«Wild West Basel» heisst das Motto des diesjährigen Mimösli. Den rauchenden Colt erhält vor allem Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels vor die Brust gesetzt. Seine Millionenzahlung ans Elsass und der Abbau von Parkplätzen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Rahmenstückli.

Höhepunkt ist die «Wessels Tram Company»: Wessels (hervorragend: Maik van Epple) reitet auf seinem Esel zum elsässischen Stammeshäuptling (Häbse) und macht ihm die «grünen Donnervögel» schmackhaft. Als Gegenleistung gibt es eine Million und einen grossen Stall für die Pferde. Als ein Journalist auf der Suche nach seinem Hund auf Wessels und die Indianer trifft, fliegt die Geschichte auf.

In «Sattelfescht und nid Wild Wescht» werden die Velofahrer zur Kasse gebeten, die beim Verkehrspolizisten (Dani von Wattenwyl) nachsitzen müssen. Auch ein Opfer, ein Autofahrer (Carlos Amstutz), darf von seinen Peinigungen berichten. Ironischerweise besteht einzig der Velokurier (dominant: Michael Eckerle) den Kurs – seine Auszeichnung: ein Organspendeausweis.

Auch bei der Eröffnung des «Wild West Saloon» kämpfen die Darsteller mit dem Veloständer des Regierungsrates. «Am Basler Stadtlauf» wird der grassierende Fitnesswahn auf die Schippe genommen. Witzig sind die Laiendarsteller, die immer wieder durch das Publikum joggen. Ganz aktuell sind nur die in Versform gegossenen Sprüche am «Apéro im Hof vom Roothuus».

Frau Meier mit Hundeli im Gundeli

Die Spezialisten für Verse sind ebenfalls in guter Form: «S Bangg-Ghaimnis» verteidigt melodiös unter anderem die «Mohrenköpfe». «S spitzig Ryssblei» beherrscht immer noch die Kunst unerwartete Wendungen und Pointen zu bringen. Auch Frau Meier macht dieses Jahr wieder «mit ihrem Hundeli e Rundeli im Gundeli».

Wer die musikalische Seite der Fasnacht liebt, kommt auf seine Kosten. Die Horburgschlurbi liefern zwei sauber vorgetragene Stücke ab, während die Dame unter dem Tambourmajor-Kostüm ihren Fitnessparcours abspult. Schlegel leuchten, Lichter blinken an den Trommeln und Kostümen und das Auge kann die einzelnen Schläge und Wirbel gar nicht mehr mitverfolgen: «Stickstoff» nennen sich die Trommelvirtuosen. Sie beweisen, dass unter anderen Michael Jackson mit Trommelklängen sehr gut tönt.

«piccognito» überzeugt

Die heimlichen Gewinner dieses Mimöslis sind aber «piccognito»: Die Pfeiferinnen und Pfeifer brillieren in allen Variationen. Ob zusammen mit Stickstoff, den «Forellen» oder Suzanne Klee zeigen sie, was einem Piccolo entlockt werden kann. In der Solonummer brillieren sie hinter Noten, die als Smileys leuchten.

Die «Forellen», ein Quartett mit Henryk Polus, dem pensionierten Chordirektor des Theater Basel, liefern sich mit «piccognito» einen Schlagabtausch – neudeutsch «battle». «Mues das Änglisch sy?», monieren die Piccolo-Spielerinnen und -Spieler, als die Forellen in eben dieser Sprache zum Gesang ansetzt. Nein, muss nicht. Über «mein kleiner grüner Kaktus» geht es zum «Baseldytsch». Höhepunkt ist die Chorsängerin, die zum Piccolo greift und zeigt, dass auch gestandene Sängerinnen Fasnachtsmärsche beherrschen.

Das Publikum war begeistert und forderte «Forellen» und «piccognito» zur Zugabe auf. Zum Schluss zeigt noch der Stargast, Country-Lady Suzanne Klee, wie sich Country mit Fasnacht mischen lässt. Ein gelungenes Experiment, das von Klees Gesang und Austrahlung sowie «piccognito» lebt. Nur die Tonmischung zwischen Gitarre und Piccolo muss noch optimiert werden. Doch wenn dies das einzig störende Element ist, kann sich «Häbse» wieder ein gelungenes Mimösli verbuchen lassen.