Am Ende war es deutlich: 60,9 Prozent der Basler Stimmbevölkerung sagt Ja zum Ratschlag für die Entwicklung des Lysbüchel-Areals. Auf dem Gebiet nahe der französischen Grenze sind die Voraussetzungen nun gegeben, dass schon bald neuer Wohn- und Gewerberaum gebaut werden kann. Einer der Abstimmungssieger ist SP-Regierungsrat und Baudirektor Hans-Peter Wessels. Er habe auf ein deutliches Ja gehofft. «Das war wohl die wichtigste Abstimmung in dieser Legislatur», sagt Wessels gegenüber der bz. Er sprach zudem davon, dass der Gewerbeverband mit Schreckensbilder gegen Volta Nord Stimmung gemacht habe. Die Bevölkerung habe dies aber glücklicherweise durchschaut und zukunftsgerichtet entschieden.

Bei den Abstimmungsverlierern, dem Gewerbeverband sah die Gemütslage gestern ganz anders aus. Direktor Gabriel Barell sprach von einer David gegen Goliath-Situation. Man dürfe nicht vergessen, dass die SBB als zweitgrösster Immobilienkonzern der Schweiz entsprechende Möglichkeiten hatte, um «Propaganda zu machen», sagte Barell.

Er strich zudem heraus, dass wohl vor allem die Aussicht auf günstigen Wohnraum den Ausschlag für das Ja gegeben habe. «Wir werden nun ganz genau hinschauen, dass wirklich auch günstiger Wohnraum entsteht», sagt Barell. Auch wolle man nun eine Gesamtplanung für den Erhalt von Gewerbefläche angehen. «Es muss in der Stadt auch Platz haben für emissionsstarkes Gewerbe.» Barell zeigte sich über den Ausgang der Abstimmung enttäuscht. Überrascht sei er aber nicht.

Ein Ja zur Stadtentwicklung

Dass die SBB als Grundeigentümerin in den Abstimmungskampf eingegriffen habe, sei legitim, sagt Wessels. Diese hätten im Fall von Volta Nord auch mit den Zielen der Regierung übereingestimmt. Es sei indes klar, dass es günstigen Wohnraum geben werde auf dem Lysbüchel-Areal. Einerseits ist eine Quote von 30 Prozent an gemeinnützigen Wohnungen festgeschrieben. Andererseits sei der Ort auch gar nicht geeignet für teuren Wohnraum, sagt Wessels. «Das Areal befindet sich weder am Rheinbord noch auf einem Hügel mit entsprechender Aussicht.» Deshalb gebe es gar keinen Markt für teure Wohnungen.

Barell warnt am Sonntag davor, dass mit dem Entscheid das Gewerbe einen noch schwereren Stand haben werde in der Stadt. Entsprechend würde die Wege länger werden, wenn die Firmen die Stadt verlassen. Der Verkehr zunehmen. Diesem Argument widerspricht Wessels. «Der Verkehr kommt von den Pendlern, die in die Stadt kommen, um hier zu arbeiten.»
Wie schnell es nun weitergeht auf dem Areal, steht noch nicht zu fest. Klar ist bereits, dass das angedachte Schulhaus schon bald gebaut werden wird. Ebenso werde die Planung für die Grünfläche neben dem Schulhaus an die Hand genommen, sagte Wessels. Auf dem benachbarten Grundstück der Stiftung Habitat geht es auch bereits im nächsten Jahr mit dem Bau von neuen Bauten los. Wann allerdings die ersten Wohnungen auf dem Lysbüchel-Areal bezugsfertig sind, steht noch in den Sternen.

Die Grünen Basel-Stadt bezeichneten in einer ersten Reaktion das Ja als Signal für die Planung der weiteren Transformationsareale. Dort müsste den dringend benötigten Wohnraum, zusätzliche Wirtschaftsflächen und gesicherte Naturschutzflächen geschaffen werden. Für Baudirektor Wessels ist denn auch klar: «Das Ja ist ein klares Zeichen für die Stadtentwicklung.»