Coronavirus

Wie Basel um seine Schüler ringt: So gehen die beiden Kantone an die Wiederaufnahme des Unterrichts

Seifenboss und Abstand halten – bald wieder Alltag in den Klassenzimmern?

Seifenboss und Abstand halten – bald wieder Alltag in den Klassenzimmern?

Am 11. Mai sollen in beiden Basel die Volksschulen wieder eröffnet werden. Wie das gehen soll, ist noch unklar – Schulen sind skeptisch, ob die Abstandsregeln eingehalten werden können.

Manche Schülerinnen und Schüler dürften darum gebangt haben, wie sich ihre Performance während des Fernunterrichts der vergangenen Wochen im Zeugnis niederschlagen wird. Nun gab der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer an der gestrigen Medienkonferenz eine Entwarnung: Das Schuljahr 2019/2020 wird zwar voll anerkannt. Für die Primarschule und die Sekundarstufe 1 finden jedoch keine für das Zeugnis und die Beförderung relevanten Beurteilungen mehr statt.

Für die Übertritte von Primar- in die Sekundarstufe sowie von der Sekundarstufe in die Mittelschulen gilt aufgrund der Coronakrise nur das Zeugnis des 1. Semesters. Sollte ein Schüler oder eine Schülerin die Qualifikation für einen Übertritt in eine höhere Schulstufe, etwa ins Gymnasium, nicht erreicht haben, könne dies ausnahmsweise mit Zusatzprüfungen nachgeholt werden. Damit will der Regierungsrat sein Versprechen erfüllen, das er bei der Schulschliessung Mitte März abgegeben hatte: Die Corona-Pandemie darf nicht zu einem verlorenen Schuljahr führen. «Wir sehen einen Silberstreifen am Horizont», sagte Cramer und meinte die Aussicht auf eine Wiedereröffnung der obligatorischen Schulen am 11. Mai sowie der weiterführenden Schulen am 8. Juni. «Aus bildungspolitischer Sicht hätte ich mir gewünscht, dass wir sofort eröffnen können», räumte Cramer ein.

Unterricht in Kleingruppen führt zu Platzproblemen

«Die Schulschliessung bedeutet für viele Familien eine ungeheure Belastung.» Er hoffe daher, dass in drei Wochen der Schulbetrieb möglichst vollständig wieder aufgenommen werden kann. Was das heisst, weiss allerdings noch keiner so genau. «Die Kantone sind aufgefordert, entsprechende Schutzkonzepte für den Präsenzunterricht zu entwickeln», sagte Cramer. Er hoffe dabei auf ein koordiniertes Vorgehen der Kantone.

Einer, der sich dazu bereits Gedanken gemacht hat, ist Jean-Michel Héritier, Präsident der Freiwilligen Schulsynode Basel-Stadt. «Ich könnte mir vorstellen, dass der Unterricht nur stufenweise beginnt und anfangs noch in Kombination mit dem Fernunterricht stattfindet», sagt Héritier auf Anfrage. Als Möglichkeit zieht er auch in Betracht, dass als Erstes die Kindergärten und unteren Klassen den normalen Schulbetrieb wieder aufnehmen, da diese meistens keinen Schulweg und damit weniger Kontakte haben. «Wenn in einem Raum nicht mehr als fünf Kinder unterrichtet werden sollen, gibt es schnell ein Platzproblem», so Héritier. So müsste man vielleicht in leer stehende Tagesstrukturen oder Gymnasien ausweichen. «Dann müssten aber wiederum auch mehr Lehrpersonen arbeiten.» Er hoffe, dass eine passable Lösung gefunden werde, denn: «Besonders die sozial schwächeren Schülerinnen und Schüler müssen baldmöglichst wieder in einen Präsenzunterricht eingebunden werden.»

Fernunterricht als Chance für Homeschooling?

Auch der Präsident der Elternlobby Schweiz, Fredi Jaberg, freut sich auf die Wiedereröffnung der Schulen. Er weiss um die hohe Belastung der Eltern während des Fernunterrichts. Allerdings sieht er es als verpasste Chance, die Erfahrungen des Fernunterrichts nicht für die Weiterentwicklung neuer Konzepte zu nutzen. «Man könnte jetzt von den Familien profitieren, die Erfahrungen mit Homeschooling haben und diese Unterrichtsform anbieten könnten», so Jarberg. Anders als von der Regierung oft suggeriert, sieht er die Schule mit ihrem pädagogischen System nicht als einzigen möglichen Integrationsort für Kinder.

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