Sommerabend am Rhein. Heiss brutzelt die Wurst auf dem Grill, kühl steht das Bier daneben – und nervös schwirrt sie heran, die Wespe, lässt sich auf Essen und Trinken nieder und verursacht nicht selten plötzliche Schweissausbrüche. Heuer scheinen es besonders viele zu sein, hat man das Gefühl – und dieses trügt offenbar nicht: «Diesen Sommer hat es in Basel vielleicht zwanzig- bis fünfzigmal mehr Wespen als im vergangenen Jahr», sagt Bruno Baur, Professor am Basler Institut für Natur-, Landschafts- und Umweltschutz.

Schuld daran ist das Wetter – so würden die Wespen gemäss Baur von den heissen Temperaturen und den wenigen Niederschlägen profitieren. Die Konsequenz davon: «Wenn es plötzlich mehr Wespen gibt, wird ihr Futter knapp. Sie gehen dann aggressiver auf Nahrungssuche und erscheinen den Leuten als sehr lästig», sagt Baur.

Des einen Leid...

«Die Viecher entwickeln sich ganz zu unserer Freude», sagt hingegen Frank Baumann von Anticimex. Seine Schädlingsbekämpfungsfirma entfernt seit Anfang Juli pro Woche schweizweit jeweils «durchschnittlich hundert Wespennester», wie er sagt. Zunächst prüfe man, ob das Nest wirklich weg müsse. «Wenn es weit weg von Sitzplätzen oder Kinderzimmern hängt, lassen wir es manchmal auch hängen.» Ansonsten macht man offenbar kurzen Prozess und tötet das Wespenvolk mit Insektizid. «Umsiedlungen machen wir nicht», sagt Baumann.

Das gleiche Vorgehen hat auch die Basler Feuerwehr. Sie kümmert sich von Behördenseite her um Wespennester in der Stadt. «Während wir Bienen einem Imker übergeben können, ist das mit Wespen nicht möglich. Deshalb werden die Nester vernichtet», sagt Martin Schütz, Mediensprecher des Sicherheitsdepartements. Er betont jedoch, dass Wespen entgegen der gängigen Meinung wichtig für das Ökosystem sind. Dies bestätigt auch Biologie-Professor Baur: «Sie regulieren den Bestand anderer Insekten und sorgen dafür, dass sich gewisse Arten nicht plötzlich explosionsartig vermehren.

Ruhig bleiben – und Falle bauen

Frank Baumann rät derweil, bei einem plötzlichen Wespenangriff am Grillabend möglichst ruhig zu bleiben – und eine Falle zu bauen. Und das geht so: «Schneiden Sie von einer Pet-Flasche den oberen Drittel weg, füllen Sie den unteren Teil mit Sirup und einigen Tropfen Spülmittel, und legen Sie den oberen Teil umgekehrt wieder drauf.»

Sollte es dennoch zu einem Stich kommen, hilft die Kühlung der Stelle gegen den Schmerz, sagt Oliver Brandt, Oberarzt und Allergie-Experte am Basler Unispital. «Gegen das Gift helfen Kortisoncreme oder Antihistaminika.» Sobald eine Schwellung einen Durchmesser von mehr als zehn Zentimetern aufweist, könnte es sich um eine Allergie handeln, sagt Brandt. Eine solche sei oft von Atemnot, Schluckbeschwerden, Schwindel oder Übelkeit begleitet. Hier hilft nur der Gang ins Spital.

Allergiker müssen sich indes vorsehen: «Die Wespen stehen auf der Gewinnerseite der Klimaerwärmung», sagt Biologie-Professor Baur. «Sie haben einen klaren Vorteil, wenn es wärmer und trockener wird.» Unter diesen Umständen hilft am Grillabend nur eines: Der Sprung in den Rhein.