grossen Rat abgelehnt. Damals war der Ablehnung ein Vergleich verschiedener Angebote vorangegangen, der gezeigt hat, dass die Erhöhung der Subventionen unverhältnismässig hoch gewesen wäre. Vor allem wurde darauf verwiesen, dass es neben dem Soup & Chill noch weitere Angebote für Randständige in Basel gäbe, was die SP in ihrer Mitteilung nochmals hervorhebt. Das Hauptargument des Soup & Chill, es übernehme die Funktion Gassenküche am Wochenende, treffe nicht ganz zu: Das «Tageshaus für Obdachlose», sowie die Treffpunkte «Glaibasel» und «Gundeli» stehen auch an Wochenenden für Bedürftige offen. Der Verein Gassenarbeit Schwarzer Peter» hat ebenfalls Projekte lanciert, will sich zur Thematik aber nicht äussern.

Die SP will den Vorwurf, es bestehe eine Versorgungslücke in Basel, nicht auf sich sitzen lassen und hat eine erneute Beurteilung des bestehenden Angebots angekündigt. Würde dennoch ein Versorgungsdefizit im Sommer festgestellt, müssten die derzeitigen Öffnungszeiten nochmals überprüft und Mittel zur Schliessung der Lücke bereitgestellt werden.

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