Heute Podiumsdiskussion

Weshalb Expats in Basel so schwer Anschluss finden

Zu Gast in Basel, um zu arbeiten: Viele Expats bleiben unter sich, weil sie bald wieder weiterziehen.

Zu Gast in Basel, um zu arbeiten: Viele Expats bleiben unter sich, weil sie bald wieder weiterziehen.

Wie fühlt es sich an, als Expat fremd zu arbeiten und zu leben? Und wie fühlt es sich an, als Expat in Basel zu leben? Diese Frage diskutiert die bz heute Abend mit vier Expertinnen aus Basel im Dekor von «Expats», im Hotel Dorint also.

Viele der beteiligten Theaterschaffenden am Stück «Expats. Eidgenossen in Schanghai» sind selbst Expats – in Basel nämlich. Eva Böhmer zum Beispiel. Die Dramaturgin Schauspiel am Theater Basel ist im Juli 2012 hierher gezogen. Am Anfang habe sie die geringe Grösse der Stadt erschreckt. «Aber Basel bietet erstaunlich viel für seine Kleinheit, das gibts in dieser Form in Deutschland nicht», meint Böhmer.

Persönlich findet Eva Böhmer die Vielseitigkeit der Stadt Basel schön. «Mir gefällt an Basel, dass die Stadt nicht einfach homogen ist.» Das Theater Basel habe versucht, mit Expats das Thema der Heterogenität, also der Uneinheitlichkeit und Verschiedenartigkeit aufzugreifen.

Schichten mischen sich schlecht

Heterogen ist Basel tatsächlich. Allerdings ist die Stadt im wörtlichen Sinne vielschichtig: Die vielen Schichten mischen sich manchmal schlecht. Das hat die Amerikanerin Kathy Hartmann-Campbell am eigenen Leib erfahren. Seit 31 Jahren lebt die einstige Expat jetzt in Basel. Obwohl sie gut Baseldeutsch spricht, hat ihr das keinen Zugang zu den Menschen in Basel gebracht. «Ich bewege mich in einem eher multinationalen Kreis von Menschen. Nicht aus Dünkel, sondern weil es sich so ergeben hat», meint sie. Die meisten Basler gewännen ihre Freunde vor dem 20. Altersjahr. Wer danach zuwandere, habe es schwer, einheimische Freunde zu finden.

Das bestätigt, aus ganz anderer Optik, auch Edibe Gölgeli, SP-Politikerin mit kurdisch-türkischen Wurzeln. Gölgeli, die im Basler Bürgergemeinderat politisiert, engagiert sich seit Jahren für die Integration von Migranten. Sie erlebt es immer wieder, dass Migranten es schwierig haben, Anschluss zu finden in Basel. Die Folge: Sie suchen Kontakt zu Gleichgesinnten.

An mangelnder Integration sind deshalb nicht die Zugewanderten schuld, sondern die «Eingeborenen», die Zugewanderte nicht eingliedern möchten. Zuwanderer, welche die Stadt Basel aus wirtschaftlichen Gründen gewählt haben, also bloss der Arbeit wegen hier sind, haben laut Gölgeli eher eine oberflächliche Verbindung zur Stadt. «Es gibt aber auch da mehr und mehr Menschen, die sagen, wir sind da zu Hause und wollen dazugehören», meint Gölgeli. «Da findet ein grosser Integrationsprozess statt.»

«Ich hasse den Ausdruck ‹Expats›»

Mitverantwortlich für diesen Prozess ist Nicole von Jacobs, die Integrationsbeauftragte des Kantons Basel-Stadt. Sie mag nicht von Expats sprechen: «Ich hasse dieses Wort», sagt sie. Das seien «qualifizierte, ausländische Fachkräfte», und die meisten seien keineswegs Nomaden, sondern wollten in Basel bleiben. Sie selbst ist dafür ein gutes Beispiel: Von Jacobs ist in Stuttgart geboren, arbeitet aber seit über 20 Jahren in Basel und lebt auch seit 10 Jahren hier. Sie findet, es stehe gar nicht so schlecht um den Integrationsprozess. Man müsse Amerikaner, die von einem Tag auf den anderen nach Basel versetzt werden, auch verstehen.

Podiumsdiskussion «Moderne Nomaden», heute um 19 Uhr, Hotel Dorint, mit Eva Böhmer, Kathy Hartmann-Campbell, Edibe Gölgeli und Nicole von Jacobs. Der Eintritt ist frei.

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