Roland Vögtli hat viel erreicht in seinem Leben. Der Berufskleinbasler mit Wohnsitz Bruderholz führt ein Modegeschäft, gründete das Claramattenfest, sass bis 2015 im Grossen Rat und schrieb zwei Autobiografien («Morgen ist auch noch ein Tag», «Black Mamba»). Bei seinem Rücktritt aus dem Kantonsparlament zitierte er Udo Jürgens. Er sei jetzt 66, sagte Vögtli damals. Das Leben fange erst an. Ihm glaubte man das sofort.

Was nur wenige wissen: Roland Vögtli besitzt auch einen hübschen Titel. Er darf sich Dr. h. c. nennen, Doktor honoris causa, Ehrendoktor. Wie der Name schon sagt, erhalten die Träger des «h. c.» die Auszeichnung für ehrenvolle Verdienste. In Roland Vögtlis Fall bestand das Ehrenvolle darin, einem Kinderheim mehrere Tausend Franken überwiesen zu haben.

Mit eigenen Augen gesehen hat er dieses Kinderheim aber nicht, wie er auf Anfrage freimütig eingesteht, denn es steht in einem Land, in das Vögtli noch nie einen Fuss gesetzt hat: Kirgisien.

Doktorwürde für 30'000 Franken

Der «Dr. h. c.» vor Vögtlis Namen tauchte zuletzt im Basler Handelsregister auf. Der 69-Jährige ist vorsitzender Geschäftsführer der 2018 gegründeten «Kleinbasler Zeitung». Zuerst lautete der Eintrag auf «Dr. Roland Vögtli». Kurz darauf wurde das «h. c.» eingeflickt.

«Es handelte sich um ein Versehen», sagt Vögtli. «Mein Anwalt hat beim Handelsregistereintrag den Doktor aufgeführt, nicht jedoch auch den Zusatz ‹h. c›. Es war ein Irrtum, den wir sofort korrigieren liessen – ich will mich ja nicht mit einem falschen Titel schmücken.»

Vögtli stellt der «Schweiz am Wochenende» sein Diplom zu. Ausgestellt hat es die staatliche Arabaev Universität in Bischkek, Hauptstadt von Kirgisien oder Kirgisistan, wie die frühere Sowjet-Republik auch genannt wird. Datum des auf Kyrillisch verfassten Dokuments: 31. Januar 2011.

Er sei selber überrascht gewesen, als ihm die Uni Arabaev Ende 2010 mitteilte, er habe die Ehrendoktor-Würde erlangt, sagt Vögtli. An der Verleihung in Bischkek sei er nicht anwesend gewesen: «Ich habe Flugangst, und auf dem Landweg wäre die Reise äusserst beschwerlich.» Mit dem Doktor ehrenhalber habe alles seine Richtigkeit. «Ich liess das Diplom vom Eidgenössischen Amt für auswärtige Angelegenheiten übersetzen.»

Da endet Vögtlis Auskunftsfreudigkeit. Nur so viel gibt er Preis: Er habe Geld für ein Projekt für Strassenkinder gespendet, via einen Freund. Der wolle seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. «Es war keine Riesensumme», sagt Vögtli. «Aber es half. Kirgisien ist arm. Es gibt viele Waisenkinder.»

«Beratung für das Hochschulwesen»

Eine Spur zu diesem Freund führt in die Ostschweiz. Die «Berner Zeitung» berichtete 2017 von einem Eberhard Bräun in Kreuzlingen. Er schmückt sich selber mit dem Ehrenprofessor-Titel (Prof. h. c.). Der Deutsche betreibt eine Consulting-Firma, Eigenwerbung: «Beratung für das Hochschulwesen».

Interessierte müssen der Bräun Consult, fand die «Berner Zeitung» heraus, Kopien der ID oder des Passes und einen Lebenslauf zukommen lassen. Hinzu kommt noch die Kleinigkeit von rund 30 000 Franken.

Das Geld komme einem kirgisischen Kinderhilfswerk zu Gute, verspricht die Webseite. Dort heisst es auch, Bräun berate den kirgisischen Justizminister und amte als Verwaltungsrat eines Instituts für Finanz- und Bankwesen. Die Hochschule, zu der das besagte Institut gehört: Eine gewisse Arabaev-Universität.

Vögtli befindet sich mit seinem «h. c.» Kirgisischer Provenienz in guter Gesellschaft. Einer seiner Ehrendoktor-Kollegen ist der Genfer Jürg Stäubli. Der illustre Immobilienhändler gibt auf seiner persönlichen Website an, er sei Dr. h. c. der Uni Arabaev und Aufsichtsrat am dortigen Bank- und Finanzinstitut. Er berate ausserdem den Rektor der Uni und den kirgisischen Justizminister.

Stäubli posiert auch gerne mit Kindern, die offenbar in einem von ihm unterstützen Waisenhaus leben. Stäubli schreibt: «Um die benachteiligten Kinder in Kirgisien sorge ich mich sehr.»

Uni schweigt sich aus

Doch Vögtli will beide nicht kennen. Weder Eberhard Bräun, noch Jürg Stäubli. «Die zwei Namen sagen mir nichts», sagt er. Die Universität Arabaev zeigt sich zwar äusserst interessiert, was Spender und mögliche Titelhalter angeht – bei Journalisten ist es aber vorbei mit der Offenheit.

Eine Anfrage, wer alles Ehrendoktor-Titel erhalten habe und aus welchem Grund, bleibt unbeantwortet. Auch Bräun Consult reagiert nicht auf Schreiben der «Schweiz am Wochenende».

Roland Vögtli führt seinen Ehrengrad auch auf Facebook auf. Im November 2017 postete er einen Glückwunsch auf dem Profil von Roger Federer. Der Tennisspieler war kurz zuvor von der Medizinischen Fakultät der Universität Basel zum Dr. h. c. ernannt worden.

«Gratuliere von Herzen!», schrieb Vögtli – von Ehrendoktor zu Ehrendoktor.