Nähkästchen

Wie Beni Huggel zu einer Punkband stiess: «Ich hatte als Kind Cello gespielt und war dementsprechend fingerfertig»

Benjamin Huggel im Tenniscenter «Tennis an der Birs». Hier ist er seit Juni 2016 Leiter der Administration.

Ex-FCB-Star Beni Huggel plaudert aus dem Nähkästchen. Und verrät, welche Musik er bei seinem ersten Liebeskummer hörte.

Herr Huggel, welchen Begriff haben Sie gezogen?

Beni Huggel: Punk. Das klingt, als würden wir über meine Vergangenheit sprechen.

Zumindest fangen wir da mal an. Sie waren ja einst Bassist in der lokalen Punkband Döschwo.

Da bin ich reingerutscht. Mein ein Jahr älterer Bruder hatte zum Sekundarschulabschluss gemeinsam mit Schulkollegen eine Band gegründet. Es fehlte ihnen lediglich der Bassist. Da bin ich ins Spiel gekommen. Ich hatte als Kind Cello gespielt und war dementsprechend fingerfertig. Über diese Band rutschte ich die andere Band Döschwo hinein. Wir spielten 1993 am gleichen Nachwuchswettbewerb wie die Lovebugs und hatten vorher schon in Aesch einzelne Auftritte im Chäschtli. Das Haus war ausverkauft. Aber wir haben einfache Musik gespielt. Drei Akkorde, mehr nicht. Jugendlicher, links angehauchter Punk.

Hätte Ihnen das Musiker- und Rockerleben auch zugesagt oder waren Ihnen die Strukturen des Fussballerlebens doch lieber?

Am liebsten wäre mir gewesen, beides unter einen Hut zu bringen. Ich folge auf Instagram Pat Burgener, der Profisnowboarder und Musiker ist. So ein Leben hätte ich mir auch vorstellen können. Aber im Fussball war das nicht Usus. Anders als etwa bei den Hockeyanern. Da gibt es den einen oder anderen wie etwa Eric Blum vom SC Bern und Roman Wick vom ZSC, die in einer Band mittun.

Waren Sie als Musikliebhaber aber mindestens der Kabinen-DJ beim FCB?

Nein, das hätte nichts gebracht. Irgendwelche epischen Songs abzuspielen, funktioniert nicht mit Leuten, die diesen Song nicht episch finden. In einer Kabine muss man sich auf Chartmusik einigen, die niemandem wehtut. «Stairway to Heaven» kannst du vergessen.

Was stellen Sie sich schöner vor: In einem vollen Fussballstadion ein Tor zu schiessen oder als Rockmusiker auf der Bühne zu stehen?

Das Gefühl, ein selber geschriebenes Lied zu spielen, das Tausende mitsingen, das muss mega sein. Aber ein Tor zu schiessen ist auch sehr toll. Ich kanns nicht vergleichen, da ich nur das Eine erlebt habe.

Könnten Sie sich vorstellen, wieder in einer Band zu spielen?

Ich habe eine proppevolle Agenda. Momentan ist eine Wiedervereinigung von Döschwo kein Thema. Ich hab zu Hause auch gar keinen Bass mehr, sondern nur eine Gitarre. Alleine Bass zu spielen macht mir nicht so viel Spass.

Musikhören liegt aber sicher drin.

Ja klar. Ich höre regelmässig Sounds auf SRF 3, um Neues zu entdecken. Und wenn ich alte Sachen höre, ist das natürlich oft mit Emotionen verbunden. Da bekomme ich auch immer wieder Hühnerhaut.

Besuchen Sie auch ab und zu Konzerte?

Selten. Mitten in Menschenmengen fühle ich mich unwohl. Ich werde halt immer noch von vielen erkannt. Kommt dazu, dass ich mit meiner Grösse ein ziemlich unbeliebter Konzertgänger bin, da ich allen hinter mir die Sicht nehme.

Welches ist Ihre Lieblingsband?

Mich auf eine einzige zu beschränken ist fast unmöglich. Eine Band, die mich begleitet, seit ich 13 Jahre alt bin, ist Metallica. «Master of Puppets» und «Ride The Lightning» sind meine Favoriten, natürlich auch das schwarze Album. Ich war auch ein grosser U2-Fan, wobei ich die neuen Sachen schlecht finde. Coldplay finde ich cool, aber wer findet das nicht? Die Red Hot Chili Peppers haben mich auch durch die Jugend begleitet. Doch hier finde ich die neueren Sachen nur bedingt gut.

Und welche Musik haben Sie gehört, als Sie Ihren ersten Liebeskummer hatten?

Ich glaube, das waren The Cure. Wobei das ja eigentlich das Falscheste ist, wenn man Liebeskummer hat. So schwermütig ist das.

Aber Punk ist als ehemaliger Punkrocker nicht so ihr Ding?

Heute überhaupt nicht mehr. Früher habe ich schon auch Punk gehört. Die Abstürzenden Brieftauben, Normal oder die Goldenen Zitronen. Aber der politische, harte Punk war nie mein Ding. Die Ramones und die Sex Pistols habe ich noch lustig, aber letztlich zu wenig komplex gefunden.

Sie haben einen Sohn und eine Tochter. Machen sie Musik?

Ja, mein Sohn spielt Schlagzeug und meine Tochter hat Gesangsunterricht. Ich zwinge sie zu nichts, aber ich unterstütze das sehr. Ich musste Cello spielen, ohne dafür eine Leidenschaft zu haben. Das Gute daran: Mit der linken Hand habe ich eine hohe Fingerbeweglichkeit. Das lernt man im Erwachsenenalter kaum noch. Mein Sohn wird das ganze Leben wirbeln können am Schlagzeug.

Ihr Sohn spielt aber auch noch Fussball. Lastet da nicht ein grosser Druck auf ihn?

Ich mache da keinen Druck. Der kommt von aussen. Ich habe ihm aber auch schon gesagt, dass er damit leben muss. Ich wollte ihm schon ein paarmal eine andere Sportart schmackhaft machen. Aber er will unbedingt Fussball spielen.

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