Schnee-Wochenende
Werden in Basel die Autofahrer während dem Schneechaos bevorzugt?

Velofahrer sehen sich benachteiligt, ihre Wege würden nicht geräumt, während die Strassen frei seien. Die Stadtreinigung widerspricht.

Deborah Gonzalez
Merken
Drucken
Teilen
Die Stadtreinigung ist am Wochenende an ihre Grenzen gestossen.

Die Stadtreinigung ist am Wochenende an ihre Grenzen gestossen.

Juri Junkov (Basel, 14.Januar 2021

Die letzten Tage dürften für all diejenigen, die auf die Strasse mussten, eine Herausforderung gewesen sein. Ganze Schneewände, eine grosse Matschpfütze neben der anderen und vor allem viel Eis. Wer irgendwo hinwollte, musste sich regelrecht durchkämpfen. Nicht nur für Fussgänger war das eine heikle Situation, auch Velofahrer hatten es schwerer als sonst.

Dass es laut Universitätsspital Basel nicht vermehrt zu Unfällen gekommen ist, mag wohl an Corona liegen. Denn wer nicht ausser Haus geht, der kann sich auch weniger verletzen. Nichtsdestotrotz müssen einige trotz Homeoffice-Verordnung weiter in die Kälte hinaus. So auch die Velofahrer der Kurierzentrale. Eigentlich unzumutbar, findet Geschäftsführer Jérôme Thiriet. Er bemängelt den Zustand der Velostreifen und Trottoirs. Eine seiner Fahrerinnen sei am Wochenende ausgerutscht und habe sich beim Sturz das Handgelenk gebrochen.

«Es ist saumässig gefährlich für Velofahrer, aber auch für Fussgänger»

Für den Geschäftsführer Grund genug, eine Interpellation einzureichen. Thiriet, der für die Grünen im Grossen Rat sitzt, fordert Antworten. Sein Vorwurf: Nur die Autofahrspuren werden geräumt. Die Velostreifen am Rand würden lediglich als Schneedepot herhalten. «Velofahrer können schauen, wo sie bleiben. Sie können höchstens auf die Fahrbahn ausweichen, aber das ist gefährlich», sagt er. Dann kämen noch der Matsch und das Eis dazu. «Es ist saumässig gefährlich für Velofahrer, aber auch für Fussgänger.»

Das müsse sich ändern. Anfang Februar erwartet der Politiker eine Antwort. «Ich hoffe, dass die Prioritäten anders gesetzt werden.» Die Veloverbindungen sollen beim nächsten Schnee auch geräumt werden. «Velowege müssen eine Priorität sein», betont er. Wenn Basel eine Velostadt sein wolle, dann müsse man die Velos auch mehr respektieren. Das Thema sei nicht neu, erklärt er. «Letzte Woche war es einfach sehr auffällig, weil es so viel geschneit hat und es fast kein Durchkommen gab.» Um das zu ändern, müsse mehr investiert werden, sei es mit weiterem Personal oder Material, sagt der Grünen-Politiker.

Stadtreinigung war am Wochenende am Anschlag

Dass die Velostreifen nicht geräumt wurden, dem widerspricht der Leiter der Stadtreinigung, Dominik Egli. «Wir tun, was wir können. Dieses Wochenende war ein Extremfall», sagt er. Die Stadtreinigung habe ein Protokoll zu verfolgen, das auf einer Schweizer Norm mit drei verschiedenen Dringlichkeitsstufen basiere. Jede Strasse gehöre in eine der drei Gruppen. Je nach Stufe müsse die Strasse bis nach drei, sechs oder neun Stunden nach Schneefall geräumt sein.

«Wenn es unaufhörlich schneit, sind wir primär mit Strassen der ersten Stufe beschäftigt», sagt Egli. Letztes Wochenende sei eben genau dieser Fall eingetreten, was zu Problemen geführt habe. «Wir waren fast rund um die Uhr unterwegs, und es wurde sehr knapp.» Hätte es weiter so geschneit, hätte es die Stadtreinigung nicht mehr stemmen können, betont Egli. «Wir waren wirklich am Anschlag. Wir wussten aber im Vornherein, dass es soweit kommen kann.»

Velorouten gehören zur ersten Stufe der Reinigung

Jérôme Thiriets Vorwurf, dass nur die Autospuren geräumt werden, schlägt Egli entschieden von sich. «Die wichtigsten Velorouten gehören zur ersten Stufe.» Jedoch sei ihm bewusst, dass gerade die grossen Strassen am Rand ein Problem hätten. «Aber der Schnee muss ja irgendwohin. Wir schieben ihn dorthin, wo er schmelzen kann und das ist auf den Velospuren», sagt er.

Es gebe zwar eine alternative Lösung, die aber zu aufwendig sei: «Man könnte es technisch lösen, indem man den Schnee mit einem Lastkraftwagen wegfährt.» Dann müsse aber ein Bagger hinterherfahren und den Schnee aufladen. «Und das würde den Verkehr enorm stören.» Deshalb sei der Strassengraben, zum Unmut der Velofahrer und Fussgänger, das kleinere Übel.