2189 Briten leben in Basel. Damit sind sie eine der grösseren ausländischen Bevölkerungsgruppen im Stadtkanton. Und den Briten gefällts: In den letzten zwanzig Jahren war Grossbritannien nach Deutschland jene Nation mit dem grössten prozentualen Zuwachs hier. Im Jahr 1996 zählte die britische Community noch 788 Mitglieder. Schweizer werden die wenigsten. Gerade einmal 62 Briten wurden in den letzten zehn Jahren Besitzer eines Schweizer Passes. Viele von ihnen arbeiten in der Pharmaindustrie, aber auch in der Forschung und im Finanzsektor.

Welchen Einfluss der beschlossene EU-Austritt nun auf Basel hat, kann aktuell niemand beurteilen. Von verschiedener Seite allerdings wird befürchtet, dass die Personenfreizügigkeit, wie sie bislang zwischen Grossbritannien und der Schweiz bestand, nun fallen könnte (die bz berichtete). Für die Basler Wirtschaft könnte dies durchaus bedeutende Folgen haben. Das sehen auch die bürgerlichen Regierungskandidaten so. Beispielsweise sagt Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (CVP): «Der Brexit ist ein negativer Entscheid, insbesondere aus Basler Sicht. Wir sind eine Grenzregion, die von der Personenfreizügigkeit mit der EU sowie den bilateralen Abkommen stark profitiert.» Engelberger hat eine persönliche Beziehung zu dieser Abstimmung. Er hat in London studiert. Thema seines Studiums dort: Europarecht. Sein Kollege Conradin Cramer, der den LDP-Sitz von Christoph Eymann verteidigen will, stösst ins gleiche Horn: «Die Pharma, aber auch die Forschung werden möglicherweise unter den Folgen zu leiden haben – es ist ein Domino-Effekt.»

Dürr zögert, Nägelin nicht

Justizdirektor Baschi Dürr von der FDP ist sich nicht sicher, was er in die Urne gelegt hätte. «Vielleicht hat dieser Entscheid mittelfristig einen positiven Einfluss auf die Entwicklung der Europäischen Union.» Er weist allerdings darauf hin, dass dies Spekulation sei und sagt: «Wahrscheinlich sind die kurzfristigen Risiken konkreter als die längerfristigen Chancen.» Alle drei sind sich einig, was die Abstimmung kurzfristig bedeutet: Unsicherheit. Am deutlichsten wird hier Engelberger: «Die Unsicherheit, die jetzt in Grossbritannien ausgebrochen ist, erinnert mich an unsere Diskussionen nach Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative.» Die MEI. Mit ihr wird der Brexit oft verglichen dieser Tage. Es erstaunt nicht, dass sich die SVP auf die Seite der Europa-Gegner schlägt. Lorenz Nägelin, der zusammen mit den drei Genannten auf einem Wahlzettel für die Basler Regierung kandidiert, bildet da keine Ausnahme. Er sagt: «Der Brexit war ein mutiger, richtiger und wichtiger Schritt.»

«Solchen Leuten stellt sich die Frage: Zu was wollt ihr zurück? Zu einem Europa der Nationalismen? Der Brexit stellt das erfolgreiche Friedens- und Wohlstandsprojekt der europäischen Integration infrage», entgegnet ihm Engelberger. «Diejenigen, die diesen Entscheid hier bejubeln, werden ihre Meinung wohl noch ändern», pflichtet ihm Cramer bei.

Beide wissen zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht, dass sie sich auf eine Aussage von Kollege Nägelin beziehen. Auf diesen Umstand hingewiesen, relativiert Cramer plötzlich: «Ich teile seine Sicht nicht, aber es ist für alle ein Blick in die Glaskugel.» Auch Engelberger sagt: «Wir müssen nicht die gleiche Position haben, dies ist ja eine europäische Frage.» «Zudem», fügt er an, «dürfte dieses Thema für die kantonalen Wahlen keine Rolle spielen. Dürr streicht heraus, dass die Parteien durchaus Differenzen haben, «unter dem Strich ist aber unsere Schnittmenge bei kantonalen Anliegen gross.»

Mück gegen Brexit

Auch die links-grüne Allianz zeigte erste Risse. Da war es Basta-Kandidatin Heidi Mück, die von den Parolen ihrer Mitkandidaten abwich. Beispielsweise beim zweiten Roche-Turm oder der Unternehmenssteuerreform (die bz berichtete). Den Brexit befürwortet sie aber nicht, auch wenn sie ihn zu Teilen nachvollziehen kann: «Ich stelle eine gewisse Ernüchterung gegenüber den Grundideen der EU fest.»