Fussball

Wie das Flüchtlingsteam Eri Basel über Umwege ans Ziel kommt

Der FC Eri Basel heisst jetzt SC Basel Nord c.

Der FC Eri Basel heisst jetzt SC Basel Nord c.

Das Flüchtlingsteam Eri Basel schaffte es nicht, einen Verein zu gründen. Dank eines Tricks dürfen sie jetzt trotzdem in der 5. Liga spielen.

Sador Abraha hat einen Fussballplatz noch anders in Erinnerung, karg und urtümlich. Als Kind rannte er in Eritrea auf braunem Boden dem Ball hinterher. An den Füssen hatte er keine Nocken, sondern schlichte Schuhe. Am Sonntag wird er in Basel auf einem grünen Rasen stehen, diesmal mit Nockenschuhen. Dazu wird er Schienbeinschoner tragen, eine Seltenheit in seinem Heimatland. Abraha wird Teil einer Partie zwischen dem FC Polizei Basel und Basel Nord c sein.

Das Spiel wird in den tiefsten Niederungen des Amateurfussballs stattfinden, das Resultat wird kaum einen interessieren. Und doch ist die 5.-Liga-Partie aussergewöhnlich. Zumindest für eine Mannschaft. Denn bei Basel Nord c stehen allesamt Landsleute Abrahas auf dem Platz. Die Mehrheit von ihnen schnuppert zum ersten Mal offizielle Meisterschaftsluft. Abraha gehört hingegen zu den erfahrenen Spielern. Für ihn ist das Spiel am Sonntag nicht das erste Meisterschaftsspiel in der Schweiz. Und dennoch: «Ich kann es kaum erwarten, bis es endlich losgeht», sagt er, der als Trainer der Mannschaft fungiert.

Dass die Eritreer in dieser Saison als Mannschaft antreten dürfen, war bis vor kurzem noch äusserst fraglich. Im März hiess die Gruppe Eri Basel und träumte von ihrem eigenen Verein. Doch die Flüchtlinge mussten realisieren, dass eine Vereinsgründung in der Schweiz bürokratisch nicht so einfach ist und dazu auch teuer werden würde (die bz berichtete).

Es bot sich jedoch ein Ausweg aus der verflixten Lage. Weil einige Spieler bereits im Verein SC Basel Nord kickten, war eine Basis für weitere Verhandlungen gelegt. Schnell war klar: Wollen Eri an einer offiziellen Meisterschaft teilnehmen, müssen sie sich in einen bestehenden Klub integrieren. Basel Nord stellte sich als der willkommene Aufnahmeverein dar.

Basel Nord zeigt Kulanz bei finanziellen Hürden

Doch auch diese Lösung war nicht ohne Tücken. Mitgliederbeiträge und Spielerlizenzen sind nicht für alle aus Abrahas Team erschwinglich. Um die finanzielle Situation zu entlasten, reduzierten Eri und Basel Nord die Kosten, etwa für den Trainer oder das Material, auf ein Minimum. «Eine unserer Mannschaften hat zudem den Geldwert ihres Fairplay-Preises aus der vergangenen Saison gespendet», sagt Michael Heutschi, Präsident von Basel Nord. Als dritte Finanzierungssäule diente ein gemeinsam organisiertes Fest. «Keine Option war für uns, das neue Team über die Mitgliederbeiträge der anderen Mannschaften zu finanzieren.»

Schon seit einigen Jahren ist eine Mannschaft aus Expats Teil Basel Nords, der Verein kann sich also auf einen Erfahrungsschatz mit ausländischen Mitgliedern verlassen. Ihr karitatives Engagement entwickelte sich zufällig. Weil Basel Nord Probleme bei der Rekrutierung neuer Mitglieder bekundete, warben die Verantwortlichen an der Universität Basel Fussballer. Es meldeten sich zunächst zwei Ungaren. Es folgten weitere Expats und nun Flüchtlinge aus Eritrea. Das Mitgliederproblem ist vorerst gelöst. «Gleichzeitig sind wir stolz auf die gelungene Integration dieser Menschen. Es erweitert auch unseren Horizont», so Heutschi.

Ein Stück Identität muss geopfert werden

Die Wohltätigkeit hat aber Grenzen. «So romantisch die Geschichte tönt, wir sind konsequent, wenn die Werte des Vereins nicht hochgehalten werden», sagt Heutschi. Dazu gehören der Respekt und das Besuchen der Vereinsanlässe. Mit den bisherigen Eritreern im Verein habe das problemlos funktioniert. Auch finanziell müsse die Situation stets neu beurteilt werden, sollten die Mitgliederbeiträge ausfallen.
Obwohl es ihm bei Basel Nord sehr gefällt, hat Abraha den Traum einer eigenen Mannschaft noch nicht ausgeträumt. «Wir sind dankbar, in einem Verein zu sein, doch hundertprozentig glücklich sind wir damit nicht. Wir verlieren unseren ursprünglichen Namen», so der Eritreer. Aus Eri Basel wird Basel Nord c. Die Integration ist unweigerlich mit einem Teilverlust der eigenen Identität verbunden.

Unterschiede in der Mentalität haben Heutschi und Abraha schnell festgestellt. Aus Sicht des Schweizers ist es in erster Linie die Ausgelassenheit: «Sie tanzen an Spieltagen und hören Musik. Da sind wir Schweizer reservierter.» Abraha stellt hingegen die Verbissenheit in den Vordergrund: «Schweizer spielen oftmals aus Spass Fussball. Wir Eritreer wollen aber immer gewinnen.» Bei einer Niederlage seien manche der Mannschaft während mehrerer Tage traurig.

Auch deswegen unterscheiden sich die Zielformulierungen der beiden Herren deutlich. Nach dem Geschmack Abrahas soll die Premierensaison bereits mit einem Aufstieg in die 4. Liga enden. Heutschi gibt keine Ziele vor, meint aber, dass zumindest ein Abstieg nicht möglich sei, da es tiefer als die 5. Liga ja gar nicht gehe. Wo die Mannschaft sportlich wirklich steht, lässt sich am Sonntag um 11.00 Uhr auf den Sportanlagen St. Jakob erstmals beurteilen. Doch in der Meisterschaft hat die eritreische Mannschaft bereits jetzt ihren Platz gefunden. Das ist als Startkapital schon mehr als drei Punkte wert.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1