ASE-Skandal
Wie bei der Basler Kantonalbank die Millionen verschwanden

Ein Betroffener erzählt, wie der mutmassliche Finanzbetrüger ASE Investment dei Kunden mit einer komplexen Kontenstruktur bei der Zürcher Filiale der Basler Kantonalbank hinters Licht geführt hat. ASE operierte dabei mit heimlichen Konten.

Marc Fischer
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Von allen Seiten wird ermittelt: Zürcher Büros der Basler KB.

Von allen Seiten wird ermittelt: Zürcher Büros der Basler KB.

HO

Der Engelberger Vermögensverwalter ASE Investment mit Sitz in Frick hat seine Kunden nicht nur über einen obskuren Devisenfonds geschädigt (az von gestern). ASE Investment hat auch ein komplex gebautes Konten-Konstrukt bei der Zürcher Private-Banking-Sparte der Basler Kantonalbank (BKB) für seine Machenschaften benutzt. Das sagt ein betroffener Kunde von ASE, der anonym bleiben will, gegenüber der az.

Wie andere unabhängige Vermögensverwalter habe der in Untersuchungshaft sitzende Geschäftsführer von ASE Investment, für den die Unschuldsvermutung gilt, zunächst einen Vertrag für ein Vermögensverwaltungsmandat unterschreiben lassen. «ASE Investment hat sich darin verpflichtet, in meinem Namen und mit meinem Geld Devisengeschäfte in den Währungen Dollar, Yen, Euro und Franken zu tätigen», so der ASE-Kunde weiter.

ASE Investment habe dann beim BKB Private Banking Zürich für den Kunden vier Konten eröffnet – für jede der vier Währungen eines. «Zugleich wurde bei der gleichen Bank ohne mein Wissen aber ein weiteres Konto für kanadische Dollar ebenfalls auf meinen Namen eröffnet», so der ASE-Kunde. Das von ihm einbezahlte Geld sei dann von den offiziellen vier Konten auf das Kanadadollar-Konto gewandert. Dort sei das Geld aber nicht lange liegen geblieben. Abklärungen hätten ergeben, dass ASE Investment das Geld von dem Kanadadollar-Konto abgezogen und auf ein Konto überwiesen hatte, von dem ASE selber der wirtschaftlich Berechtigte war. «Dies, obwohl ASE aufgrund des Vermögensverwaltungsvertrages kein Recht dazu hatte», so der Kunde weiter.

Durch dieses Vorgehen hat der Kunde aus Sicht der Bank eine Art Blankokredit aufgenommen. Das sei dem Kunden erst klar geworden, als die BKB ihn informierte, dass er den Blankokredit in einen Lombardkredit umwandeln müsse. «Ich hatte keine Ahnung von irgendeinem Kredit», so der Kunde gegenüber der az.

Der Kunde fürchtet nun um sein Geld. Eine Anfrage bei der BKB sei nicht beantwortet worden, obwohl er der wirtschaftlich Berechtigte des BKB-Kontos und die Bank ihm gegenüber auskunftspflichtig sei. «Bei der BKB in Zürich hat man mir gesagt, ich müsse mich an den Geschäftsführer von ASE Investment wenden.»

Personelle Verflechtungen

Dass ASE Investment für ihre undurchsichtigen Devisengeschäfte die BKB als Depotbank wählte, war offenbar kein Zufall. Der Chef von BKB Private Banking Zürich und der Chef von ASE Investment traten bei Veranstaltungen zum Teil zusammen auf. «Dass der Chef einer Bank mit Staatsgarantie scheinbar hinter ASE Investment stand, bestärkte mich im Eindruck, dass es sich um eine seriöse Firma handeln musste. Ich habe mich offenbar täuschen lassen», sagt der ASE-Kunde heute. Der ASE-Chef soll den Leiter von BKB Private Banking Zürich auch auf eine Geschäftsreise nach Asien eingeladen haben. Die Verflechtung von ASE und BKB zeigt sich auch darin, dass der Bruder des ASE-Geschäftsführers bei der BKB arbeitet, wie der Internetdienst «Inside Paradeplatz» schreibt.

Mittlerweile wurden der Chef und zwei weitere Mitarbeiter der Zürcher BKB-Sparte aus dem Verkehr gezogen, wie der «Tages-Anzeiger» schrieb. In BKB-nahen Kreisen heisst es, dass das Basler Mutterhaus die Zürcher radikal an die kurze Leine genommen habe. «Aufgrund des Erfolgs liess man dem Zürcher Büro früher viel Spielraum», sagt eine mit der Materie vertraute Person. Doch nun hat man das Zürcher Büro, das wegen US-Kunden auch die US-Justiz auf den Plan gerufen hatte, degradiert. So rapportiere der neue Chef in Zürich nicht mehr an den CEO in Basel, sondern nur noch an den Leiter des Bereichs Private Banking.

Die BKB lässt den Sachverhalt durch einen unabhängigen Experten untersuchen. Die Bank habe ein grosses Interesse an einer umfassenden Aufklärung. Während der Untersuchung verzichte man auf Kommentare. Die BKB hatte selbst Strafanzeige erstattet und die Finanzmarktaufsicht Finma unterrichtet. Den Fall untersucht auch die Aargauer Staatsanwaltschaft, und die Finma hat einen externen Untersuchungsbeauftragen auf ASE Investment angesetzt.