Jubiläum

Weshalb Michel Schaer vor 30 Jahren die Schaer Pharma gründete und wie er seine Nachfolge einfädelt

Michel Schaer jubiliert mit seinem Familienbetrieb.

Schaer Pharma aus Itingen feiert das 30-jährige Bestehen. Wer ist diese Firma? Was genau produziert sie? Wer steckt dahinter? Wie lebt es sich als kleines Unternehmen in der Region Basel mit Pharmariesen? Ein Interview mit Michel Schaer, dem Gründer, Inhaber und Geschäftsführer.

Michel Schaer hat aus der Not eine Tugend gemacht. Daraus ist ein Familienunternehmen geworden, das heute rund 40 Leute beschäftigt und mit seinen Produkten in über 50 Ländern vertreten ist: die Schaer Pharma mit Sitz in Itingen.

Als Schaers Schwiegervater arbeitslos wurde, wollte er ihn aus dieser misslichen Lage befreien. «Ich hatte Bedauern mit ihm.» Die beiden sahen zufällig einen Vertreter, der Apotheker und Drogerien besuchte. Michel Schaer sagte zu seinem Schwiegervater: «Das wäre doch auch etwas für dich.» Daraufhin gründete der diplomierte Drogist mit Marketingausbildung für ihn 1989 in Rothrist eine Firma, aber nicht in der Absicht, dass einmal ein mittelständischer oder grosser Betrieb entsteht. Der heute 62-jährige Schaer wollte seinem Schwiegervater bloss einen Job geben.

Neues Domizil ergab sich aus einem Zufall

Der Anfang war «sehr mühsam». Der Schwiegervater ging auf Reisen, in dessen Einfamilienhaus war das kleine und übersichtliche Lager untergebracht. Später übernahm Michel Schaer als Nebenbeschäftigung das Marketing. Seine Familie führte lange Zeit Apotheken und Drogerien in Basel. Schaers Frau ist Augenärztin mit eigener Praxis. «Wenn es nicht ganz reichte, konnten wir uns gegenseitig unterstützen, was sehr hilfreich war», erzählt der Gründer, Inhaber und Geschäftsführer der Schaer Pharma.

Vor zehn Jahren verlegte das Familienunternehmen sein Domizil von Basel nach Itingen. Damals standen 17 Angestellte auf der Lohnliste. Dieser Standort war Zufall. Michel Schaer wollte in der Nähe seines Wohnorts im Oberbaselbiet etwas realisieren. Von Bubendorf und Hölstein erhielt er Absagen, weil damals in diesen Gemeinden kein Land zur Verfügung stand. «An einem Familientisch sass der damalige Gemeindepräsident von Itingen und sicherte uns Unterstützung zu», blickt der Patron zurück. Es folgte eine Landumlegung, alles wurde rasch vorangetrieben.

Die Schaer Pharma entwickelt und stellt Arzneimittel, Medizinprodukte, Nahrungsergänzungsmittel sowie Erzeugnisse für Kosmetik und Gesundheitsförderung her. In der Region Basel, wo die Pharma-Multis Novartis und Roche diese Branche dominieren, füllt das Itinger Unternehmen Nischen aus. Es ist führend im Vaginalpflegesektor sowie in der Hautpflege mit Leucen-Zugsalbe und Essigsaurer Tonerde. Mit Produkten von Kräuterpfarrer Künzle gibt es sich naturnah.

Die Baselbieter haben Tochterfirmen in Deutschland und England, auch ein Joint Venture in China. Der Familienbetrieb gibt keine Umsatz- und Gewinnzahlen bekannt. Der wichtigste Absatzmarkt ist die Schweiz mit 65 Prozent, den grössten Anteil beim Export machen Europa und der Nahe Osten aus.

Anlässlich des 30-jährigen Bestehens lud Schaer Pharma die Öffentlichkeit im August zu einem Tag der offenen Tür ein. Diese Woche führte sie im Bad Bubendorf eine dreitägige Konferenz mit all ihren Geschäftspartnern und Kunden durch, die sie weltweit hat. Diese decken ein breites Spektrum ab. In der Schweiz sind das Grossisten von Apotheken und Drogerien, Migros, Coop und Volg. Auch Spitäler und psychiatrische Kliniken sowie medizinisch orientierte Betriebe zählen dazu.

Patron Schaer lobt den Kanton

Michel Schaer beurteilt – im Gegensatz zu einigen hiesigen Unternehmen – die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Baselbiet als «exzellent». Dies habe er Kantonsvertretern, die der Firma ihre Reverenz erwiesen, auch so kommuniziert. Darunter befand sich Regierungsrat Thomas Weber. Schaer steht ebenfalls im Austausch mit der Standortförderung. Mit einem Vertreter reist der demnächst nach China, um dort Geschäftspartner aufzusuchen und neue Kontakte für Kooperationen zu knüpfen.

Neben Michael Schaer wirken mit einem Sohn und einem Bruder derzeit zwei weitere Familienmitglieder im Betrieb. Der zweite Sohn wird nach dem Studium in einem Jahr eintreten. Schaer beabsichtigt, die Geschicke in die Hände der nächsten Generation zu legen. «Es braucht aber noch fünf, sechs Jahre, bis meine Söhne in der Lage sein werden, die Firma zu leiten», betont der Chef. Die komplizierten Märkte im Ausland und die komplexe Gesetzgebung in der Schweiz müsse man zuerst kennenlernen. «Es gibt viele Hürden, die einem gestellt werden.»

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