Kunstmuseum

Wie teuer ist dieser Erweiterungsbau? Wessels schweigt immer noch beharrlich

Gross war der Andrang, als der Museums-Erweiterungsbau im April 2016 eröffnet worden ist. Abgeschlossen aber ist das Projekt bis heute nicht.Roland Schmid

Gross war der Andrang, als der Museums-Erweiterungsbau im April 2016 eröffnet worden ist. Abgeschlossen aber ist das Projekt bis heute nicht.Roland Schmid

Auch drei Jahre nach Eröffnung ist unklar, wie viel der Erweiterungsbau kostet. Bis jetzt liegt keine genaue Bauabrechnung vor. Budgetiert waren 100 Millionen Franken. Aus dem Grossen Rat hagelt es nun Kritik.

Auf den Tag genau drei Jahre sind vergangen, seit das erweiterte Basler Kunstmuseum mit Pauken und Trompeten eröffnet worden ist. Als Leuchtturm für alle Kunstfans wurde es gepriesen. Selbst Kulturminister Alain Berset liess es sich nicht nehmen, für die Feier nach Basel zu reisen. Die Architektur sei selber ein Kunststück, lobte der SP-Bundesrat in den höchsten Tönen.

Doch: Noch immer ist unklar, wie viel der Prachtbau den Steuerzahler tatsächlich kostet. Die definitive Bauabrechnung liegt bis heute nicht vor. «Das ist unglaublich», findet FDP-Kulturpolitiker Stephan Mumenthaler. Die Endabrechnung sei längst überfällig. «Der Staat ist ja nicht der schnellste, aber das wirkt merkwürdig.» Dieser Meinung ist auch LDP-Grossrat Jeremy Stephenson. «Architekten und Baufirmen dürften schon lange ausbezahlt worden sein», vermutet der Präsident der Bau- und Raumplanungskommission, «entsprechend sollte auch die definitive Bauabrechnung vorliegen.»

Mehrkosten zeichneten sich ab

100 Millionen Franken waren für den Erweiterungsbau Burghof des Kunstmuseums budgetiert. Die eine Hälfte steuerte die Laurenz-Stiftung der Roche-Erbin und Mäzenin Maja Oeri bei, die andere Hälfte übernahm der Kanton. Bereits gegen Ende der Bauphase aber zeichnete sich ab, dass der markante Kubus der Architekten Christ & Gantenbein das Budget sprengen könnte. Weil der Zeitplan vor der Eröffnung eng wurde, waren Zusatzschichten einzulegen. Gleichzeitig musste der Generalplaner wegen Überbelastung kürzertreten, was den Zeitplan ebenfalls ins Trudeln brachte. Schon 2016 kam sowohl bei der Finanz- als auch bei der Bildungs- und Kulturkommission der Verdacht auf, dass das Budget überschritten werden könnte.

Und tatsächlich veröffentlichte das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) bereits Ende 2016 erste Zahlen. Damals kam die Verwaltung zum Schluss, dass der Erweiterungsbau voraussichtlich rund 3,7 Millionen Franken teurer wird als ursprünglich budgetiert. Die Bauabrechnung sei fast abgeschlossen; nur ein Vertrag sei noch nicht abgerechnet. Grund dafür seien Probleme bei Dachaufbauten gewesen, wo Kondenswasser in Einhausungen technischer Einrichtungen festgestellt worden waren. Ursache, Verantwortlichkeit und Kostenübernahme waren zu klären. Dann sollte die definitive Bauabrechnung vorliegen. Doch seither war nichts mehr zu hören.

Departement schweigt sich aus

Und das scheint sich vorerst auch nicht zu ändern. Das Baudepartement von SP-Regierungsrat Hans-Peter Wessels lässt sämtliche Fragen der bz unbeantwortet. Dass Verzögerungen vorliegen, aber erscheint offensichtlich. So hatte das Departement zwar bereits im Herbst 2016 betont, dass die Abschlussrechnung eines solchen Grossprojekts immer mit viel Aufwand und Verhandlungen verbunden sei. Damals aber war die Rede davon, «dass Schlussabrechnungen erst ein Jahr nach Bauabschluss oder später erstellt werden können». Mittlerweile sind es drei Jahre.

Der Grosse Rat gibt sich damit nicht zufrieden. «Das Ganze ist schon sehr speziell. Da scheint irgendetwas nicht zu stimmen», kommentiert SVP-Grossrat Joël Thüring. Die Geschäftsprüfungskommission werde sich mit dem Thema im Rahmen ihres Jahresberichts befassen. «Es zeigt sich einmal mehr, dass das BVD immer wieder Geschäfte nicht im Griff hat.»

Auch Oswald Inglin wird das Gefühl nicht los, dass irgendetwas nicht stimmt. «Das Projekt scheint generell etwas belastet zu sein. Das hat sich schon bei den Betriebskosten gezeigt, die nachträglich erhöht werden mussten», sagt der Präsident der Bildungs- und Kulturkommission. Ähnlich sieht das seine Kommissionskollegin Franziska Reinhard. «Wir werden wegen der Endabrechnung immer wieder vertröstet», sagt die SP-Grossrätin. «Das alles ist irritierend und nicht sehr vertrauensbildend.»

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Autor

Daniel Ballmer

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