Es sind die Oscars der Musik: die Grammys. Alljährlich werden sie im Winter in Los Angeles verliehen. Die Nominierungen sind gerade veröffentlicht: Adele, Beyoncé und Rihanna kämpfen in der Kategorie «Aufnahme des Jahres» um die begehrte Trophäe.

In dieser internationalen Liga spielt nun auch ein Basler Orchester mit: Das Barockorchester La Cetra Basel. Es ist in der Kategorie «Bestes klassisches Solo-Vokal-Album» nominiert, für die CD «Monteverdi» mit der tschechischen Mezzosopranistin Magdalena Kožená.

Damit befindet sich das Basler Ensemble in bester Gesellschaft: Die Liste der Nominierten liest sich wie ein Who-is-Who der Klassik-Szene: Anna Netrebko, Ian Bostridge, oder – in anderen Kategorien – das Orchestre De La Suisse Romande mit Neeme Järvi, oder Giovanni Antonini mit Cecilia Bartoli, um nur einige zu nennen.

Barockmusik ist keine Nische

Doch welche Bedeutung hat eine solche Nominierung für ein Ensemble, das sich der historisch informierten Aufführungspraxis verpflichtet und mit der Alten Musik eigentlich eine Nische bedient? «Gerade deshalb ist die Ehre besonders gross», sagt Andrea Marcon, seit 2009 künstlerischer Leiter des Ensembles. Denn so zeige sich, dass das Barockorchester La Cetra Basel eben keine Nische bediene, sondern in der internationalen Klassik-Szene mitspielen könne.

Für den italienischen Dirigenten ist es zwar bereits die zweite Nominierung – vor zwei Jahren war er als Dirigent mit einer CD des Countertenors Philippe Jaroussky im Rennen –, doch es ist die erste für sein Basler Orchester.

Hinzu kommt, dass der Grammy ein internationaler Preis ist – im Gegensatz etwa zum Echo-Klassik-Preis, der vor allem im deutschsprachigen Raum bekannt ist.

Zudem stützt sich der Echo auf Verkaufszahlen. Beim Grammy aber wählen 180 000 Mitglieder der «National Academy of Recording Arts and Sciences» und anschliessend eine 150-köpfige Jury aus der Flut der jährlichen CD-Veröffentlichungen die Nominierungen und Preise aus. Und gerade weil dieser Weg so lang und steinig ist, sagt Andrea Marcon: «Diese Nominierung ist eine grosse Anerkennung unserer Arbeit.»

Basel im Rampenlicht

Ob La Cetra den Preis auch gewinnt, wird sich am 12. Februar 2017 zeigen. Dann findet die 59. Verleihung der Grammy Awards in Los Angeles statt, in insgesamt 84 Kategorien.

Doch schon jetzt rückt mit der Nominierung auch Basel ins Rampenlicht. Denn das Barockorchester La Cetra setzt sich fast ausschliesslich aus Absolventen der Schola Cantorum Basiliensis zusammen. Hier ist Andrea Marcon seit vielen Jahren als Professor tätig. Und weil er bereits auf dem internationalen Parkett bekannt ist und mehrfach mit Magdalena Kožená zusammengearbeitet hat, war diese Monteverdi-CD mit der prominenten Sängerin erst möglich.

Bei aller Ehre: Chandler Cudlipp, Geschäftsführer von La Cetra, hält fest: «Die Nominierung in dieser Kategorie bezieht sich natürlich stark auf Magdalena Kožená. Aber auf der CD sind auch zahlreiche reine Instrumentalwerke mit La Cetra zu hören». Etwa Sonaten von Marco Uccellini, Ballettmusik von Tarquinio Merula, eine Passacaglia von Biagio Marini – alles Zeitgenossen Monteverdis. Kožená selbst singt die schönsten Hits aus Claudio Monteverdis Œuvre: «Pur ti miro», «Zefiro torna», und wie sie alle heissen.

Welche Relevanz die Grammy-Nominierung auf die weiteren Verkaufszahlen hat, wird sich zeigen; schliesslich kennt die Klassik- und Alte-Musik-Welt etliche andere Preise, die mehr Szene-internes Fachwissen versprechen – etwa beim «Diapason D’Or». Zudem ist La Cetras Monteverdi-CD ebenfalls für die «International Classical Music Awards» 2017 nominiert.

Barockes Weihnachtskonzert

Bald ist das hoch gehandelte Orchester wieder live im Konzert zu hören: Am 20. 12. steht in der Leonhardskirche Basel ein Konzert mit der «Vespro di Natale» von Claudio Monteverdi auf dem Programm – also mit Musik jenes Komponisten, für dessen Interpretation La Cetra nun für einen Grammy nominiert ist.

Vielleicht schaffen es Andrea Marcon und sein Orchester besonders gut, die musikwissenschaftlichen und musikpraktischen Forschungen, die jedem ihrer Projekte zugrunde liegen, in eine lebendige, ansteckende Interpretation zu verwandeln. Und dass dies alles in Basel entsteht, sollte einmal mehr ein Beweis sein für die hohe Qualität der hiesigen musikalischen Ausbildungsinstitutionen und Ensembles.

CD: Monteverdi. Magdalena Kožená, Andrea Marcon, Barockorchester La Cetra Basel. Deutsche Grammophon.

Konzert: Monteverdi: Vespro di Natale. Di, 20. 12., 19.30 Uhr, Leonhardskirche Basel. www.lacetra.ch