Mit einem Schluss beginnen – was eignet sich mehr, wenn man die Geschichte der Balair anschaut? Denn diese war geprägt von finanziellen Bruchlandungen und optimistischen Neustarts.

Eine Bruchlandung war auch der letzte Akt der Belair, die kürzlich mit dem Konkurs der Air Berlin auf den Boden gedrückt wurde. Belair war eine Reminiszenz des Swissair-Konkurses vor 16 Jahren; keine Rechtsnachfolgerin, aber immerhin dem Namen nach der Balair ähnlich. Flugzeuge, Personal und teilweise auch das Erscheinungsbild wurden in die Belair hinübergerettet. Danach wurde Belair an Air Berlin verkauft, wie ein ungeliebtes Kind. Dabei hatte die Belair einen guten Job gemacht, wie in der Brache allgemein zu hören ist.

Eine wichtige Rolle in der Schweiz

Balair hatte, zumindest in Basel, während Jahrzehnten den Status einer Ikone und spielte in der bald 100-jährigen Geschichte der schweizerischen Zivilluftfahrt eine wichtige Rolle. Jetzt ist ein Buch erschienen, das die Facetten dieser spannenden Geschichte aufzeigt.
«Balair – als Fliegen noch Fliegen war», lautet der Titel. Und abenteuerlich, möchte man ergänzen.

Ja, und die Balair hatte tatsächlich mehrere Leben. Das erste begann 1925 und konzentrierte sich auf den Luftverkehr längs des Rheins Richtung Norden. Bereits sechs Jahre später übernahm sie die unrentable Zürcher Astra Aero, die fusionierte Gesellschaft hiess Swissair. Die spätere Tochter war also Gründerin der Mutterfirma...

Zweiter Anlauf nach dem Krieg

Der zweite Anlauf kam 1948, als der Aero-Club Basel auf dem Birsfelder Sternenfeld eine Flugschule mit dem Namen Balair gründete. Sie nahm auch Abfertigungen vor, später Taxi-Rund- und Fotoflüge, bis sie den Bedarfsluftverkehr entdeckte.

Das reich illustrierte Buch lebt aber auch von den Angestellten, Piloten und anderen Zeitzeugen, welche die Autorin Trudi von Fellenberg ausgiebig zu Wort kommen lässt.

Ruedi Hänssler beispielsweise, ein Sachbearbeiter der Balair, der überraschend die Gelegenheit hatte, einen sogenannten Goldflug aus Südafrika in die Schweiz zu begleiten. Dass Balair solche Goldtransporte durchführte, war geheim, Hänssler musste eine Schweigevereinbarung unterzeichnen. In Südafrika herrschte damals noch finsterste Apartheid. Die Kontrollen schienen sehr lax gewesen zu sein. Es ranken sich auch hübsche Legenden. So sei etwa einmal ein mit Gold beladener Transportwagen auf dem Vorfeld vergessen worden. Wenns nicht wahr ist, ist’s gut erfunden. Margrit Jost war die erste Stewardess der Balair. Mit 22 angelte sie sich 1957 diesen Traumjob, der, wie sie merken musste, auch harte Knochenarbeit war. Aber der Job sei «sehr aufregend» gewesen, schildert sie. Zu Beginn flog sie vor allem nach Brüssel zur Weltausstellung.

«Ich war natürlich auch auf diesen Hadsch-Flügen», den Pilgerflügen nach Mekka. Einmal sassen am Boden einige Männer, die in der Kabine auf einem Gaskocher Tee kochen wollten. «Das konnte ich natürlich nicht tolerieren.»

Auch mit Kurt Herzog, einem der ersten Chefs nach dem Krieg, hat die Autorin lange gesprochen. Es wurde ein Zeitdokument, denn noch vor Drucklegung des Buches starb Herzog, im hohen Alter von über 90 Jahren.

Rotkreuz-Transporte

Einen guten Namen machte sich die Balair im Dienst für das Internationale Rote Kreuz für Transporte in Katastrophengebiete. Da war immer eine massgeschneiderte Logistik, der nötige technische Support und Improvisationskunst gefragt. Und die Balair verdiente damit gut. Auch die technische Entwicklung der Fluggesellschaft zeichnet die Autorin nach – von den ersten, vierplätzigen Propellermaschinen, bei denen der Pilot noch im offenen Cockpit flog, bis zu den ersten grösseren Douglas und dem Beginn des Jet-Zeitalters. Diese Entwicklungen und die laufend sich ändernden Bedürfnisse des Marktes, die aufkommende Konkurrenz kommen ebenfalls ausgiebig zur Sprache.

Es gab auch schwierige Zeiten. Die Swissair, seit 1959 an der Balair beteiligt, gab meist den Ton an. In den Neunzigerjahren wurde die Konkurrenz schärfer, aber die Balair hatte im Cockpit sehr teure Swissair-Piloten. Später wurde die Balair mit der CTA fusioniert, was aber auch nicht wirklich half. Basel als Standort war nicht mehr von Belang, wobei sich auf dem Euro-Airport eine neue Gesellschaft emporschwang: die Crossair.

Im Swissair-Strudel

1995 wurde die Balair-CTA aufgelöst, die Kurzstreckenflieger in die Crossair integriert, die Langstreckenjets in die Swissair. Die Probleme der Swissair, die hohen Produktionskosten und die Ineffizienzen, wurden aber nicht an die Hand genommen, im Gegenteil. Das Geld wurde für die Akquisition für marode Fluggesellschaften wie Sabena, LTU, etc. ausgegeben, dies in der Hoffnung, Kosten durch Wachstum reduzieren zu können. Wo das endete, ist bekannt – im Grounding der Swissair.

Trudi von Fellenberg war selbst Teil des Abenteuers Balair. Zwischen 1977 und 1985 war sie dort Flight Attendant; später arbeitete sie als Journalistin und Autorin, oftmals im Umfeld der Fliegerei.