Corona-Virus

Wider die Büchsenraviol: Heimlieferservice als Rettung?

Die Not macht erfinderisch.

Die Not macht erfinderisch.

Verschiedenste Gastronomen aus der Region versuchen es mit diesem Angebot.

Die Bilder werden für immer ins Gedächtnis eingebrannt sein: Einkaufswagen voller WC-Papier, die Regale, wo sich sonst Büchsenravioli und weisse Bohnen stauen, ratzeputz leer. In Zeiten der Corona-Krise  scheint die Gourmet-Ader der Schweizer vollends zu verkümmern. «Essen werden diese Vorräte wohl die wenigsten, ausser im äussersten Notfall. Weil es schlichtweg nicht schmeckt», sagt Natalie Kaden. Ihr Name dürfte vielen Feinschmeckern in der Region ein Begriff sein: Bis 2018 führte sie unter dem Namen So’up diverse Suppenbars in Basel. Nach der Schliessung baute sie ein Cateringunternehmen auf. Die Corona-Krise beschert nun auch ihr eine wirtschaftlich schwierige Situation; sämtliche Apéros, die sie zu verköstigen plante, wurden annulliert. 

Literweise Suppen, «Drive through» beim Restaurant Krone

Aus der Not heraus hat Kaden jetzt eine Idee umgesetzt, die sie schon lange im Kopf hatte. Seit Tagen steht sie in der Küche, bei der sie eingemietet ist, bereitet literweise Rindsknochenbrühe mit Gemüse, Hühnersuppe mit Rüebli und Kartoffeln sowie eine vegane Version mit Kichererbsen zu und füllt diese in Weck-Gläser ab. Seit gestern können diese gesunden «Not-Suppen», wie sie Kaden nennt, unter
info@so-up.ch bestellt werden. Diese werden in der Folgewoche geliefert. Ein Glas à 4 dl kostet zwischen 11 und 12.50 Franken. «Eine volle Mahlzeit, die satt macht und reich an Vitaminen ist. Viel besser als Büchsenravioli», sagt Kaden. Die Suppen seien bis zu sechs Monate ungekühlt haltbar. Ob Kaden mit diesem neuen Angebot überleben kann, ob überhaupt eine Nachfrage nach den lokal produzierten Suppen da ist, wagt sie nicht abzuschätzen. «Aber ich muss es zumindest versuchen. Ich bin ein Einzelbetrieb und habe keine Mitarbeiter. Bei anderen Gastronomen ist die Situation viel tragischer und komplizierter», sagt sie. 

Natalie Kaden ist nur eine von vielen, sehr vielen Gastronomen, die nun mit Heimlieferservice versuchen, die Einnahmeverluste durch die Corona-Krise wenigstens ein Stück weit wett zu machen und die Mitarbeiter weiterhin zu beschäftigen. So bietet etwa Pia Elia, Wirtin der Spalenburg in Basel, bereits seit vergangener Woche den Heimlieferservice «Flying Tapas» für ihre spanischen Spezialitäten an. Die Krone in Weil wiederum zeigt sich besonders innovativ und bietet den deutschen Nachbarn einen «Drive-through» an: Die Gerichte können vom Auto aus bestellt und gleich mitgenommen werden – wie bei McDonalds. Und sogar Bars wie das Renée beim Klingeli reagieren: Der neue Delivery-Service bringt Champagner, Weine und Cocktails nach Hause. «Man sollte auch den Ausnahmezustand zelebrieren können», sagt Inhaber Patrick Wermelinger. Neuerdings besteht zudem der Verbund heimbestellen.ch, ein Zusammenschluss regionaler Unternehmen aus der Nordwestschweiz, der Lebensmittel und Hygieneartikel nach Hause liefert. 

Der Heimlieferservice eignet sich nicht für alle

Für viele Restaurants in der Region ist die Option Home Delivery allerdings kein Thema. Maurus Ebneter vom Basler Wirteverband sagt dazu: «Es kommt auf das Angebot und die Infrastruktur des jeweiligen Betriebs an. Ein Cordon bleu mit Pommes frites beispielsweise eignet sich nicht für die Heimlieferung.» Der Wirteverband begrüsse es aber, wenn Restaurants diese Möglichkeit zumindest prüfen würden und damit nicht zu 100 Prozent auf Kurzarbeit angewiesen seien (bz von gestern). 

Die Büchsenravioli-Problematik auf den Plan gerufen hat übrigens auch die Köche von «Squadra Violi», die sich nicht nur unter Basler Hipstern einen Namen mit ihren Ravioli gemacht haben (im Pop-Up-Restaurant Milan an der Hammerstrasse im vergangenen Jahr). Ab sofort sind sie als «Cantina Quarantena» aktiv und liefern die tiefgefrorenen, hausgemachten Ravioli nach Hause, die unter squadravioli.com bestellt werden können. 

Die Not, sie macht erfinderisch. Und sie schmeckt definitiv  besser als Büchsenravioli. 

Meistgesehen

Artboard 1