Kunstmuseum Basel

Werden Picassos Werke statt im Kunstmuseum bald in Quartieren gezeigt?

"Le sauvetage": eines der Werke Picassos in Basel

"Le sauvetage": eines der Werke Picassos in Basel

Das Kunstmuseum muss für mehr als ein Jahr schliessen, weil es saniert wird. Dass die Kunstwerke in dieser Zeit gar nicht zu sehen sind, passt CVP-Grossrat Oswald Inglin gar nicht. Er macht sich stark für eine spezielle Lösung.

«Das Kunstmuseum muss auf die Strasse, weil es kein Haus mehr hat.» Mit dieser Begründung will Oswald Inglin, Präsident der grossrätlichen Bildungs- und Kulturkommission das Kunstmuseum in die Offensive zwingen. Statt dass das Museum während seiner Sanierung in den Jahren 2015 und 2016 einfach die Türen schliesse, solle es aus der Not eine Tugend machen, meint Inglin. Nun könne das Museum «auf die Strasse gehen» und für die Bevölkerung fassbarer werden: «Das Museum, diese faschistoide Trutzburg aus den 30ern schreckt auch ab, jetzt könnte man raus und den Menschen die Schätze zeigen.» Und Inglin will dafür nicht irgendeinen Auftritt, sondern einen «spektakulären».

Einseitige Befürchtungen

Ähnlich hatte sich bereits Tourismusdirektor Daniel Egloff in der bz geäussert. Er denkt dabei aber eher «an Ausstellungen in anderen Basler Museen, wie dem Tinguely Museum oder der Fondation Beyeler.» Inglin, dessen Kommission die Schliessung auch schon kritisiert hatte, stört sich daran, dass nur über die Touristen geredet werde, die nun das Museum nicht besuchen könnten. Es gehe aber auch um die Baslerinnen und Basler. «Ich habe das Gefühl man hat Angst, die Japaner kommen nicht. Aber das ist unser Museum, es geht um uns!» Der Konrektor betont unter anderem auch die Wichtigkeit, die das Museum für die Schüler und Lehrer habe.

Inglin schlägt vor, einige Werke aus dem Museum in den Quartieren auszustellen. Oder auf der Allmend. Dass das nicht in jedem Fall einfach und möglich ist, sei ihm völlig klar: «Es müssen ja nicht die teuersten und heikelsten Bilder sein.» Und auch ein ganz konkreter Ort schwebt ihm vor, nämlich die Voltahalle. «Das wäre eine Chance, in dieser öden Betonwüste namens Voltaplatz ein kleines temporäres Museum zu etablieren.»

Museum wiegelt ab

Die Halle wird momentan nur sehr sporadisch genutzt. Einige Nutzungsformen, wie beispielsweise Partys, waren durch Lärmklagen verunmöglicht worden. Dieses Problem dürfte sich mit bemalten Leinwänden und Statuen nicht stellen, meint Inglin. Das Kunstmuseum selbst reagiert auf Anfragen freundlich, spielt aber auf Zeit. Kommunikationschef Christian Selz bittet um Geduld und merkt an, an der Medienkonferenz sei über die Sanierung ausführlich informiert worden. Und fährt weiter: «Ebenso wurde Ihnen mitgeteilt, dass wir alle weiteren Schritte sorgfältig planen und zu einem späteren Zeitpunkt kommunizieren werden.»

Noch ist Zeit vorhanden

Inglin will aber Entscheidungen. Er mahnt zwar zum offenen Nachdenken, aber auch zu einer gewissen Eile: «Museumsdirektor Mendes Bürgi und das Präsidialdepartement haben ein Jahr Zeit, etwas auszuhecken, das sollen sie nun tun.»

Dass aber das Museum einfach geschlossen werde, komme für ihn definitiv nicht infrage. Und er habe auch kein Verständnis dafür, dass man eine komplette Schliessung während der 13-monatigen Sanierung erst in den letzten Wochen öffentlich gemacht habe: «Es ist ein absoluter Skandal, dass einfach mitgeteilt wird, ‹das Museum geht zu› und es gibt kein Alternativprogramm.» Geld für ein solches Ersatz-Programm sei ausserdem auch vorhanden: «Es finden während der Schliessung im Museum keine Sonderausstellungen statt. Diese Mittel müssen nun kreativ genutzt werden.»

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