Alain Girny ist erbost. Der Präsident des Elsässer Zweckverbands Saint-Louis Agglomération, der für öV zuständig ist, sagt zur «Schweiz am Wochenende»: «Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) haben einen Vertrag mit uns unterzeichnet und ihre Entscheidung, den Trambetrieb nach Saint-Louis ab 20 Uhr einzustellen, getroffen, ohne uns zu konsultieren.» Er habe dies aus den Medien erfahren. «So kann man nicht miteinander umgehen.»

Attacken mit Laserpointern

Die BVB haben am Donnerstag mitgeteilt, die Strecke zwischen Burgfelderhof und Bahnhof Saint-Louis bis auf weiteres zwischen 20 Uhr und Betriebsschluss aus Sicherheitsgründen nicht mehr zu bedienen. Eine Wagenführerin war bei einem Angriff mit einem Laserpointer verletzt worden. In den vergangen zwei Wochen kam es laut BVB zu fünf Attacken mit Laserpointern.

Unterstützung erhält Girny vom Basler Basta-Grossrat Beat Leuthardt, der selber bei den BVB als Tram-Chauffeur arbeitet. In einer Interpellation verweist er darauf, dass es unter anderem im Kleinbasel schon Laserattacken gab und auch Steinwürfe. Immer mal wieder komme es auf dem BVB- und dem BLT-Netz zu schwierigen Vorfällen. «Dennoch käme die Regierung sicherlich nicht zum Schluss, der Betrieb auf Schweizer Seite sei im Spätbetrieb oder überhaupt einzustellen.»

Leuthardt sieht die Regierung als Eignerin in der Pflicht und fordert, dass sie die «latent Frankreich-feindliche Stimmung bekämpft und denunziert». Um den Regio-Gedanken zu schützen, sei das «kostbare Grenztramdossier» dem zuständigen Regierungsrat Hans-Peter Wessels zu entziehen.

Girny bewertet das Verhalten der BVB als Vertragsbruch: «Das ist total daneben. Sie können so etwas nicht alleine entscheiden, ohne sich mit uns abzusprechen.»

Die BVB wehren sich: «Fakt ist, dass die BVB in ständigem Austausch mit den zuständigen französischen Behörden stehen – auch bezüglich der Vorfälle der vergangenen Wochen.» Für den Unterbruch ab 20 Uhr habe sie sich entschieden, weil die Sicherheit des Personals und der Fahrgäste auf dem betroffenen Abschnitt nicht mehr gewährleistet sei. «Diese Möglichkeit ist im betreffenden Vertrag auch so festgehalten.»

Girny ist sich der Probleme mit den Übergriffen durchaus bewusst und wehrt sich nicht prinzipiell gegen die Entscheidung der BVB. «Wir und die Polizei sind an dem Thema dran. Es handelt sich um eine kleine Gruppe von zehn Jugendlichen um den Place Mermoz, die auch im Quartier für Probleme sorgt.» Die Polizei sei zwischen 20 Uhr und Mitternacht regelmässig mit Streifen vor Ort. «Weitere Massnahmen sind in Planung.» Nach der französischen Gesetzgebung könne die Polizei die Jugendlichen aber nicht einfach verhaften. Er verweist darauf, dass es ähnliche Probleme in Strassburg und Mulhouse, aber auch in der Schweiz gebe. «In Basel mögen sie allerdings weniger gross sein.»

Laut der Zeitung «l'Alsace» spricht sich Saint-Louis dafür aus, zur Überwachung Videokameras einzusetzen.

Verständnis für die BVB

Das zuständige Bau- und Verkehrsdepartement (BVD), das Wessels untersteht, will die Kritik aus dem Elsass nicht kommentieren und teilt lediglich mit: «Das BVD hat Verständnis für die Entscheidung der BVB und begrüsst sie. Die Sicherheit von Fahrpersonal und Fahrgästen geht vor. »

Girny traf sich am Freitagvormittag mit den Verantwortlichen der BVB. Deren Medienstelle teilte dazu lediglich mit: «Das Treffen hat in partnerschaftlicher Atmosphäre stattgefunden und es fand ein intensiver Austausch statt.» Südelsässischer Zweckverband und BVB würden informieren, sobald Entscheide spruchreif seien. Der Bahnhof Saint-Louis ist also vorerst am Abend mit dem Tram nicht zu erreichen.