Spitzenmedizin

Wettbewerb zwingt Basler Unispital zu hohen Investitionen

Das Basler Unispital investiert: Im Frühling wurde ein Kernspintomograf eingebaut.

Das Basler Unispital investiert: Im Frühling wurde ein Kernspintomograf eingebaut.

Das neue Krankenversicherungsgesetz fördert den Konkurrenzkampf. Auch das Basler Unispital investiert mehr in die Infrastruktur. Die Erweiterung des Operationstrakts Ost kostete im Jahr 2012 224 Millionen. Das Klinikum 2 wird das Budget ab 2015 belasten.

Seit das Schweizer Krankenversicherungsgesetz Anfang 2012 revidiert wurde, sind die Spitäler bemüht, den Mief der alten Trakte loszuwerden. Denn wo früher Globalbeiträge aus den Kantonskassen für ausgeglichene Budgets sorgten, müssen die Krankenhäuser heute selber für die schwarze Null sorgen. Die Jagd auf den Kunden hat schweizweit zu einer Konkurrenzverschärfung geführt, der sich auch das Basler Universitätsspital (USB) nicht entziehen kann.

Das USB hat zwar, was die Hochspezialisierte Medizin angeht, in der Region kaum Konkurrenz. Doch gerade hier ist die regionale Monopolstellung nur bedingt von Bedeutung: Schliesslich entscheidet ein Gremium von zehn kantonalen Gesundheitsdirektoren, welche der hoch spezialisierten Leistungen in welchem Spital angeboten werden dürfen. Die Unispitäler stehen unter Druck: Wollen sie diese – mehr aus Prestigegründen denn aus finanziellen Überlegungen – wichtigen Leistungen zugeteilt bekommen, müssen sie hohe Fallzahlen präsentieren. Gemäss der Interkantonalen Vereinbarung der Hochspezialisierten Medizin (IVHSM) ist die Anzahl der Fälle ein Hauptkriterium.

Sämtliche Spitäler rüsten auf

Ein Blick auf die Bauinvestitionen der Basler Konkurrenten (siehe unten) lässt erahnen, wohin die Tendenz geht: In Zürich sind die Ausgaben seit der Umwandlung in eine öffentlich-rechtliche Anstalt 2007 jährlich gestiegen. Gerade erst wurde das Herzzentrum mit 120 Betten eingeweiht. Genf hat soeben den Spatenstich zur letzten Erweiterung seiner Frauenklinik gesetzt – 2016 wird das Genfer Unispital somit in dieser Sparte wieder die Nummer eins der Schweiz sein. Das Inselspital in Bern setzt auf Herz- und Gefässmedizin: Das Zentrum, das bis 2020 gebaut werden soll, lässt sich das Spital gleich 440 Millionen Franken kosten. Das beeindruckte die IVHSM: Das Inselspital hat zusammen mit Lausanne und Zürich den Zuschlag für Herztransplantationen bekommen.

Das USB kann sich der Entwicklung nicht widersetzen. Schon im Jahr der Verselbstständigung 2012 schlugen die Investitionen mit 224 Millionen Franken zu Buche, zurückzuführen primär auf die Erweiterung des Operationstrakts Ost. Dieses Bauprojekt hatte der Kanton in Angriff genommen und wurde mit der Verselbstständigung dem USB übergeben, das nun die Refinanzierung sicherstellen muss. Die Gesamtinvestitionen für das laufende und nächste Jahr halten sich in Grenzen. Geplant sind Investitionen von jährlich etwas über 40 Millionen Franken. «Wir sparen, vereinfacht gesagt, für das nächste grosse Projekt», sagt USB-Mediensprecher Martin Jordan. Die Rede ist von der Gesamterneuerung des viel diskutierten Klinikums 2, was die Budgets ab 2015 belasten wird. «Unbestritten: Es gibt seit der KVG-Revision eine Tendenz hin zu höheren Investitionen», sagt Jordan. Das zeigten etwa die Ausgaben in der Medizintechnik. «Vorher gab das Unispital im Schnitt zwölf Millionen Franken für neue Apparaturen aus – jetzt sind es rund 20 Millionen.»

Im Kampf um den Platz an der Sonne haben sich die Spitäler langfristige Strategien zurechtgelegt: Nach wie vor bestehe im Berner Inselspital «grosser Nachholbedarf», wie Sprecherin Daniela Svoboda sagt. «Wir haben einen Masterplan erstellt, der die Entwicklung des Spitalareals für die nächsten 50 Jahre stadtplanerisch und baurechtlich sichert.» Die Genfer Baustrategie sieht einen schrittweisen Ausbau bis 2020 vor. Und die Zürcher Regierung hat 2011 – vier Jahre nach der Verselbstständigung – entschieden, dass das im Stadtzentrum gelegene Unispital gesamterneuert wird. Die Spitäler klotzen statt kleckern, um im Konkurrenzkampf zu bestehen.

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