Uni Basel
Weshalb gibt es bei Biozentrum-Neubau erneut Verzögerungen? Ein Besuch auf der Baustelle

Eine einzelne Firma ist schuld an der Verzögerung, sagt der Kanton. Und begibt sich damit auf dünnes Eis.

Samuel Hufschmid
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Unübersichtliche Situation: Das neue Biozentrum an der Basler Spitalstrasse ist noch nicht ganz fertig. Martin Töngi/BZ-Archiv

Unübersichtliche Situation: Das neue Biozentrum an der Basler Spitalstrasse ist noch nicht ganz fertig. Martin Töngi/BZ-Archiv

Martin Toengi;Töngi Martin/ Foto

Die Stimmung auf der Biozentrum-Baustelle ist am Boden. Wie mehrere Bauarbeiter übereinstimmend berichten, kam es beim 328-Millionen-Bau auf dem Schällemätteli-Areal zu einer Aneinanderreihung von Fehlplanungen. Weil die Arbeiten schlecht aufeinander abgestimmt worden seien, sei viel Leerlauf entstanden.

Fehlerhafte Planung nannte auch der Kanton Basel-Stadt als Bauherr in seiner Medienmitteilung von Mittwoch als Grund für die mehrmonatige Verzögerung. Weil es sich um einen laufenden Versicherungsfall des Generalplaners b+p Baurealisation mit Sitz in Basel handelt, werden die konkreten Mängel im Bereich Sanitärplanung allerdings nicht genannt.

Umso erstaunlicher ist es, wie deutlich das zuständige Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) den vermeintlich Schuldigen nennt. «Häufige Personalwechsel und fehlende personelle Ressourcen bei dem vom Generalplaner beauftragten Sanitärplaner hatten unter anderem zu mangelhafter Abstimmung der Arbeiten geführt», steht in der Mitteilung. Das BVD bezieht sich dabei auf Informationen des Generalplaners, wie Sprecherin Nicole Stocker auf Anfrage bestätigt. «Wir wurden vom Generalplaner auf die Mängel sowie auf das Engagement eines Ersatz-Subunternehmers im Bereich Sanitärplanung hingewiesen. Bei der Übergabe hat der Ersatz-Subunternehmer die vom Generalplaner festgestellten Mängel bei der Planung bestätigt.»

Dass es gravierende Fehlplanungen im Sanitärbereich gegeben hat, bestätigt auch Christoph Tschumi, Verwaltungsdirektor der Universität Basel. «Soweit ich als Baukommissionsmitglied informiert bin, wurden beispielsweise falsch dimensionierte Leitungen und falsche Anschlüsse geplant. Die Mängel wurden sehr spät festgestellt, als schon Teile verbaut worden sind.»

Die bz hätte dazu gerne die direkt involvierten Firmen befragt, denn davon gibt es viele. Auf der Informationstafel bei der Baustelle sind 53 Unternehmen aufgelistet. Dort steht auch der Name der beschuldigten Firma: Pöyry Infra AG mit Sitz in Bern. Das Unternehmen will den Fall wegen der laufenden Diskussionen nicht kommentieren, verweist aber auf seine Erfahrung im Umgang mit Grossprojekten, beispielsweise beim Bau des Gotthard-Basistunnels.

Ausgeführt hat die Sanitärarbeiten im Umfang von 5,9 Millionen Franken ein Basler Sanitärunternehmen. Doch die Firma verwies für Auskünfte ebenso auf das BVD wie das Basler Planungsbüro, das für die Fachkoordination zuständig ist und damit vermutlich der erste Ansprechpartner des Sanitärplaners gewesen sein dürfte.

Bereits die zweite Verzögerung

Der ursprüngliche Bezugstermin vom September 2017 musste schon 2014 um ein Jahr verschoben werden – damals wegen einer Einsprache eines bei der Auftragsvergabe unterlegenen österreichischen Subunternehmers. Damals teilte das BVD mit, dass die Verzögerung zu Mehrkosten führen werde, die allerdings noch nicht beziffert werden könnten. Die am Mittwoch kommunizierte Verzögerung hingegen soll zu keinen Mehrkosten führen. «Zumindest zu keinen, die den Baukredit betreffen», präzisiert Stocker. Dies gelte auch für den ersten Fall, die damals nicht bezifferbaren Kosten würden die Uni betreffen, die das alte Biozentrum länger betreiben müsse.

Ein Weiterbetrieb ist auch jetzt eine der Konsequenzen – allerdings keine gravierende, wie Tschumi sagt. «Die Verzögerungen könnten allerdings Auswirkungen auf weitere Bauprojekte haben, weil die ganze Überbauung in Etappen abläuft. Beim Biomedizin-Neubau werden sich die Zeitpläne möglicherweise nach hinten verschieben, weil dieses Gebäude dort gebaut wird, wo aktuell das Biozentrum steht.» Jede weitere Verzögerung beim Biozentrum-Neubau hätte hingegen definitiv negative Einflüsse auf die Uni, «dazu darf es auf keinen Fall kommen».